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Schutzzölle : Butterkrise in Japan

Butter: In Japan fast ein Luxusgut Bild: AFP

Japans Verbraucher stöhnen mal wieder unter rekordhohen Preisen für Butter. Die Butterkrise ist hausgemacht.

          Im amerikanischen Senat in Washington bewegt sich etwas. Der Weg für die Abstimmung über erweiterte Verhandlungsvollmachten des amerikanischen Präsidenten in Handelsfragen ist geebnet. Damit würde sich die Tür öffnen für einen erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen über eine Transpazifische Freihandelszone, kurz TPP genannt.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Im fernen Japan zeigt sich derweil in einer abermals aufkommenden Butterkrise, wie sehr die Verbraucher des Landes vom Freihandel profitieren würden. Denn die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt greift wieder zur Noteinfuhr von Butter, um die Nachfrage zu decken. Wie schon im vergangenen Jahr wird die japanische Regierung 10.000 Tonnen Butter extra einführen.

          Die Einfuhr von Butter aus dem Ausland ist teuer, weil die Regierung hohe Zölle verlangt. Der Zoll beträgt fast 30 Prozent des Werts, zusätzlich zu einer Sondersteuer von fast 1000 Yen (rund 7 Euro) je Kilogramm Butter. Die Verbraucher merken die Knappheit schon jetzt in steigenden Preisen für Butter. 200 Gramm Butter im Einzelhandel kosteten in Tokio zuletzt 430 Yen (rund 3 Euro), das entspricht fast einem Allzeithoch. Anfang Juni kostete Butter für Bäcker und andere Großhandelsnachfrager 570 Yen je 450 Gramm. Das war so viel wie seit 29 Jahren nicht mehr.

          Rationierter Butterverkauf

          Die Butterkrise in Japan ist nicht neu. Als der Korrespondent dieser Zeitung 2008 schon einmal in Tokio stationiert war, gab es Wochen, in denen die Butterecke in den Supermarktregalen leergefegt war. Damals litt der Buttermarkt unter anderem darunter, dass die Regierung zuvor wegen einer Überproduktion von Milch Kühe abschlachten hatte lassen. Auch im vergangenen Jahr begrenzten Supermärkte wieder den Kauf von Butter auf ein oder zwei Päckchen, weil Lieferungen ausblieben. Unter anderem trug ein heißer Sommer in Hokkaido dazu bei. Zuletzt war in manchen Supermärkten das Butterangebot zeitweise schon wieder knapp. Am Wochenende war die beliebte Marke „Yukijirushi“ (Schnee-Marke) aus Hokkaido nicht aufzutreiben.

           Das Drama um die Butter ist hausgemacht als Folge restriktiver Handelsregeln. Japan will seine Bauern schützen und blockiert effektiv die Buttereinfuhr mit hohen Zöllen. Nur 2800 Tonnen lässt die Regierung regulär – zum Zollsatz von 35 Prozent – als Quotenbutter ins Land; darüber hinaus kommt es dann zu Notimporten wie jetzt. Im Gegensatz zu Reis kann die Regierung die Butterproduktion nicht als historische Kulturleistung Japans rühmen. Das wichtigere Argument gegen die Butterzölle aber ist: Der Zollschutz und andere Subventionen haben nicht verhindert, dass die Zahl der Milchbauern sinkt. Im vergangenen Fiskaljahr waren es nur noch 18.600, etwa 40 Prozent weniger als ein Jahrzehnt bevor. Gründe für diesen Trend sind die alternde Bevölkerung und die Landflucht der Jungen.

          Hoffen auf den Freihandel

          Mit immer weniger Milchbauern wird Rohmilch knapp und damit auch die Möglichkeit zur Butterproduktion. Im vergangenen Jahre wurden 61.000 Tonnen Butter in Japan produziert, ein Viertel weniger als noch 5 Jahre zuvor. Doch die Nachfrage nach Butter ist recht stabil, weil Japaner gerne – und vor allem zur Winterzeit – Kuchen und Törtchen essen. Der japanische Milchverband schätzt die Butterproduktion in diesem Jahr auf 65.000 Tonnen, denen eine Nachfrage von knapp 75.000 Tonnen gegenüberstehe.

          Japan ist eine der zwölf Nationen, die mit dem transpazifischen TPP-Bündnis den Handel liberalisieren wollen. Wie weit das Land dabei seinen Agrarmarkt öffnen wird ist noch unklar. Die japanischen Verbraucher aber können zumindest hoffen, dass der Freihandelspakt mit niedrigeren Preisen ihre Kaufkraft stärken wird.

          Quelle: FAZ.NET

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