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Weltwirtschaftsforum in Davos Deutschland glaubt an sich

25.01.2012 ·  Die deutschen Manager werden zu Weltmeistern des Optimismus. Mit Blick auf die eigenen Unternehmen findet sich vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos von Schwarzmalerei keine Spur. Das ist nicht überall so.

Von Carsten Knop, Davos
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Es ist beinahe unglaublich, aber wahr: Die deutsche Wirtschaft hat sich im Vergleich mit anderen Volkswirtschaften der Welt zu einem Fels in der Brandung entwickelt. Deutschland und seine Manager sind zu Optimismus-Weltmeistern geworden. Von Schwarzmalerei oder der angeblich typisch deutschen schlechten Stimmung findet sich unter den Führungskräften der Unternehmen kaum eine Spur.

„In Deutschland erwarten die Unternehmenslenker für 2012 zwar mehrheitlich eine weitere Abkühlung der globalen Konjunktur. Das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit ist in Deutschland allerdings groß. Fast drei Viertel der Vorstandsvorsitzenden hierzulande sind ,sehr zuversichtlich’, in den kommenden drei Jahren deutliches Wachstum zu erzielen“, beschreibt Norbert Winkeljohann, der Sprecher des Vorstands von PwC Deutschland, die Lage.

Winkeljohann fischt dabei nicht im Trüben. Er bezieht sich auf die Ergebnisse einer Umfrage unter mehr als 1250 Führungskräften, deren Ergebnisse unter dem Namen „Global CEO Survey“ traditionell in Davos vorgelegt werden.

Die deutsche Zuversicht, die sich in ihr spiegelt, ist 2012 besonders bemerkenswert, weil die Vorstandschefs der größten Unternehmen der Welt insgesamt für das laufende Jahr sehr viel weniger Hoffnung auf ein allgemeines Wirtschaftswachstum haben als 2011. Von den Befragten rechnet fast jeder zweite in den kommenden zwölf Monaten mit einer Eintrübung des Konjunkturklimas. Nur 15 Prozent erwarten eine freundlichere Wirtschaftsentwicklung.

Auch die Stimmung in Asien, dem Wachstumsmotor der vergangenen Monate, ist schlechter. So geben sich zwar noch immer 51 Prozent der Vorstandsvorsitzenden in China zu den eigenen Wachstumsperspektiven „sehr zuversichtlich“. Dies entspricht allerdings einem Rückgang von mehr als 20 Prozentpunkten im Vergleich zur Umfrage des Jahres 2011. In Indien ist der Anteil der Optimisten sogar von 88 auf 55 Prozent gesunken.

Das wird in Davos ein wichtiges Thema sein. Denn Delegationen aus China und Indien haben dort seit einiger Zeit großen Anteil an den Diskussionsrunden. Winkeljohann ahnt auf der Basis der Umfrage: „Auch die bislang prosperierenden Schwellenländer bekommen die Konsequenzen der Euro-Krise nun zu spüren. Die Hoffnung, dass sich die BRIC-Staaten von der Konjunkturentwicklung in den ,alten’ Industriestaaten abkoppeln könnten, hat sich als trügerisch erwiesen.“ Das Kürzel BRIC steht für Brasilien, Russland, Indien und China.

Die Mehrheit der Top-Manager setzt auf Konsolidierung

Dennoch spielen die Märkte der „Emerging Economies“ in den Expansionsstrategien der Unternehmen weiterhin eine Schlüsselrolle. So sprechen 57 Prozent der Vorstandsvorsitzenden den Schwellenländern eine größere Bedeutung für die Zukunft ihres Unternehmens zu als den entwickelten Industriestaaten. Gefragt nach den drei wichtigsten Märkten, nannten die meisten Vorstandschefs die BRIC-Staaten, gefolgt von den Vereinigten Staaten und Deutschland.

Die Perspektiven für das jeweils eigene Unternehmen schätzt die Wirtschaftselite ohnehin überraschend optimistisch ein: Immerhin knapp vier von zehn Befragten gehen von steigenden Erlösen im Jahr 2012 aus. Für die nächsten drei Jahre steigt dieser Wert sogar auf 47 Prozent. Angesichts der kurzfristig verhaltenen Konjunkturaussichten setzt die Mehrheit der Top-Manager aber auf Konsolidierung statt auf weitere Expansion. Erlössteigerungen erwarten sich jeweils 29 Prozent der Befragten von einer Festigung ihrer Position auf bestehenden Märkten sowie der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen.

