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Vor dem Wirtschaftsgipfel : Was deutsche Banker von Kenia lernen können

Filialen gibt es auch noch: Doch in Nairobi werden viele Bankgeschäfte mobil abgewickelt. Bild: dpa

Zwei Minister reisen zum deutsch-afrikanischen Wirtschaftsgipfel nach Kenia. Dort werden Banken, Börsen und Notenbanken allmählich stabiler – und treiben sogar einige Innovationen voran.

          Es gab Zeiten, in denen die meisten ausländische Investoren einen großen Bogen um den afrikanischen Kontinent machten. Sie sahen aus der Ferne zu, wie die Weltkonzerne Nestlé, Shell oder Unilever sich eine blutige Nase holten. Doch inzwischen sind Fondsmanager und entwicklungspolitische Fachleute optimistischer. Afrikanische Zentralbanken werden professioneller, Finanzaufsichten erreichen ein höheres Niveau, manche Börse entwickelt sich gut. Und vor allem: Viele Regierungen erwecken mehr Vertrauen als in den vergangenen Jahrzehnten.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Wir haben heute deutlich mehr politische Stabilität als in den sechziger und siebziger Jahren“, sagt Carlos von Hardenberg, Portfolio-Manager von Franklin Templeton Investments, der die afrikanischen Finanzmärkte seit eineinhalb Jahrzehnten beobachtet. Der Schutz für ausländische Investoren habe sich erst im vergangenen Jahrzehnt etabliert, das Regulierungsumfeld habe sich verbessert. „Seit etwas mehr als einem Jahrzehnt haben sich die Länder geöffnet, und man kann dort besser investieren“, sagt Hardenberg. Mit seinen Fonds lege er Geld in Infrastrukturprojekten, Übernahmen und Aktienmärkten an – in den vergangenen zwei Jahren würden sogar afrikanische Unternehmensanleihen ein Thema.

          „An den afrikanischen Kapitalmärkten erleben wir eine durchaus bemerkenswerte Entwicklung, die noch zu wenig gesehen wird“, sagt Peter Wolff, Leiter der Abteilung Weltwirtschaft und Entwicklungsfinanzierung am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) in Bonn. Die entwicklungspolitische Gemeinschaft habe lange ignoriert, dass sich die Finanzmärkte freischwämmen. Eine Art Weckruf sei das Buch „Dead Aid“ der früheren Goldman-Sachs- und Weltbank-Mitarbeiterin Dambisa Moyo aus Sambia gewesen. Darin plädierte sie für eine Abkehr von der klassischen Entwicklungshilfe und für eine autonome Entwicklung der afrikanischen Finanzmärkte. „Für Afrika ist es sehr wichtig, dass Länder mit guten Institutionen grenzüberschreitend tätig werden können“, sagt Wolff.

          Drei afrikanische Staaten mit Leuchtturmfunktion

          Aus seiner Sicht gibt es drei afrikanische Staaten, die eine Leuchtturmfunktion ausfüllen könnten, wenn alles gut laufe: In Südafrika hätten Finanzmarktinstitutionen das Niveau der OECD-Staaten erreicht – und damit mehr als andere Schwellenländer, mit denen sie einst im BRICS-Club zusammengefasst wurden. Nigeria werde durch die Entwicklung der vergangenen Jahre zwar zurückgeworfen, sei aber eine Art schlafender Riese. Und Kenia entwickle sich positiv und könne seine Nachbarstaaten mitziehen.

          Die zwischenstaatliche Organisation East African Community habe eine „Road Map“ geschrieben, nach der die Kapitalmärkte stärker integriert werden sollen. Dass kenianische Banken ohne lange Lizenzierungsverfahren eine Zweigstelle etwa in Uganda eröffnen könnten, stehe im Vordergrund. Genauso sollten ugandische Banken kenianische Anleihen ins Portfolio aufnehmen können. Für den grenzüberschreitenden Handel hat man sich die Europäische Union als Vorbild genommen - nach den Erfahrungen mit dem Euro ist indes die Begeisterung für eine gemeinsame Währung in Afrika gebremst.

          „Kenianische Finanzkonzerne haben eine moderne vorwärtsgewandte Kultur und gewinnen so schnell Kunden, dass sich die Konkurrenten bewegen müssen, um die Kostenbasis zu reduzieren“, sagt Sebastian Kahlfeld, der bei der Deutschen Asset Management das Fondsmanagement in Osteuropa und Afrika leitet. Marktführer Safaricom, ursprünglich ein Telekommunikationskonzern, und die Equity Bank schickten Trainees in die Vereinigten Staaten - mit der Maßgabe, danach für die Bank in Kenia zu arbeiten. Bei mobilen Bankdienstleistungen sind sie führend. Rechnungen können übers Smartphone bezahlt werden, auch die mobile Geldleihe ist einfach.

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