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Abhörskandal Murdochs britisches Zeitungsreich wackelt

 ·  Nach neuen Festnahmen im Abhörskandal wächst der Druck auf den Medienunternehmer. Der wird nun persönlich um die Zukunft der größten britischen Tageszeitung „Sun“ kämpfen.

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Rupert Murdoch kämpft um die Zukunft seines Zeitungsimperiums in Großbritannien. Der 80 Jahre alte Verwaltungsratschef des amerikanischen Medienkonzerns News Corp. will wegen des immer weitere Kreise ziehenden Abhörskandals diese Woche nach London fliegen, um persönlich die verunsicherten Mitarbeiter seiner Zeitungen zu beruhigen. Nach weiteren Festnahmen geriet am Wochenende auch sein Boulevardblatt „Sun“ zunehmend in den Sog der Polizeiermittlungen. Die „Sun“ ist mit rund 3 Millionen Exemplaren die auflagenstärkste Tageszeitung des Landes und das Herzstück von Murdochs Zeitungsreich in Großbritannien. Sein Verlag News International ist bisher Marktführer auf der Insel und kontrolliert ein Drittel der Auflage nationaler Tageszeitungen.

Der Medienherrscher will nicht von seinen britischen Zeitungen lassen. Sein Londoner Verlagschef Tom Mockridge bekräftigte, Murdoch habe ihm „persönlich versichert, dass er sich in der Verpflichtung sieht, Eigner und Verleger der ‚Sun’ zu bleiben“. Aber der Abhörskandal erschüttert das Geschäft der News Corp. in Großbritannien im Kern. „Wir stehen heute vor unserer größten Herausforderung“, schrieb Mockridge in einem Rundschreiben an die Belegschaft. Am Samstag hat die Polizei fünf weitere leitende Mitarbeiter der „Sun“ in Gewahrsam genommen. Unter den Festgenommen sollen der stellvertretende Chefredakteur, der Foto-Chef und der Chefreporter des Blattes sein.

Murdochs Journalisten wird vorgeworfen, in möglicherweise Tausenden von Fällen Mobiltelefone von Prominenten und Normalbürgern abgehört zu haben, sowie Polizisten und andere Staatsbedienstete bestochen zu haben, um an vertrauliche Informationen zu gelangen. Im vergangenen Sommer hatte der Patriarch deshalb bereits die „News of the World“, die größte britische Sonntagszeitung eingestellt. Außer bei den Boulevardblättern wurden inzwischen auch bei Murdochs journalistischem Flaggschiff, der „Times“, illegale Recherchemethoden bekannt. Vergangene Woche musste sich deren Chefredakteur öffentlich dafür entschuldigen, dass einer seiner Mitarbeiter einen privaten E-Mail-Account geknackt hatte.

Der Skandal in Großbritannien wird zunehmend zum Problem für Murdochs gesamte Unternehmensgruppe, die zu den größten Medienkonzernen der Welt zählt. In den Vereinigten Staaten, dem wichtigsten Markt des Unternehmens, ermittelt wegen der Vorwürfe inzwischen die Bundespolizei FBI. Murdoch hat die News Corp. in den vergangenen sechs Jahrzehnten praktisch aus dem Nichts aufgebaut und kontrolliert zusammen mit befreundeten Aktionären die Stimmrechtsmehrheit an dem börsennotierten Konzern. Zur News Corp., gehören mit Fox eine der größten amerikanischen Fernsehketten, ein großes Hollywood-Filmstudio, sowie Hunderte von Zeitungen bis hin zum renommierten „Wall Street Journal“. Die News Corp. kontrolliert auch den Bezahlsender Sky Deutschland und ist damit ein Hauptfinanzier der Fußball-Bundesliga.

Die britischen Zeitungen werden zum Ballast

Wirtschaftlich fallen die britischen Zeitungen für den Weltkonzern zwar kaum ins Gewicht, aber Investoren und Analysten sehen sie immer stärker als gefährlichen Ballast und Reputationsrisiko. Der finanzielle Schaden wächst ebenfalls. Im jüngsten Quartalsbericht bezifferte die News Corp. die bisherigen Kosten des Skandals vergangene Woche mit 195 Millionen Dollar. Sie haben sich damit binnen drei Monaten mehr als verdoppelt. Neben der Einstellung der „News of the World“, schlagen unter anderem hohe Anwaltshonorare und Abfindungen in Millionenhöhe für Abhöropfer zu Buche. Murdoch entging außerdem ein lukratives Milliardengeschäft: Auf Druck der Regierung in London gab er vergangenen Sommer die seit langem geplante umstrittene Übernahme des britischen Bezahlsenders BSkyB auf. Das hochprofitable Unternehmen ist einer der erfolgreichsten europäischen Fernsehkonzerne.

Der Medienskandal hat längst auch die Führungsriege der News Corp. erreicht. Vor allem Rupert Murdochs Sohn James ist in Bedrängnis geraten. Er galt bisher als Kronprinz für die Nachfolge seines Vaters an der Unternehmensspitze und ist als stellvertretender Chef des operativen Geschäfts bereits Mitglied im Konzernvorstand. Aber James Murdoch ist in den Skandal verwickelt, weil er in den vergangenen Jahren von London aus das internationale Geschäft der News Corp. geleitet hatte. Dem 39 Jahre alten Medienmanager wird vorgeworfen, frühzeitig von den Machenschaften seiner Journalisten gewusst und mit Schweigegeldern die Affäre vertuscht zu haben. Murdoch bestreitet dies.

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