„Die Top-Manager haben aus den Erfahrungen der vergangenen schwierigen Jahre gelernt und blicken selbstbewusst in die Zukunft. Sie beschäftigen sich heute weniger mit der Krise selbst, sondern konzentrieren sich vielmehr auf die eigene Strategie, um auch in einem unsicheren Marktumfeld auf Kurs zu bleiben“, sagt Winkeljohann.

Die Unternehmen investieren in Personal

Die mutige Erschließung neuer Märkte planen aber nur 18 Prozent. Und gerade einmal 12 beziehungsweise 10 Prozent der Befragten nennen Übernahmen oder Kooperationen als Wachstumsmotor. Letzteres werden die in Davos zahlreich anwesenden Banker, die vor Jahresfrist noch einem Boom solcher Transaktionen erwarteten und danach bitter enttäuscht wurden, nicht gerne hören.

Als größte Risikofaktoren für die Entwicklung sehen 80 Prozent der Führungskräfte die konjunkturellen Unsicherheiten, gefolgt von den nicht absehbaren Reaktionen der Staaten auf wachsende Defizite (65 Prozent), möglichen Verwerfungen auf dem Finanz- und Kapitalmarkt (64 Prozent) sowie schwankenden Wechselkursen und zunehmender Regulierung (jeweils 58 Prozent).

Die gute Nachricht: Ungeachtet der schwächeren Wirtschaftsentwicklung investieren die Unternehmen weiterhin in den Ausbau ihrer Belegschaften. In den vergangenen zwölf Monaten ist die Zahl der Mitarbeiter bei jedem zweiten Befragten gestiegen. Nur ein Fünftel der Vorstandsvorsitzenden (22 Prozent) berichtet über Einschnitte. Für die kommenden zwölf Monate erwarten sogar noch weniger Top-Manager (17 Prozent) einen Personalabbau. „Die Umfrageergebnisse legen nahe, dass die Unternehmen schwächere Wachstumsaussichten nicht mehr in erster Linie durch Kürzungen beim Personal zu kompensieren versuchen. Offenbar hat der Fachkräftemangel zu einem Umdenken in den Chefetagen geführt. Nur 16 Prozent der Unternehmen in Deutschland erwarten mittelfristig hinreichenden Zugang zu gutausgebildeten Arbeitskräften. Dadurch werden Investitionen in die Aus- und Weiterbildung sowie eine verstärkte Suche auf dem internationalen Bewerbermarkt weiter an Bedeutung gewinnen“, sagt Winkeljohann.

Engpass bei qualifiziertem Personal

Tatsächlich zählen 53 Prozent der befragten Vorstandsvorsitzenden einen Engpass bei qualifiziertem Personal zu den größten Wachstumsrisiken. Immerhin 43 Prozent stimmen der Aussage zu, dass die Mitarbeitergewinnung in ihrer Branche bereits schwieriger geworden ist. Umgekehrt sind nur 30 Prozent der Unternehmen davon überzeugt, auch künftig qualifiziertes Personal in ausreichender Zahl zu finden. In jedem Fall haben die deutschen Manager nach Ansicht von Winkeljohann in der vergangenen Krise hervorragend agiert: Es gab keine überstürzten Panikreaktionen wie große Entlassungswellen.

Und diese guten Erfahrungen machen selbstbewusst. Krisenmanagement heiße heute nicht mehr: Wie können wir die Krise vermeiden? Sondern: Wie können wir unser Unternehmen fit machen und vor Schäden bewahren? „Das war offensichtlich der Schlüssel zum Erfolg.“

Ein schöner Nebeneffekt dieses Erfolgs: Nach Angaben des Wirtschaftsinformationsdienstes D&B Deutschland bezahlen die deutschen Unternehmen ihre eigenen Rechnungen trotz der Schuldenkrise derzeit so pünktlich wie noch nie zuvor. Mit solchen Unternehmen möchte man gerne Geschäfte machen.

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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

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