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3. Weltfinanzgipfel Fehlsteuerung

24.09.2009 ·  Amerikaner und Briten arbeiten an der ganz großen Globalsteuerung. Man stelle sich vor, Emissäre aus Washington und London kommen ins Kanzleramt und fordern: Staatsausgaben hoch, Sozialtransfers erhöhen, Mindestlöhne durchsetzen. Die Erfahrung mit der Nachfragepolitik lehrt doch: Wachstum ist nicht lange auf Pump zu kaufen.

Von Manfred Schäfers
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Amerikaner und Briten arbeiten an der ganz großen Globalsteuerung. Auf dem 3. Weltfinanzgipfel, der an diesem Donnerstag in Pittsburgh beginnt, wollen sie Strategien verabreden, um die Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft zu verringern. Überschussländer wie China, Japan, Deutschland müssen sich auf Druck einstellen, auf dass sie ihre Nachfrage ankurbeln. Am liebsten wäre es Amerikanern und Briten offenbar, wenn feste Ziele für jedes Land vereinbart würden. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, um sich auszumalen, was das bedeutete. Emissäre aus Washington und London kommen ins Kanzleramt und fordern: Staatsausgaben hoch, Sozialtransfers erhöhen, Mindestlöhne durchsetzen.

Hinter den Vorstößen aus Amerika und Großbritannien steht ein mechanistisches Denken. Wenn irgendwo Nachfrage ausfällt, dreht man an ein paar Rädchen, um an anderer Stelle neue Nachfrage zu schaffen. Dem Irrtum, dass man die Wirtschaft „feinsteuern“ kann, ist man Ende der sechziger Jahre auch in Deutschland aufgesessen. Ziel der Politik war das magische Viereck aus stetigem und angemessenem Wirtschaftswachstum, Vollbeschäftigung, Preisniveaustabilität und außenwirtschaftlichem Gleichgewicht. Das traurige Ergebnis des Großversuchs ist unter „Stagflation“ in die Geschichtsbücher eingegangen: Die Wirtschaft stagnierte, die Arbeitslosigkeit wuchs, die Staatsverschuldung schnellte in die Höhe.

Anfang der achtziger Jahre gab es eine Rückbesinnung auf die Angebotsbedingungen. Angeführt von den Vereinigten Staaten und Großbritannien, setzte sich in der Welt eine neue Sichtweise durch: Nur wenn die Produktion sich rechnet, wird investiert und eingestellt. Doch wie sich gezeigt hat, ist Laissez-faire schlecht für die Finanzmärkte. Und mit der Politik des billigen Geldes hat die amerikanische Notenbank ihren Teil zum Entstehen der Blase an den Märkten beigetragen. Nun unterliegen ausgerechnet die Angelsachsen dem Zauber der Nachfragepolitik. Nachdem die riesige Shopping Mall namens Vereinigte Staaten in die Krise geraten ist, weil der muntere Kauf auf Kreditkarte an Grenzen stieß, sollen es andere Länder richten und nun ihrerseits auf Teufel komm raus konsumieren. So will man global neues Wachstum schaffen. Doch die Erfahrung mit der Globalsteuerung lehrt: Wachstum ist nicht lange auf Pump zu kaufen.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

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