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Drohende Rezession : Hongkong bekommt den Brexit zu spüren

Die ehemalige Kronkolonie leidet besonders unter dem Brexit. Bild: Reuters

Der Brexit bereitet nicht nur Europa Sorgen. Vor allem Hongkong und sein reichster Mann Li Ka-shing leiden unter der Nähe zur früheren Kolonialmacht.

          Und plötzlich segelt Asiens „Supermann“ unter einem Spitzenamen, der ihm ganz und gar nicht gefällt: Li Ka-shing, der 87jährige Milliardär aus Hongkong, gilt als der „größte Brexit-Verlierer Asiens“. Auch andere Konzerne, wie etwa die indische Tata Sons mit Tata Steel und den britischen Edelmarken Jaguar und Land-Rover leiden am Chaos auf der Insel. Doch Li Ka-shing bekam den Brexit stärker zu spüren.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          In den ersten Tagen verloren die Aktien seiner beiden Konglomerate Cheung Kong Infrastructure Holdings und CK Hutchison Holdings fast zehn Prozent ihres Wertes. Kein Wunder, dass Li, der sich immer wieder mal in große politische Fragen einmischt, den ganzen europäischen Kontinent vor dem Ausstieg der Briten warnte.

          Li hat in den vergangenen Jahrzehnten aus dem Nichts ein weltumspannendes Konglomerat aufgebaut, das in 14 börsennotierten Unternehmen gut 300.000 Menschen in 52 Ländern beschäftigt. Der Umsatz liegt bei rund 80 Milliarden Dollar, das Tagesgeschäft führt der ältere Sohn Victor Li. Der Reichtum seines Vaters wird auf 27 Milliarden Dollar geschätzt. Lis jüngerer Sohn Richard hat nach einigen Schwierigkeiten seinen eigenen Konzern PCCW rund um Fernsehen und Telefondienste hochgezogen. Sein Börsenwert beträgt inzwischen gut 16 Milliarden Dollar.

          Li selber war als 12jähriger mit seiner Familie aus Festlandchina nach Hongkong geflohen und handelte zunächst mit Plastikblumen. Berühmt ist er dafür, eine billige japanische Uhr zu tragen, die immer 30 Minuten vorgeht – so kommt er auch dann noch rechtzeitig zu einem Termin, wenn er ihn vergessen haben sollte.

          Auf die Einigung Europas gesetzt

          Der Hongkonger Selfmademan war derjenige Asiat, der über das – aufgrund seiner Vergangenheit als Kolonialmacht - einfach erscheinende Sprungbrett Großbritannien wohl als erster und stärkster Investor Asiens auf die europäische Einigung setzte. Er führt die Ladenketten Superdrug und Savers, betreibt Häfen, drei Telefongesellschaften und ist im Gas- und Elektrizitätsnetz Großbritanniens engagiert. CK Hutchison macht dort knapp 40 Prozent seines Vorsteuergewinns.

          Nicht, dass der nun über Nacht völlig wegbräche. Doch eine Rezession, auf die die Briten nun zusteuern, höhere Steuern, vor allem aber ein schwaches Pfund, all dies wird der reiche Mann in Hongkong deutlich zu spüren bekommen. Analysten haben rasch berechnet, dass jeder Verlust des Außenwertes des Pfundes in Höhe von einem Prozent den Gewinn von CK um ein halbes Prozent mindern werde.

          Morgan Stanley und Citibank hatten ihre Bewertung der Aktie schon im Vorfeld des Brexit abgebaut. Nach dem Ausstieg sah sich das Unternehmen dann gezwungen, eine Erklärung abzugeben: „Wir vertrauen darauf, dass unser Großbritannien-Geschäft, das auf die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern fokussiert ist, weiter wachsen wird.“

          Brexit stürzt Hongkong in die Rezession

          Insgesamt spürt die frühere britische Kronkolonie Hongkong den Brexit am stärksten in Asien. Die Bank Nomura schätzt, dass der Ausstieg das schon zuvor kriselnde Hongkong einen Prozentpunkt Wachstum kosten werde, so dass die Wirtschaft der heutigen chinesischen Sonderverwaltungsregion nun um 0,2 Prozent schrumpfen werde. Zumal auch die spendierfreudigen Festlandchinesen die Juweliere, Rolexgeschäfte und Spielcasinos Hongkongs und Macaus eher meiden. Da der Hongkong-Dollar an den amerikanischen Dollar gekoppelt ist, steigt sein Kurs auf den höchsten Stand seit fünf Jahren gegenüber dem chinesischen Yuan, was das Einkaufen teuer macht.

          Zudem grassiert die Angst, der Einsatz von Schwarzgeld könne auffallen. In Hongkong sitzen auch traditionell die beiden britischen „Asien-Banken“ HSBC und Standard Chartered. Der Wert der Aktien der Fluglinie Cathay Pacific fiel im Zuge des Brexit auf den niedrigsten Stand seit 2009.

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