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3-D-Kino Entscheidung für die billigere Variante

30.07.2010 ·  Nach dem Erfolg von „Avatar“ hoffte die Filmbranche auf eine neue Goldgrube. Doch die anfängliche Begeisterung für 3-D im Kino kühlt schon wieder ab. Die Verbraucher weigern sich, die Premiumpreise zu zahlen.

Von Roland Lindner, New York
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Über einen Mangel an glänzenden Kritiken können sich die Macher des Films „Toy Story 3“, der gerade in Deutschland anläuft, nicht beklagen. Aber so grandios der Erfolg auch sein mag: „Toy Story 3“ hat auch ein für die Branche beunruhigendes Signal geliefert. Ein für manche Beobachter überraschend geringer Anteil des Einspielergebnisses wurde bislang in Kinos erzielt, die den Film in dreidimensionaler Technik (3-D) ausstrahlten. Das ist eine ernüchternde Erkenntnis für die Filmindustrie, die darauf gesetzt hatte, dass der Erfolg des Science-Fiction-Streifens „Avatar“ auf 3-D-Leinwänden den Durchbruch der Technik bedeutet.

Ein Abflauen der Begeisterung wäre ein schwerer Schlag für die Filmstudios und die Kinobetreiber - denn die Eintrittskarten für 3-D-Filme sind teurer als für reguläre Produktionen und sorgen somit für höhere Umsätze. Genau dieser Preisaufschlag scheint nun aber immer mehr Amerikaner abzuschrecken.

Als „Avatar“ im vergangenen Dezember in die Kinos kam, wurden am Startwochenende 71 Prozent der Umsätze mit der 3-D-Version erzielt. „Avatar“ entwickelte sich zu einem Phänomen und spielte global so viel Geld ein wie noch kein Film zuvor. Die Branche erklärte den Erfolg vor allem mit dem Einsatz von Computeranimation und 3-D-Technik, die für spektakuläre Bilder sorgten. Danach sah es zunächst so aus, als sei das Publikum auf den Geschmack gekommen. Die nächste große 3-D-Produktion nach „Avatar“ - der Märchenfilm „Alice im Wunderland“ - brachte nach dem Start im März 69 Prozent des Umsatzes auf 3-D-Leinwänden ein. Wenige Wochen später folgte der Animationsfilm „Drachenzähmen leicht gemacht“ mit 68 Prozent.

James Camerons neuer Film „Avatar“ hat seinen früheren Film „Titanic“ vom Spitzenplatz der erfolgreichsten Filme aller Zeiten verdrängt.

Der Reiz des Neuen

Von da an ging es aber bergab: Die jüngste Folge aus der Animationsreihe „Shrek“ kam nach dem Kinostart im Mai auf einen 3-D-Anteil von 61 Prozent, der Kassenschlager „Toy Story 3“ im Juni brachte es noch auf 60 Prozent. Zuletzt erzielte der ebenfalls insgesamt sehr erfolgreiche Zeichentrickfilm „Ich - einfach unverbesserlich“ nach dem Start im Juli nur 45 Prozent des Umsatzes mit der 3-D-Version.

„Wir fürchten, es gibt Ermüdungserscheinungen bei 3-D“, sagt Analyst Richard Greenfield vom amerikanischen Finanzdienstleister BTIG. Der Reiz des Neuen sei aus Sicht der Verbraucher nicht mehr vorhanden. Sie weigerten sich zunehmend, die Premiumpreise zu bezahlen. Für 3-D-Filme ist in Amerika üblicherweise ein Aufschlag von mindestens 3 Dollar fällig, oft ist es deutlich mehr. Wer zum Beispiel in dieser Woche im „Village East Cinema“ in New York „Toy Story 3“ sehen will, hat die Wahl zwischen 13 Dollar für die 2-D-Version und 17,50 Dollar für die 3-D-Version.

3-D-Filme haben zudem längst nicht mehr den Rang von etwas Besonderem: Mehr als 20 solcher Produktionen kommen in diesem Jahr in die amerikanischen Kinos. Kritiker haben schon bei vielen Filmen bemängelt, dass die dreidimensionalen Bilder dem Zuschauer keinerlei Mehrwert bringen, wie ihn „Avatar“ nach einhelliger Auffassung noch lieferte. Das hat auch damit zu tun, dass einige Filme nicht wie „Avatar“ von vornherein in 3-D-Technik gedreht, sondern erst nachträglich umgerüstet worden sind - weil die Studios dem vermeintlichen Trend folgen wollten und sich höhere Umsätze versprachen.

Viele Zuschauer haben sich über die schlechte 3-D-Qualität solcher nachbearbeiteter Produktionen beschwert. Manche Kritiker meinen sogar, 3-D könne sich negativ auf das Kinoerlebnis auswirken, da Filme durch die Technik im Auge des Zuschauers an Helligkeit verlieren. Filmkritiker Roger Ebert schrieb kürzlich in seiner Besprechung des auf 3-D nachgerüsteten Streifens „Die Legende von Aang“, der Film sehe aus, „als ob er mit einem dreckigen Tuch über der Kameralinse gedreht worden ist“. Auf der Leinwand zu sehende Flammen hätten „die Lebendigkeit vergilbter Polaroid-Fotos“ gehabt. Regisseur Christopher Nolan sagte kürzlich, genau wegen dieses Helligkeitsproblems habe er bei seinem neuen Film „Inception“ mit Leonardo DiCaprio auf 3-D verzichtet.

Weitere 3-D-Filme in Planung

Analyst Greenfield will nicht so weit gehen, die Technik als eine vorübergehende Modeerscheinung darzustellen. 3-D-Filme werde es weiterhin geben, zumal bei den ganz großen Hollywood-Produktionen. Die Industrie müsse aber das richtige Maß finden. Selbst Disney-Vorstandsvorsitzender Bob Iger warnte kürzlich vor einer Überflutung des Marktes: „Sonst schlachten wir die Gans, die goldene Eier gelegt hat.“ Bislang ist freilich nach den Worten von Greenfield unter den Filmstudios keinerlei Zurückhaltung zu spüren, und für 2011 stünden sogar noch mehr 3-D-Titel auf dem Plan als in diesem Jahr. Nach Meinung von Greenfield führt für die Branche auch kein Weg daran vorbei, ihre Preispolitik zu überdenken. Der Analyst veröffentlichte kürzlich die Ergebnisse einer Befragung von 2600 Amerikanern: 77 Prozent gaben an, sie würden für 3-D-Filme höchstens einen Aufschlag von 2 Dollar zahlen wollen.

Die Akzeptanz von 3-D ist nicht nur für die Filmindustrie von Bedeutung. So versucht die Konsumelektronikbranche derzeit mit aller Macht, das 3-D-Erlebnis auch ins heimische Wohnzimmer zu bringen. Unternehmen wie Samsung und Panasonic haben in den vergangenen Monaten die ersten 3-D-tauglichen Fernsehgeräte auf den Markt gebracht. Oft haben sich die Hersteller auf den Kinoerfolg von „Avatar“ berufen, als sie proklamierten, dass 3-D-Fernsehern die Zukunft gehört. Umgekehrt dürfte es ihnen nun Sorge bereiten, wenn 3-D im Kino weiter an Zugkraft verliert.

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Starker Export

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