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Davos und die Schuldenkrise Banken erarbeiten Euro-Notfallpläne

26.01.2012 ·  Die großen Banken rund um die Welt treffen Vorsorge für ein Auseinanderbrechen des Euroraums. Mit Notfallplänen wollen sie die Folgen in Grenzen halten.

Von Jürgen Dunsch, Davos
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Die großen Banken rund um die Welt schließen ein Auseinanderbrechen der Eurozone nicht mehr aus. Sie wollen mit Notfallplänen die Folgen in Grenzen halten. Dies wurde in einer internen Gesprächsrunde von Vertretern der Finanzbranche auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF) deutlich. Der Vorstandsvorsitzende einer Bank meinte, 2012 werde für die Euroländer ein Jahr der Entscheidung. Im Blickpunkt steht dabei zunächst das schlingernde Griechenland, das am 20. März rund 14 Milliarden Euro neu finanzieren muss. Der Vertreter einer europäischen Bank erläuterte, die meisten Geldhäuser hätten noch keine fertigen Pläne, aber „Szenarien“, die relativ rasch konkretisiert werden könnten. Allgemein würden von den Staaten der Währungsgemeinschaft im Wesentlichen nur noch deutsche Bundesanleihen als sicherer Hafen angesehen.

Die Zukunft der Euro-Schuldenländer beherrschte schon am ersten Tag des WEF viele Gespräche in Davos. In einer Runde mit Journalisten sagte der legendäre frühere Hedgefonds-Manager George Soros: „Es besteht die echte Gefahr, dass der Euro den politischen Zusammenhalt der EU untergräbt.“ Deutschland trage hier die Hauptverantwortung, da es inzwischen die Entwicklung in Europa „diktiere“. Soros war weltweit berühmt geworden, als er mit seinem Hedgefonds „Quantum“ 1992 erfolgreich gegen das britische Pfund spekulierte und dessen Abwertung erzwang. Heute leitet er eine Stiftung zur Förderung „offener Gesellschaften“". Daneben äußert er sich immer noch zu Fragen der Finanzmärkte.

In Davos nahm er Deutschland und die Bundesregierung einseitig aufs Korn. Aufgrund ihrer Geschichte reagierten die Deutschen sehr empfindlich gegenüber Inflationsgefahren, meinte der inzwischen Einundachtzigjährige. Doch jetzt drohe in der EU das Gegenteil, nämlich eine deflationäre Abwärtsspirale, glaubt er. Um die Gefahrenherde einzudämmen, empfahl Soros den Europäern eine strikte Finanzdisziplin und strukturelle Reformen. Daneben müssten die Schuldenstaaten in ihren Bemühungen aber auch positiv begleitet werden, sagte er mit Blick auf entsprechende Forderungen des italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti. Ein Mittel hierzu seien Eurobonds, welche Bundesregierung und Bundesbank bisher vehement ablehnen.

In der Finanzrunde hieß es, die Euro-Staaten würden als 17 verschiedene Emittenten mit einer Währung behandelt. Scheitere daher der Euro, fielen möglicherweise auch zahlreiche Emittenten von Staatsanleihen aus. Dieser Gefahr müssten die Banken rasch Rechnung tragen. Soros hatte auf seiner Veranstaltung gesagt: „Durch den Euro näherten sich die Zinssätze der teilnehmenden Staaten an, wohingegen die wirtschaftliche Entwicklung auseinanderdriftete.“ In ihrer Runde warnten die Vertreter der Finanzbranche mehrfach vor der Gefahr sozialer Unruhen bei zu harten Anpassungsprogrammen. Angesichts der Größe der Schuldenprobleme empfehle sich keine "Schocktherapie" wie zum Beispiel bei dem Schuldenschnitt Argentiniens vor zehn Jahren. Für die nötigen Anpassungsprozesse in den staatlichen Etats müsse mit 10 bis 15 Jahren gerechnet werden, hieß es weitgehend zustimmend.

Glaubt man den Teilnehmern aus der Finanzwirtschaft, ist bisher noch nicht viel gewonnen bei der Bewältigung der Schuldenprobleme in Europa und den Vereinigten Staaten. Japan stand weniger im Blick, da die hohen Staatsschulden bisher weitgehend von inländischen Gläubigern getragen werden. „Die Leute gehen gerne Risiken ein“, sagte ein Debattenredner, „aber inzwischen hat Unsicherheit das Risiko verdrängt.“ Die Folgen zeigten sich zum Beispiel in der schleppenden Investitionstätigkeit vieler Unternehmen. Ein Teilnehmer machte darauf aufmerksam, dass trotz aller Bemühungen der Schuldenstand in vielen Ländern weiterhin zunehme. Von einem Abbau könne also nicht die Rede sein. Zugleich bleibe das Wachstum vieler Volkswirtschaften unbefriedigend; es könne daher bis auf weiteres keinen substantiellen Beitrag zur Schuldenverminderung leisten.

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Jahrgang 1948, Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

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