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Abgasskandal : Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Bosch

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Bosch ist der weltgrößte Zulieferer von Fahrzeugelektronik und Mechatronik. Bild: EPA

Die Stuttgarter Justiz leitet ein drittes Ermittlungsverfahren gegen den Technikkonzern Bosch ein. Die Vorwürfe kreisen um Abgasmanipulationen bei Diesel-Autos von Audi.

          Im Schlepptau des Dieselskandals nimmt die Justiz den Autozulieferer Bosch noch genauer unter die Lupe. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart leitete Ende Dezember ein drittes Ermittlungsverfahren gegen den Konzern ein, wie ein Behördensprecher diesen Donnerstag sagte. Dabei gehe es um Beihilfe zum Betrug im Zusammenhang mit möglichen Manipulationen der Abgasnachbehandlung bei der VW-Tochter Audi. Ermittelt werde gegen unbekannte Mitarbeiter. Ein Sprecher von Bosch sagte lediglich, man kooperiere vollumfänglich mit den Behörden. Zu Details äußere sich das Unternehmen nicht.

          Der schwäbische Konzern war als Lieferant von Steuergeräten und Software schon im Herbst 2015 – mit Bekanntwerden der Dieselaffäre bei VW – ins Visier der Justiz geraten. In diesem Fall ermittelt die Behörde nach eigenen Angaben gegen sieben Bosch-Mitarbeiter wegen Beihilfe zum Betrug. Im Frühjahr 2017 leiteten die Stuttgarter Staatsanwälte ein weiteres Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt ein – im Zusammenhang mit Daimler, wo ebenfalls der Verdacht der Abgasmanipulation von Dieselmotoren im Raum steht. Der Oberklasse-Autobauer wurde deswegen bundesweit durchsucht.

          Auch bei Audi waren im vergangenen Jahr Ermittler zur Razzia angerückt. Bei Bosch wurde nicht durchsucht. Der Sprecher der Stuttgarter Behörde sagte weiter, was Bosch angehe, werde der Fall Audi seit längerem beobachtet. Über die Ausweitung der Ermittlungen gegen den Zulieferer hatte zuerst die „Wirtschaftswoche“ berichtet.

          In den Vereinigten Staaten sieht sich Bosch mit einer Klage konfrontiert, die sich vor allem gegen Ford richtet. Die Anwaltskanzlei Hagens Berman wirft dem amerikanischen Autobauer in der am Mittwoch eingereichten Klageschrift vor, ähnlich wie VW Abschaltvorrichtungen eingesetzt zu haben, um Abgastests zu bestehen. Betroffen sind demnach Pickup-Geländewagen der Typen F-250 und F-350. Unter realen Bedingungen stießen die Motoren zweimal so viele gesundheitsschädliche NOx-Gase aus wie erlaubt. In der Klageschrift wird auch Bosch als Beschuldigter geführt. Die Kanzlei Hagens Berman Sobol war schon im Fall VW aktiv. Die Juristen wirkten an milliardenschweren Vergleichen zwischen dem Wolfsburger Konzern sowie Händlern und Kunden mit.

          Ford wies die Anschuldigungen zurück. Alle Fahrzeuge des Autobauers erfüllten die Vorschriften der amerikanischen Umweltbehörde EPA, erklärte das Unternehmen. Bosch teilte mit, die Vorwürfe der Manipulation von Dieselsoftware sehr ernst zu nehmen. Das Unternehmen äußere sich nicht zu Details der strafrechtlichen Ermittlungsverfahren und Zivilgerichtsverfahren.

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