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Prime : Amazons beste Kunden

Hallo Echo! Hallo Alexa! Bild: Amazon

Der Online-Händler Amazon wirbt an seinem „Prime Day“ wieder mit Niedrigpreisen. Die Sonderangebote sind aber für eine besondere Klientel reserviert.

          Der Online-Händler Amazon.com hat den Dienstag zum „Prime Day“ erklärt. Es ist ein Tag der Sonderangebote, in der Tradition des „Black Friday“, einem der Höhepunkte im Weihnachtsgeschäft amerikanischer Händler. Den „Prime Day“ veranstaltet Amazon auf seinem Heimatmarkt, in Deutschland und einer Reihe weiterer Länder.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Aktion hat allerdings einen Haken. Sie gilt nicht für jeden, sondern nur für Abonnenten von „Prime“. Das ist ein gebührenpflichtiger Dienst, der Kunden besonders schnelle Auslieferung ihrer Bestellungen verspricht, teilweise sogar am gleichen Tag. Er kostet in Deutschland 69 Euro im Jahr, in Amerika sind es 99 Dollar.

          Staatsgeheimnis Prime

          Amazon hat gute Gründe, seine Prime-Kunden zu hofieren, denn sie sind überdurchschnittlich eifrige Besteller. Das hat eine gerade erschienene Studie der Marktforschungsgesellschaft Consumer Intelligence Research Partners eindrucksvoll unterstrichen. Demnach bringen Prime-Abonnenten in den Vereinigten Staaten fast doppelt so viel in die Kassen von Amazon als andere Kunden. Sie bestellen im Schnitt 25 Mal im Jahr und geben dabei insgesamt 1300 Dollar aus. Die gewöhnliche Kundschaft kauft dagegen nur 14 Mal ein und lässt sich dies 700 Dollar kosten.

          Die Marktforscher geben auch eine Schätzung für die Zahl der Prime-Abonnenten ab, die von Amazon selbst wie ein Staatsgeheimnis gehütet wird. 85 Millionen seien es im Juni allein in den Vereinigten Staaten gewesen und damit 22 Millionen mehr als noch vor einem Jahr. Insgesamt hätten jetzt 63 Prozent aller amerikanischen Kunden Prime-Status.

          Die Kunden sind gefesselt

          Amazons Kalkül mit Prime ist simpel: Wenn man weiß, dass man die Ware ohne zusätzlichen Aufpreis schnell geliefert bekommt, verführt das dazu, mehr bei Amazon einzukaufen und weniger anderswo. Dabei ist Prime mittlerweile viel mehr als ein Versandangebot. Die Abonnenten kommen heute in den Genuss einer ganzen Reihe von Annehmlichkeiten. Sie haben zum Beispiel Zugriff auf den Musikdienst und die Videoplattform von Amazon.

          Gerade mit seinem Videoangebot lässt das Unternehmen regelmäßig aufhorchen und mausert sich hier mehr und mehr zu einem ernsthaften Wettbewerber für die Online-Videothek Netflix. Ähnlich wie Netflix lässt Amazon seit geraumer Zeit eigene Fernsehshows und Filme produzieren, um seinen Kunden exklusive Inhalte liefern zu können, und hat mit ihnen eine Reihe von Preisen gewonnen.

          Auch diese Gehversuche in Hollywood dienen freilich vor allem dazu, das Kerngeschäft anzukurbeln. Sie sollen mehr Kunden zu Prime-Abonnenten machen, die dann wiederum mehr einkaufen. Amazon-Vorstandsvorsitzender Jeff Bezos hat das einmal so formuliert: „Wenn wir einen Golden Globe gewinnen, hilft uns das, mehr Schuhe zu verkaufen, und zwar auf sehr direktem Weg.“

          Massenabsatz

          Auch bei seinen jüngsten Vorstößen in den stationären Einzelhandel schafft Amazon Anreize für Kunden, Prime-Abonnenten zu werden. So betreibt das Unternehmen mittlerweile mehr als ein halbes Dutzend Buchläden, und hier können Prime-Kunden billiger einkaufen als die Allgemeinheit. Es ist gut vorstellbar, dass beim kürzlich angekündigten und bislang mit Abstand größten Schritt von Amazon in den klassischen Handel Prime eine Rolle spielen wird. Im Juni vereinbarte das Unternehmen die Akquisition der Supermarktkette Whole Foods für 13,7 Milliarden Dollar. Damit würde Amazon zum Inhaber Hunderter von Lebensmittelgeschäften.

          Den Prime Day hat Amazon zum ersten Mal vor zwei Jahren veranstaltet. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen an dem Tag nach eigenen Angaben so viel Umsatz gemacht wie noch nie. Die Einnahmen wurden nicht genau beziffert, aber Amazon nannte einige andere Zahlen, die verdeutlichen, wie einkaufsfreudig die Kunden an dem Tag waren. So seien damals auf der ganzen Welt mehr als eine Million Paar Schuhe und 90.000 Fernseher verkauft worden. Allein in Amerika sei ein bestimmter Schnellkochtopf 215.000 Mal bestellt worden, eine Hängematte 24.000 Mal.

          Alexa belohnt mit Gutscheinen

          Amazon ist anfangs vorgeworfen worden, die Sonderangebote am Prime Day seien gar nicht so attraktiv. In diesem Jahr wird das jedenfalls für einige der hauseigenen elektronischen Produkte des Unternehmens nicht gelten, auf die es erhebliche Preisnachlässe geben soll. Wie Amazon im Vorfeld mitteilte, soll zum Beispiel in Deutschland das beliebte digitale Assistenzsystem „Echo“ für 99,99 Euro zu haben sein und damit 80 Euro billiger als sonst.

          Dieses Gerät und seine zugehörige Software „Alexa“ spielen in diesem Jahr allgemein eine viel größere Rolle. Es soll exklusive Angebote und einen Einkaufsgutschein für Kunden geben, die über Alexa per Stimmbefehl bestellen. Und zum ersten Mal soll es jetzt möglich sein, per Stimme und Alexa Prime-Abonnent zu werden. Auf dass es noch ein bisschen einfacher wird, zu diesem von Amazon so geschätzten Kundenkreis zu stoßen.

          Quelle: FAZ.NET

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