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„Instant Pickup“ : Amazons Tante Emma

Das Amazon-Logo wird künftig immer öfter nicht nur auf Hochregallagern zu sehen sein. Bild: AFP

Amazon wagt sich immer weiter aus der virtuellen Welt. Jetzt startet das Unternehmen ein neues Experiment – mit einer möglichen Alternative zum kleinen Laden um die Ecke.

          Vor rund zwei Monaten sorgte Amazon.com mit der Ankündigung, die Supermarktkette Whole Foods für 13,7 Milliarden Dollar kaufen zu wollen, für einen Paukenschlag. Das schreckte den traditionellen Einzelhandel auf, denn damit entfernt sich der Konzern so weit wie noch nie von seinen Wurzeln als Online-Händler. Die Akquisition wird Amazon mehr als 450 große Läden bringen, viele davon in kaufkräftigen Gegenden in den Vereinigten Staaten.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Jetzt hat der Konzern ein weiteres Experiment mit dem Namen „Instant Pickup“ gestartet. Dabei handelt es sich nicht um Läden im klassischen Sinn, sondern um Abholdepots. Hier können Amazon-Kunden Waren, die sie über eine Smartphone-Anwendung bestellen, innerhalb von höchstens zwei Minuten im Empfang nehmen.

          Die gekauften Artikel werden von Amazon-Mitarbeitern in einem an der Abholstation angeschlossenen Lager zusammengestellt und dann in einem Schließfach abgelegt, wo sie von den Kunden mitgenommen werden können. Zugang zu den Fächern bekommen die Kunden über einen Strichcode.

          Statt zur Tanke zu Amazon

          Das Sortiment in den Depots ist begrenzt und besteht aus einigen hundert Artikeln des täglichen Bedarfs. Dazu zählen nicht-verderbliche Lebensmittel und Getränke sowie Körperpflegemittel und auch Elektronikprodukte wie Ladegeräte fürs Handy. Amazon will über „Instant Pickup“ auch seine hauseigenen elektronischen Geräte vertreiben, zum Beispiel sein Assistenzsystem Echo und seine Fire-Tabletcomputer.

          Die Idee hinter dem Konzept ist es nach der Beschreibung des Unternehmens, „Need-It-Now“-Artikel anzubieten, also Dinge, die der Kunde sofort haben will. Amazon positioniert den neuen Dienst damit als Alternative zum kleinen Laden um die Ecke oder zur Tankstelle. Und auch zu Verkaufsautomaten.

          Die ersten fünf Standorte für „Instant Pickup“ befinden sich an oder in der Nähe von amerikanischen Universitäten, und in den kommenden Monaten sollen weitere Depots hinzukommen. Der neue Abholdienst ist für Abonnenten von „Prime“ reserviert. Diese Amazon-Kunden kommen gegen eine Gebühr in den Genuss eines ganzen Pakets an Leistungen, von schnellem kostenfreiem Versand bis zu einer Online-Videoplattform.

          „Prime“-Mitglieder sind außerdem eine besonders bestellfreudige Klientel und geben Studien zufolge fast doppelt so viel im Jahr aus als gewöhnliche Kunden. Studenten bekommen einen Preisnachlass auf das „Prime“-Abonnement.

          Online geht offline

          „Instant Pickup“ ist ein weiterer Versuch von Amazon, die Wartezeiten seiner Kunden auf ihre Bestellungen zu verringern. Der Konzern hat durch Investitionen in seine Logistik in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass seine Kunden immer schneller beliefert werden, in manchen Städten am Tag der Bestellung. Mit seinem Dienst „Prime Now“ verspricht Amazon Auslieferung von Waren aus einem begrenzten Sortiment sogar innerhalb von zwei Stunden.

          Der Konzern hat außerdem in seiner Heimatstadt Seattle zwei Standorte für einen „Drive-In“- Abholdienst namens „Amazon Fresh Pickup“. Dabei können Kunden Lebensmittel online bestellen und dann innerhalb von fünfzehn Minuten abholen, Mitarbeiter von Amazon bringen die gefüllten Einkaufstüten direkt zum Auto.

          Amazon hat schon eine Reihe anderer Gehversuche im stationären Einzelhandel unternommen. Das Unternehmen hat zum Beispiel in den vergangenen Jahren eine Reihe eigener Buchläden eröffnet. Mittlerweile gibt es acht Geschäfte, und fünf weitere sind in Planung.

          In Seattle testet der Konzern außerdem einen in der Branche viel beachteten Supermarkt ohne Kassenpersonal. Medienberichten zufolge denkt Amazon auch über Fachgeschäfte für Möbel oder elektronische Geschäfte nach. „Instant Pickup“ ist nun eine weitere Initiative.

          Was geschieht mit Whole Foods?

          Besonders spannend ist freilich die Frage, was genau Amazon mit Whole Foods vorhat. Der Konzern hat sich bislang mit konkreten Details zu seinen Plänen zurückgehalten, also zum Beispiel inwiefern er seine Expertise aus dem Online-Handel in die Läden der Supermarktkette bringen will.

          Zumindest besteht mittlerweile etwas mehr Klarheit über die Finanzierung dieser bislang mit Abstand teuersten Akquisition in der Unternehmensgeschichte. Am Dienstag hat Amazon angekündigt, dazu Anleihen ausgeben zu wollen. Medienberichten zufolge soll deren Volumen bei 16 Milliarden Dollar liegen.

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