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Big Apple : Kein Respekt vor Michelin-Sternen

Die Skyline von New York - das wichtigste Finanzzentrum Amerikas. Bild: dapd

Das New Yorker Gesundheitsamt wacht mit einem umstrittenen Bewertungssystem über die Restaurantindustrie der Stadt. Vor unschmeichelhaften Zeugnissen ist auch ein Nobellokal nicht sicher.

          Ein Abendessen für 310 Dollar? So viel ist bei einem Besuch des New Yorker Nobellokals Per Se von Starkoch Thomas Keller fällig. Es ist eine der feinsten Adressen der Stadt, ausgezeichnet mit drei Michelin-Sternen. Gegessen wird nicht à la carte, sondern es wird ein Neun-Gänge-Menü serviert. Es gibt eine Kleiderordnung: Von den männlichen Gästen wird erwartet, dass sie ein Jackett tragen. „Keine T-Shirts, kurze Hosen oder Tennisschuhe bitte“, heißt es auf der Internetseite des Restaurants. Immerhin sind Krawatten „optional“.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Wie sich nun aber wieder einmal zeigt, ist auch ein so exklusives Etablissement wie Per Se nicht vor dem strengen Blick des städtischen Gesundheitsamtes sicher. Denn das Lokal bekam von den Hygieneinspektoren der Stadt gerade ein verheerendes Zeugnis ausgestellt. Per Se erhielt 42 Strafpunkte – eine Zahl, der nach dem vor knapp vier Jahren eingeführten Bewertungssystem für New Yorker Restaurants die schlechtestmögliche Note „C“ zur Konsequenz hätte. Die Bestnote „A“ gibt es bei bis zu 13 Punkten, die Bandbreite für „B“ liegt zwischen 14 und 27 Punkten, was darüber liegt, bringt ein „C“. Restaurants sind dazu verpflichtet, ein Schild mit ihrer Note gut sichtbar zu platzieren.

          Das Benotungssystem hat nach seiner Einführung immer wieder für Kritik gesorgt. Viele Restaurants beklagten, die Bewertungen seien willkürlich, und die Inspektionen seien nur ein Mittel für die Stadt, Bußgelder einzutreiben. Bei Per Se hängt das peinliche „C“ bislang offenbar noch nicht aus, denn nach Angaben auf der Internetseite, auf der die Bewertungen abrufbar sind, hat das Lokal den Status „Grade Pending“. Die Benotung ist also noch in der Schwebe. Ein Restaurant, das beim ersten Anlauf nicht die Bestnote schafft, wird noch einmal geprüft, bevor das Schild gezeigt werden muss. Restaurantbetreiber können die Bewertung auch anfechten.

          Zu den Beanstandungen bei Per Se gehört es, dass das Lokal warmes Essen nicht warm genug gehalten und kalte Lebensmittel nicht kalt genug aufbewahrt habe. Zudem wurde ein Mangel an Möglichkeiten zum Händewaschen reklamiert, außerdem seien Wischlappen schmutzig gewesen. Per Se kann sich damit trösten, in guter Gesellschaft zu sein. Denn auch andere Nobellokale in New York bekamen schon zwischenzeitlich schlechte Hygienenoten ausgestellt. Per Se hat es außerdem in der Vergangenheit geschafft, auf eine schlechte Bewertung eine gute folgen zu lassen.

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