http://www.faz.net/-gqe-92v41

Nach fünf Jahren Bauzeit : China will 2019 weltgrößten Flughafen eröffnen

Journalisten zu Besuch auf der Baustelle des neuen Pekinger Flughafens „Daxing“. Bild: Reuters

Vor den Toren Pekings entsteht ein Flughafen der Superlative, der bestens im Zeitplan zu liegen scheint - und doppelt so viele Passagiere abfertigen soll wie der Berliner BER.

          China hat mit 23.000 Kilometern Schienen das längste Hochgeschwindigkeitszugnetz der Welt. In der riesigen Milliardennation stehen 81 der 100 weltgrößten Brücken. Bald kommt im Land der Superlative ein weiterer Rekord hinzu.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Im Jahr 2019 soll in Peking, planmäßig nach fünf Jahren Bauzeit, mit einer Fläche von 700.000 Quadratmetern das größte Flughafenterminal der Welt den Testbetrieb aufnehmen. Das hat Chinas Regierung zwei Tage vor der wichtigsten politischen Veranstaltung seit fünf Jahren bekannt gegeben. Am Mittwoch beginnt in Chinas Hauptstadt der 19. Kongress der Kommunistischen Partei, die bald 70 Jahre das Land beherrscht – und den neuen Megaflughafen zu einem Symbol ihrer Stärke machen will.

          Das Projekt ist in der Tat eindrucksvoll. Im Inneren des neuen Terminals sind die Gates entlang von sechs Zacken um einen Zentralpunkt angeordnet. Das erinnert an einen Seestern und macht es möglich, dass die Passagiere maximal nur 600 Meter beim Umsteigen zurücklegen müssen. Dauern soll dies dann höchstens acht Minuten.

          Verzögerungen auch in China

          Aneinandergereiht, ergäben die Flugsteige eine Länge von 5 Kilometern. 80 Milliarden Yuan hat das Projekt gekostet, was nach derzeitigem Wechselkurs gut 10 Milliarden Euro entspricht. Die Kosten des Berliner Flughafens BER werden derzeit auf 6,5 Milliarden Euro taxiert – aber was die deutsche Dauerbaustelle wirklich einmal kosten wird, sollte sie denn irgendwann einmal fertig werden, ist unklar.

          Auch in China gibt es anders als oft behauptet Verzögerungen und Kostensteigerungen bei großen Bauprojekten. Die Chishi-Brücke in der Provinz Hunan, die an Seilen aufgehängt 2,3 Kilometer lang ist und eine durchschnittliche Höhe von 270 Metern erreicht, wurde erst nach sechs Jahren und zahlreichen Verzögerungen fertig und kostete mit 250 Millionen Euro rund 50 Prozent mehr als geplant. Eine Studie der Oxford-Universität ergab, dass zwei Drittel von 65 untersuchten Autobahn- und Zugstreckenprojekten wirtschaftlich keinen Sinn ergeben.

          Allerdings wirken die Verzögerungen in China, wie beispielsweise am Flughafen Wuhan, dessen drittes Terminal Ende August nach vier Jahren Bauzeit am Ende fünf Monate später als geplant fertig wurde, nicht sonderlich beeindruckend angesichts des Berliner BER, dessen Baubeginn nunmehr elf Jahre zurück liegt.

          Doppelt so hohe Kapazität wie Berlin

          Für die Eröffnung des neuen Pekinger Großflughafens, dem dritten in der 22-Millionen-Einwohner-Stadt, gibt es anders als für den BER in Berlin auch ein Datum. Kaum ein Beobachter zweifelt ernsthaft daran, dass dieses von der Regierung auf den Tag eingehalten wird – oder dass der neue Pekinger Flughafen gar früher eröffnet wird.

          Ende September waren den Angaben zufolge 90 Prozent der Erdarbeiten erledigt, ebenso 95 Prozent anderer Bauarbeiten wie von Brückenpfeilern. Derzeit erhält der Terminal sein Dach aus Glas und Stahl. Ende des Jahres soll es wetterfest sein. 

          Mit 45 Millionen Passagieren soll Chinas neuer Stolz zu Beginn seines Betriebs doppelt so viele Passagiere abfertigen, wie im BER wohl realistisch sind. Später einmal, wenn zu den vier Rollbahnen vom Beginn weitere hinzukommen, soll der neue Pekinger Flughafen sogar jährlich 100 Millionen Passagiere abfertigen, was den Dimensionen des Flughafens Atlanta in Amerika entsprechen würde – und in etwa denen des älteren Bruders im Nordosten der Stadt, dem Beijing Capital Airport, der 2008 fertig wurde.

          Dort hält hinsichtlich der Größe einzelner Terminals Peking jetzt schon den Weltrekord: der T3 des bisherigen internationalen Flughafens, der vor neun Jahren vor den Olympischen Sommerspielen eröffnet wurde, hat eine Fläche von fast 100 Hektar. Der Terminal des neuen Projekts 67 Kilometer südlich der Stadt, das noch keinen Namen hat und von den Chinesen bisher nach der Entwicklungszone „Daxing“ genannt wird, neuer Flughafen, ist sogar noch ein bisschen gewaltiger.

          Nanyuan wird Militärflughafen

          Der „Daxing“ soll küftig den „Beijing Capital“ entlasten, der mit 95 Millionen Passagieren im Jahr 2016 hinter dem Flughafen Atlanta das weltweit zweitgrößte Passagieraufkommen hat. Während Pekings dritter Flughafen Nanyuan, ebenfalls im Süden der Stadt beheimatet, zum Militärstandort umfunktioniert werden soll, bleibt der „Beijing Capital“ in Betrieb und wird weiterhin internationale und inländische Flüge abwickeln.

          Die Arbeitsteilung der beiden Flughäfen soll sich nach der Fluglinie richten: Flüge von Anbietern aus dem Verbund Star Alliance, zu der neben Air China auch Lufthansa gehört, bleiben im Norden. Die Flüge der Linien, die zum Sky Team-Verbund zählen, ziehen in den Süden um. Dort bringt ein Zug die Passagiere mit einer Geschwindigkeit von 350 Stundenkilometern ins Stadtzentrum.

          Weitere Themen

          Razzia auch bei Opel Video-Seite öffnen

          Dieselskandal : Razzia auch bei Opel

          Nach Volkswagen, Audi, Daimler und BMW ist beim Dieselskandal jetzt auch Opel ins Visier der Justiz geraten. Es geht um verschiedene Euro-6-Modelle von Opel.

          Topmeldungen

          Bayern-Wahl : Wie gewonnen, so zerredet

          Die Verlierer machen es auch nicht besser: Das Ergebnis der bayerischen Landtagswahl offenbart einen messbaren Wähler-Überdruss an Schicksalsfragen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.