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50 Jahre Sachverständigenrat Die Weisen aus Wiesbaden

Vor fünfzig Jahren wurde der Sachverständigenrat geboren. Er sollte eine Art ordnungspolitisches Gewissen der Nation werden. Immer wieder haben die „Wirtschaftsweisen“ wichtige Ideen entwickelt: Etwa die Wende von der Nachfrage- zur Angebotspolitik.

© picture-alliance / dpa Vergrößern Das Gründungsmitglied des Sachverständigenrats Herbert Giersch (2. v. r.) 1967 mit dem damaligen Wirtschaftsminister Karl Schiller (2. v. l.)

Am Anfang stand eine Attacke im Währungskrieg. Gleich in seinem ersten Gutachten „Stabiles Geld - stetiges Wachstum“ empfahl der Sachverständigenrat eine Aufwertung der D-Mark, um die Inflation zu dämpfen. Das war ein heikles Thema im damaligen Festkurssystem. Die „Wirtschaftsweisen“, wie sie in der Bevölkerung und in den Medien bald genannt wurden, sahen die Mark als deutlich unterbewertet an.

Philip Plickert Folgen:

Doch die exportorientierte Industrie wehrte sich strikt gegen eine Anpassung des Wechselkurses. Aus dem Bonner Kanzleramt erhielten die Ökonomen „nur die Quittung des Pförtners“ für ihr Gutachten, sonst war eisiges Schweigen, erzählte Herbert Giersch, Gründungsmitglied und Vordenker des Sachverständigenrats. Der Rat war unbequem - von Anfang an.

Eine Stimme ökonomischer Vernunft

„Herr Erhard, woll’n Se sich ne Laus in’n Pelz setzen?“, hatte Kanzler Adenauer seinen Wirtschaftsminister gefragt, als Ludwig Erhard ihm die Gründung eines Expertengremiums vorschlug. Vorbild war in gewisser Weise der nach dem Krieg gegründete amerikanische „Council of Economic Advisors“. Das deutsche Gremium sollte zwar von der Regierung ernannt sein, aber unabhängig sein und die Wirtschaftspolitik kritisch begutachten.

Erhard ließ nicht locker. Er erhoffte sich Beistand für marktwirtschaftliches Denken und für seine Maßhalte-Appelle, eine Stimme ökonomischer Vernunft gegen Partikularinteressen der Industrie und der Gewerkschaften. Schließlich brachte Erhard seinen Vorschlag durch. Im August 1963 stimmte der Bundestag parteiübergreifend zu: Der „Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“, kurz SVR, war geboren.

23231043 © IMAGO Vergrößern Die Wirtschaftsweisen übergeben ihr Jahresgutachten: Links neben der Kanzlerin der Vorsitzende Wolfgang Franz und Claudia Buch, rechts neben dem Wirtschaftsminister stehen Peter Bofinger und Lars Feld, Christoph Schmidt ist verdeckt

Über die Jahrzehnte hat der in Wiesbaden tagende Rat die wirtschaftspolitischen Debatten in der Bundesrepublik entscheidend geprägt und wichtige ordnungspolitische Weichenstellungen vorbereitet: In den siebziger Jahren stieß er den radikalen Kurswechsel von der Nachfrage- zur Angebotspolitik an, nach der Jahrtausendwende gab er Impulse für die „Agenda 2010“ und die Schuldenbremse. Mit seinem Vorschlag für einen europäischen „Schuldentilgungspakt“ ist er indes in der Euro-Krise nicht durchgedrungen.

An diesem Mittwoch feiert der Rat einen vorgezogenen Geburtstag (den Termin im August will er wegen der Nähe zur Bundestagswahl vermeiden). Für den Arbeitsmarktökonom Wolfgang Franz, der dem Rat fünfzehn Jahre lang angehörte, seit 2009 als Vorsitzender, ist das zugleich der Abschied. Er geht mit 68 Jahren in den Ruhestand.

Entwicklung der „Globalsteuerung“

„Eine gewisse Wehmut ist schon dabei“, sagt Franz. Zur Jubiläumsveranstaltung des Rats werden die Kanzlerin und der Wirtschaftsminister Reden halten, prominente Ökonomen aus Frankreich und Amerika gratulieren, zudem gibt es eine Diskussionsrunde über die Euro-Krise unter anderem mit Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Obwohl dieser wohl Kritik am Kurs der Regierung üben wird, dürfte es eine insgesamt besinnliche Veranstaltung mit viel Schulterklopfen werden.

Dabei gab es Zeiten, da standen die Ökonomen im Kreuzfeuer. „Terroristische Beeinflussung“ der Wähler warf ihnen der stets wortgewaltige Finanzminister Franz Josef Strauß vor, als die Weisen 1969 in einem Sondergutachten immer dringlicher eine Aufwertung anmahnten. Die Zeitschrift „Der Volkswirt“ schrieb pikiert über eine „Mai-Revolte der Professoren“. Der Währungskrieg wurde durchaus auch innerhalb des Rates ausgefochten, zwischen Giersch, einem Befürworter flexibler Wechselkurse, und Wolfgang Stützel, der an fixen Kurse festhalten wollte. Schließlich brach das Bretton-Woods-System der festen Kurse 1971 zusammen, die Mark wertete immer weiter auf.

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