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Adieu, Bundesschatzbriefe : Das war’s, Schätzchen

Bundesschatzbriefe wurden Ende der 60er Jahre erstmals aufgelegt und waren über Jahre hinweg ein beliebtes Sparprodukt. Allerdings ist ihre Bedeutung in den vergangenen Jahren deutlich gesunken, was sicherlich auch an den niedrigen Zinsen von zuletzt 0,05 Prozent gelegen haben dürfte. Hatten Bundesschatzbriefe Ende 2000 noch ein Volumen von 36 Milliarden Euro, sind es gegenwärtig weniger als 8 Milliarden Euro. Bild: F.A.Z.

Bundesschatzbriefe waren einmal richtig populär. Großväter schenkten sie ihren Enkeln als erste finanzielle Grundausstattung. Jetzt geht der Bundesschatzbrief in den Ruhestand. Das können nur Nostalgiker bedauern.

          Das Jahr 1968 ist als das Jahr der unruhigen Studenten in die deutsche Geschichte eingegangen. Aber auch dem ruhigen Bürger bot das Jahr 1968 Annehmlichkeiten, und zwar nicht zuletzt in Gestalt zweier „Schätzchen“. Die Schauspielerin Uschi Glas spielte die Hauptrolle in dem seit langem in nicht unverdiente Vergessenheit geratenen Film „Zur Sache, Schätzchen“. Zur Sache ging es zu jener Zeit auch in dem von Karl Schiller (SPD) geleiteten Bundeswirtschaftsministerium, das mit dem Bundesschatzbrief ein bald ebenfalls als „Schätzchen“ bezeichnetes neues Finanzprodukt entwarf.

          Der mehrjährige, mit einer steigenden Verzinsung im Zeitablauf versehene Bundesschatzbrief besaß in den siebziger und achtziger Jahren eine heute kaum noch nachvollziehbare Popularität als Mittel zur Vermögensbildung breiter Schichten. Damals schenkten viele Großväter und Väter ihren Enkeln und Kindern Bundesschatzbriefe als erste finanzielle Grundausstattung. Begünstigt wurde die Nachfrage nicht nur durch die Sicherheit des Bundes als Schuldner und durch die damals hohen Zinsen, sondern auch durch eine sehr niedrige Mindestanlagesumme von 100 DM.

          Mit der Generation der Achtundsechziger tritt nun auch der Bundesschatzbrief in den Ruhestand. Die Finanzagentur des Bundes will sich allmählich aus dem Geschäft mit Privatkunden zurückziehen. Sie wird keine neuen kostenfreien Konten mehr eröffnen und die Emission neuer, für Privatkunden gedachter Finanzprodukte wie Bundesschatzbriefe und Finanzierungsschätze mit dem Jahresende auslaufen lassen. Das Interesse an diesen Papieren hat vor allem wegen der sehr niedrigen Verzinsung erheblich nachgelassen. Auch finden sich immer weniger Anleger, die ihr Geld für sechs oder sieben Jahre fest parken wollen.

          Diese Entwicklung können nur Nostalgiker bedauern. Der Markt für Wertpapiere des Bundes wird längst von Großanlegern wie Banken, Versicherungen und Fonds dominiert. Wurden in den neunziger Jahren noch rund 15 Prozent der Papiere direkt von Privatanlegern gehalten, so sind es derzeit nur noch etwa 2 Prozent. Auch aus ordnungspolitischer Sicht war die kostenfreie Verwaltung von Wertpapieren für Privatanleger immer fragwürdig, weil sich der Bund mit unschlagbaren Konditionen in ein Geschäft einmischte, das gewöhnlich von Finanzhäusern betrieben wird. Nunmehr stellt sich das Privatkundengeschäft des Bundes angesichts des geringen Interesses als zu teuer heraus. Der Schlussstrich ist konsequent.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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          Quelle: F.A.Z.

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