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Ärger mit der Technik Die wetterfühlige Bahn

12.07.2010 ·  Die Bahn kämpft seit Jahren mit der Technik - jetzt versagen einige Klimaanlagen. Eigentlich kennen das die Kunden inzwischen: Im Winter kommt es zu Verkehrsstörungen, weil Winter ist - und im Sommer, weil Sommer ist.

Von Kerstin Schwenn
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Die hochsommerlichen Temperaturen — nach einem harten Winter von allen herbeigesehnt — haben viele Fahrgäste der Deutschen Bahn am Wochenende sehr unangenehm zu spüren bekommen. In mehreren Hochgeschwindigkeitszügen versagten die Klimaanlagen vollständig ihren Dienst. Da sich ICE-Fenster nicht öffnen lassen, stiegen die Temperaturen in den Wagen auf bis zu 50 Grad. Einige Passagiere kollabierten; die Züge waren zum Nothalt gezwungen, damit Hilfe geleistet werden konnte.

Die Bahn bestreitet den Vorwurf, die Kühlanlagen seien unzureichend gewartet worden. Bei dieser Hitze und in vollen Zügen, wie jetzt zur Ferienzeit, heißt es, komme die Kühltechnik einfach an ihre Belastungsgrenze. Die Grenze der Belastungen ist aber auch für die Fahrgäste erreicht. Denn zu vertraut klingt der entschuldigende Hinweis auf das Wetter. Vergessen ist der Werbespruch aus den sechziger Jahren: „Alle reden vom Wetter, wir nicht.“ Im Gegenteil, Bahn-Kunden haben gelernt: Im Winter kommt es zu Verkehrsstörungen, weil Winter ist - und im Sommer, weil Sommer ist.

Grube muss jetzt Führungskraft beweisen

Die Bahn kämpft seit Jahren mit technischen Schwierigkeiten, und das hat viele Ursachen. Dass die Hochtechnologie-Geräte von heute anfälliger sind als früher die Dampfrösser auf Schienen, dürfte der geringste Grund sein. Die Bahn hat die Entwicklung und Erprobung neuer Züge mehr und mehr der Bahnindustrie, also Unternehmen wie Siemens, Alstom und Bombardier überlassen. Dies mag aus guten Gründen geschehen sein; es erhöht allerdings die Zahl der technischen Schnittstellen und die Fehlermöglichkeiten. Über die Qualität der gelieferten Züge wird ständig gezankt. Hinzu kam bei der Bahn ein zunehmender Spardruck, nicht nur wegen des Börsengangs. Auch ohne Privatisierung gilt es, Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten; unter solchen Bedingungen wird auch der angemessene Umfang der täglichen Wartung von Fahrzeugen und Infrastruktur zu einer Gratwanderung.

Der Vorstandsvorsitzende Rüdiger Grube ringt seit gut einem Jahr darum, der Bahn ein „sympathisches“ Gesicht zu verleihen. Nach seinem eher ruppigen Vorgänger Hartmut Mehdorn bemüht er sich im Verhältnis zu den Kunden und zu den Politikern um einen Klimawandel. Einige Vorfälle konnten bisher noch dem Vorgänger zugerechnet werden. Doch bei diesem neuen Wetterchaos muss Grube Führungskraft beweisen.

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Jahrgang 1963, Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

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