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Campylobacter : 77 Prozent der Hähnchen sind keimbelastet

Massentierhaltung: Viele Keime werden über Hühner übertragen. Bild: dpa

Salmonelle war gestern – heute ist Campylobacter. Davon bekommt man Durchfall. Und noch mehr Lebensmittel können laut Lebensmittelüberwachung des Bundes gefährlich werden.

          Während die Salmonellenbelastung von Frischfleisch stark zurückgeht, macht sich ein anderer Keim auf dem Fleisch breit, dessen Name den meisten Verbrauchern nichts sagt. Es handelt sich um Campylobacter. Der Mensch kann davon Durchfall bekommen, aber die Keime werden beim Garen des Fleisch getötet. „Campylobacter haben mittlerweile Salmonellen als häufigsten bakteriellen Erreger für Durchfallerkrankungen in Deutschland abgelöst“, erläuterte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) am Dienstag laut Pressemeldung in Berlin.

          Jan Grossarth

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Laut dieser einmal jährlich veröffentlichten Überwachungsstatistik für Lebensmittel haben Geflügelproduzenten und Schlachthöfe wie PHW („Wiesenhof“), Heidemark und Rothkötter die Hygiene nicht gut im Griff: In mehr als drei Viertel von 130 genommenen Hähnchenhalshautproben habe der Keim nachgewiesen werden können, so das BVL. Campylobacter wurde an 76,9 Prozent der Proben nachgewiesen. Oftmals lag die Konzentration über dem von 2018 an geltenden EU-Grenzwert („Prozesshygienekriterium“): bei etwa einem Viertel der Proben. Laut der Behörde gilt kontaminiertes Geflügelfleisch gilt als eine Hauptquelle für eine menschliche Infektion mit Campylobacter.

          Auf die Schlachtfabriken kommt eine große Aufgabe zu. Denn ab Januar müssen sie laut EU-Vorgabe, wenn die Schlachtkörper eine überhöhte Campylobacter-Keimzahl aufweisen, etwas dagegen tun. „Ich bin zuversichtlich, dass die Einführung des europaweiten Prozesshygienekriteriums zu einer verbesserten Geflügelschlachthygiene führen wird“, wurde der BVL-Präsident Helmut Tschiersky in der Pressemeldung zitiert. Verbraucher sollten das Fleisch gut erhitzen. Dagegen sank die Salmonellenbalastung von Hähnchenfleisch von 17,8 Prozent der getesteten Halshautproben (2011) auf 6,7 Prozent.

          Die Keim-Observatoren der staatlichen Stellen weisen auch auf die Belastung von Rohmilch hin. Die gibt es oft direkt beim Milchbauern zu zapfen, aber man muss aufpassen – insbesondere schwangere Frauen. Auch hier gilt laut BVL: Die Milch sei vor dem Trinken zu erhitzen. In den 2016 untersuchten Rohmilch-Proben wurden Listerien nachgewisen (in 4 Prozent der Proben), Campylobacter (3 Prozent) und E-Coli-Bakterien (in 2 Prozent). Meist gelangen sie von Fäkalienspuren am Kuheuter in die Rohmilch. Für Milchhersteller wie Deutsches Milch-Kontor, Friesland Campina oder Müller ist dies kein Problem, da sie die Milch für jedwede Verarbeitung erhitzen.

          Für Verbraucher ist nicht nur der Kontakt mit Fleisch und Milch mit Risiken behaftet. Das BVL nahm auch Kinderspielzeug von Herstellern wie Mattel, Hasbro und anderen unter die Lupe. Das enthält Reizstoffe, die bei Kinder etwa Hautreizungen hervorrufen können. Ein Großteil ist aus China importiert, hier gab es immer wieder Fälle von Grenzwertüberschreitungen. Metallspielzeuge standen 2016 im Fokus der Überwachungsbehörde. Von 353 untersuchten Proben überschritten 21 Prozent den geltenden Grenzwert für Nickel. Darauf reagieren viele Kinder bei Berührung allergisch.

          Bei einem Metallbaukasten – der Hersteller wurde am Dienstag nicht genannt – lag der gemessene Nickelanteil sogar mehr als 200-fach über dem Grenzwert. Schon 2012 hatte das BVL Metallspielzeug auf Nickelgehalte untersucht – besonders auffällig waren auch damals Metall- und Modellbaukästen mit 87 Prozent Überschreitungen Es sei „davon auszugehen ist, dass beim Spielen mit Metall- und Modellbaukästen ein längerer Hautkontakt besteht“, so das BVL, daher „sind diese Befunde besonders kritisch zu sehen“. Etwa 10 Prozent aller Kinder reagieren auf das Metall sensibel.

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