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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Ärzte Geld der Beitragszahler

 ·  Die Krankenkassen haben einen Überschuss von 20 Milliarden Euro angesammelt. An diesen Topf wollen jetzt auch die Ärzte. Aber das Geld steht den Beitragszahlern zu.

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Nun drohen auch noch die Ärzte mit Streik. Die Ärzte verlangen mit Verweis auf höhere Kosten und als Inflationsausgleich von den Krankenkassen 3,5 Milliarden Euro mehr, die Kassen wollten hingegen den Kassenärzten 2,2 Milliarden weniger bezahlen, weil die Leistungen der Praxen deutlich schneller als die Kosten gestiegen seien. Ein Kompromiss bietet eine Erhöhung der Honorare um knapp ein Prozent an. Doch den Ärzten ist das zu wenig: Sie wollen elf Prozent mehr.

Wer von beiden recht hat, ist schwer zu sagen. Und zwar schon deshalb, weil die Spannbreite der Einkünfte niedergelassener Ärzte so groß ist. Wie will man die High-Tech-Praxis eines Radiologen in einer Großstadt mit der schlichten Praxis eines Kinderarztes auf dem Land vergleichen? Vielleicht wäre es an der Zeit, dass sich Ärzte untereinander über differenzierte Honoraraufschläge auseinandersetzen, statt so viel mehr zu verlangen, bis auch derjenige zufrieden ist, der gerade über die Runden kommt. Es ist die Aufgabe der Selbstverwaltung von Kassen und Ärzten, in Verhandlungen einen Ausgleich zu finden. Sie sollten das Ringen um das zu viel gezahlte Geld der Kassenpatienten nicht durch Streiks auf dem Rücken der Patienten austragen. Schließlich kommen die Beitragszahler nicht nur für Kassen und Ärzte auf, sie werden auch sonst gern von der Politik geschröpft.

Dank der bislang guten Konjunktur sind in Deutschland so viele Menschen in Arbeit wie nie zuvor. Deshalb sprudeln die Steuereinnahmen und klingeln die Sozialkassen. Obwohl der Staat im ersten Halbjahr sogar einen Überschuss erzielt hat und Politiker viel vom „Sparen“ reden, macht Deutschland weiterhin munter neue Schulden. In den Sozialkassen der Renten-, Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung stiegen die Einnahmen auf 220 Milliarden Euro. Allein in den Kassen der Krankenkassen hat sich trotz steigender Ausgaben ein Überschuss von zwanzig Milliarden angesammelt. An diesen Topf wollen jetzt auch die Ärzte. Aber Sozialkassen sind keine Sparkassen. Der Überschuss steht denen zu, die als Arbeitnehmer, Arbeitgeber oder Rentner die Beiträge zahlen. Nur in der Rentenversicherung sinken die Beiträge automatisch, wenn die Rücklage eine bestimmte Grenze übersteigt. Das sollte künftig auch in der gesetzlichen Krankenversicherung so sein.

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Jahrgang 1962, Herausgeber.

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