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Bonität gesenkt : China: Rating-Agenturen verstehen uns nicht

Die Ratingagentur S&P hat die Bonität Chinas herabgestuft. Bild: AP

Aus Sorge vor Chinas rasant wachsendem Schuldenberg hat nun auch Standard & Poor’s seine Bonitätsnote für das Land gesenkt. Kurz vor dem wichtigsten politischen Treffen seit fünf Jahren schmeckt dies der Führung überhaupt nicht.

          Als die amerikanische Ratingagentur Moody’s im Mai ihre Bonitätsnote für die Staatsanleihen der zweitgrößten Volkswirtschaft China senkte, reagierte die Führung des Landes mit einer Antwort, mit der sie seit jeher jegliche Kritik aus dem Ausland abtut, ob es sich um Menschenrechte, militärische Machtspiele oder eben ihre Wirtschaftspolitik handelt: Ihr versteht uns nicht.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Die Analysten aus New York „überschätzten“ das Risiko, was von Chinas riesiger Gesamtverschuldung ausgehe (Staat, Haushalte, Unternehmen), die in schier unvermindertem Tempo der Marke von 300 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung entgegen raste. Zudem „unterschätzten“ die Amerikaner die „Fähigkeit der Regierung zur Reform“.

          Ihr habt keine Ahnung – so lautete auch die Reaktion, als später im August der Internationale Währungsfonds in ungewöhnlich harschen Worten vor einer Finanzkrise warnte, die in China aufgrund der weiter schnell wachsenden Verschuldung ausbrechen könnte. Und mit der Devise „Ihr habt es immer noch nicht begriffen“ wird die Regierung in Peking wohl schon an diesem Freitag auf den jüngsten Rückschlag für das Ansehen ihrer Wirtschaftspolitik antworten.

          Am Donnerstag hatte die wie Moody's in New York beheimatete Ratingagentur Standard & Poors nachgezogen und ihre Bonitätsnote für China um eine Stufe von „AA-„ auf „A+“ gesenkt. Dabei handelt es sich immer noch um einen so genannten „Investment Grade“, was bedeutet, dass die Agentur nach wie vor dazu rät, die Staatsanleihen des Landes zu kaufen, weil diese vergleichsweise sicher sind. Zudem ist der Ausblick von S&P auf China positiv.

          Abwertung kommt höchst ungelegen

          Chinas Staats- und Parteipresse reagierte jedoch am Freitagmorgen wie gewohnt mit Unverständnis über die vermeintliche Ignoranz im Ausland der Volksrepublik gegenüber.

          Wie üblich in solchen Fällen ließ die Zeitung „China Daily“ zur Verteidigung Analysten chinesischer Banken aufmarschieren. Die Ratingagentur sei daran „gescheitert“, Chinas „reale Situation zu begreifen“, zitierte das Blatt im Besitz der Kommunistischen Partei Bankökonom Liang Hong von der staatlichen China International Capital Corp. (CICC). Schließlich sei das Wirtschaftswachstum des Landes mit einer Rate von 6,5 bis 7 Prozent stabil; zudem sprudelten die Unternehmensgewinne wieder. Ausländer begriffen einfach nicht, dass sich Chinas Konzerne wegen seiner unterentwickelten Finanzmärkte eben nicht wie ihre westlichen Pendants einfach am Aktienmarkt mit Kapital eindecken könnten, sondern sich ihre Kredite für die Expansion bei den Staatsbanken besorgen müssten.

          Warum dies ein Argument für Stabilität sein soll, blieb im Artikel offen. Klar ist vielmehr, dass die abermalige Warnung vor finanziellen Risiken im Reich der Mitte der chinesischen Führung höchst ungelegen kommt.

          Chinas Propagandamaschinerie auf Hochtouren

          Am 18. Oktober beginnt in Peking das wichtigste politische Treffen der Machtelite Chinas seit fünf Jahren – jenem Zeitpunkt, als der heutige Führer Xi Jinping in sein Amt als Vorsitzender der Kommunistischen Partei gewählt wurde, das nur gegenüber Ausländern mit dem Posten des Präsidenten bezeichnet wird.

          Auf dem 19. Parteikongress wird Xi nicht nur mit einhundertprozentiger Sicherheit für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt. Chinas Herrscher, der das bis 2012 herrschende Konsensmodell in der Parteiführung aufgekündigt und selbst in der Wirtschaftspolitik fast alle Macht auf seine eigene Person vereint hat, will noch mehr alte Verbündete auf mächtige Posten hieven – und seinen eigenen Status der Unangreifbarkeit auf ewig zementieren. So steht schon jetzt fest, dass die „Gedanken“ des Parteichefs in die Parteiverfassung aufgenommen werden, ähnlich den Vorbildern Mao und Deng Xiaoping. Die Frage ist nur noch, ob die „Gedanken“ auch mit dem Namen Xis gekennzeichnet werden. Dann wäre Xi, der sich mit seiner harschen Kampagne gegen Korruption unter den 90 Millionen Parteimitgliedern viele Feinde gemacht hat, wohl tatsächlich auch nach seiner zweiten Amtszeit schwerer für seine auf Rache sinnenden Widersacher zu belangen.

          Seit Monaten läuft in Vorbereitung auf das politische Großereignis Chinas Propagandamaschinerie auf Hochtouren. Neben den außenpolitischen Erfolgen, für die der neue Superdiplomat Xi Jinping von den eigenen Parteimedien gefeiert wird, wird vor allem ein Versprechen der Partei an das Volk herausgestellt, dass die Macht der KP seit dem Tode Maos bis heute gesichert hat und dies auch noch weit bis nach dem einhundertsten Geburtstag der Partei im Jahr 2021 tun soll: die Wirtschaft auf Touren zu halten und die Chinesen reich zu machen. Da können schiefe Zwischentöne aus New York natürlich nur stören.

          Quelle: FAZ.net

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