http://www.faz.net/-gqe-73lro
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 14.10.2012, 08:31 Uhr

Abkommen Für Steuerhinterzieher in Singapur wird es eng

Auch Singapur fällt für deutsche Schwarzgeld-Anleger als Fluchtburg zunehmend aus. Der Finanzplatz vereinbart mit Deutschland einen besseren Datenaustausch.

von
© dpa Die Skyline von Singapur

Singapur wird ein unsicherer Platz für Steuerhinterzieher. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und der Ministerpräsident des Landes, Lee Hsien Loong, bekräftigten am Sonntag die geplante Revision des Doppelbesteuerungsabkommens. Der Regierungschef des Stadtstaats habe ihm sein Interesse an der Vereinbarung versichert, berichtete Schäuble nach dem Treffen mit dem Ministerpräsidenten des asiatischen Stadtstaates bei seinem keine 24 Stunden währenden Zwischenstopp in Singapur. Nach seinen Angaben sagten sich die beiden Politiker gegenseitig zu, das Abkommen bald zu unterzeichen.

Manfred Schäfers Folgen:

Wenn das Abkommen in Kraft getreten sein wird, kann der deutsche Fiskus in größerem Stil nach Vermögen von Steuerpflichtigen forschen, die in der Bundesrepublik steuerpflichtig sind und Geld in Singapur angelegt haben. Die Steuerfahnder können dann Auskunft verlangen über ihre Konten und Vermögenswerte. Das Bankgeheimnis wird künftig nicht länger einen Informationsaustausch verhindern. Er beschrankt sich dann auch nicht mehr nur auf die Steuern vom Einkommen und vom Vermögen, vielmehr wird der Fiskus nach Informationen für alle Steuerarten suchen können.

Schaeuble will Steuersuender weltweit aufspueren © dapd Vergrößern Wolfgang Schäuble

Voraussetzung soll zudem nicht mehr sein, dass der Steuerpflichtige in Singapur oder Deutschland lebt. Ausdrücklich geregelt ist, dass Singapur auch für den Fall zur Informationsbeschaffung verpflichtet ist, wenn der Stadtstaat die erbetenen Informationen nicht für eigene steuerliche Zwecke benötigt. Das Revisionsprotokoll wurde im September paraphiert wird. Wie das Finanzministerium berichtete, wird es unterzeichnet, sobald die rechtliche und sprachliche Prüfung abgeschlossen worden sein wird.

Singapur arbeitet seit daran, seinen Ruf als Geldwäschezentrum aufzupolieren. Seit längerem betonen Vertreter des Landes, dass man kein Interesse an Schwarzgeld aus Deutschland hat. „Illegale Gelder, die Schutz vor forschenden Blicken suchen, wollen wir nicht“, stellte unlängst der Geschäftsführer der Singapurer Zentralbank, Ravi Menon; fest (F.A.S. vom 7. Oktober). Die Devise lautet nach seinen Worten vielmehr: Nur ein solider und sauberer Finanzplatz kann ein erfolgreicher Finanzplatz sein. Das Versprechen des Landes, keine Geschäfte mit deutschen Steuerhinterziehern machen zu wollen, gilt als ernsthaft.

Schäuble hat ein großes Interesse an einem verbindlichen Abkommen mit Singapur. So nähert sich das Tauziehen um das Steuerabkommen mit der Schweiz seinem Höhepunkt. Es sieht eine nachträgliche pauschale Versteuerung von Kapital vor, das in Deutschland Steuerpflichtige bei Schweizer Banken haben, in Höhe von 21 bis 41 Prozent vor - allerdings nicht wie sonst üblich auf den Ertrag, sondern auf das unversteuerte Vermögen. Das führt zu einer höheren Belastung, als nur der Blick auf die Steuersätze vermuten lässt. Außerdem sollen künftige Erträge so belastet werden, als wenn das Geld in Deutschland liegen würde, der deutsche Fiskus würde genauso so davon profitieren. Die Opposition droht seit längerem damit, das Abkommen mit der Schweiz im Bundesrat zu stoppen. SPD und Grünen kritisieren die nachträgliche Pauschalbesteuerung als zu gering und warnen vor einem möglichen Abfluss von in Deutschland steuerpflichtigem Kapital aus der Schweiz.

Mehr zum Thema

Quelle: DPA/Reuters

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Deutsche Bank Gerüchte um die Postbank

Eigentlich will die Deutsche Bank die Postbank wieder verkaufen. Nun rechnet sie nochmal verschiedene Optionen durch. Der Name der Deutschen Bank fällt derweil auch im Zusammenhang mit dem Korruptionsskandal um den malaysischen Staatsfonds. Mehr Von Gerald Braunberger

21.07.2016, 20:07 Uhr | Wirtschaft
Projekt in Albanien Staudamm gefährdet einzigartige Flusslandschaft

Der Fluss Vjosa durchquert Albanien auf dem Weg von seiner Quelle in Griechenland bis zur Mündung in die Adria. Das glasklare Gewässer gehört zu den letzten unberührten Wasserläufen Europas, doch die Regierung in Tirana plant einen Staudamm, um den wachsenden Energiehunger des Landes zu stillen. Die Menschen in dem Dorf Kut sehen dadurch die Grundlage ihrer Existenz gefährdet. Mehr

21.07.2016, 02:00 Uhr | Wirtschaft
Afroamerikanische Institute Kredite statt Kugeln

Afroamerikaner finden einen neuen Weg des Protestes gegen Polizeigewalt und Diskriminierung. Sie eröffnen Konten bei ganz speziellen Banken. Mehr Von Norbert Kuls, New York

21.07.2016, 20:56 Uhr | Finanzen
Türkei Erdogan behält sich Verlängerung des Ausnahmezustands vor

Der türkische Präsident Erdogan behält sich eine Verlängerung des zunächst auf drei Monate befristeten Ausnahmezustands in seinem Land vor. Es gebe keine Hindernisse für eine Verlängerung, wenn sich dies als nötig erweisen sollte, sagte Erdogan am Donnerstag in Ankara in seinem ersten Interview seit Verhängung des Ausnahmezustands. Mehr

22.07.2016, 17:43 Uhr | Politik
Eskalation in der Türkei Seehofer für Stopp der EU-Beitrittsverhandlungen

Angesichts der Entwicklungen in der Türkei will der CSU-Chef die EU-Beitrittsverhandlungen abbrechen. Für AfD-Vize Gauland ist die Türkei ein eurasisches Land mit osmanischer Tradition, das in Europa nichts verloren habe. Mehr

22.07.2016, 13:39 Uhr | Politik

Das blaue Dieselgespenst

Von Holger Appel

Einfahrverbote in Städte helfen nicht dabei, die Luftqualität zu verbessern. Sinnvolle Effekte brächten Taxis, Busse und Behörden. Warum die blaue Plakette schleunigst vertrieben gehört. Mehr 57 76

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Das Leben als Schuldner

Ein eigenes Haus oder eine Wohnung kosten viel Geld. Manche übernehmen sich dabei. Wie viele Menschen sind in welchem Alter insolvent? Mehr 0