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2,2 Prozent : Rentenanstieg unter den Erwartungen

Von Juli an steigen die Renten in Deutschland Bild: dapd

Von 1. Juli an bekommen 20 Millionen Rentner in Deutschland mehr Geld. Rund 2,2 Prozent sind das größte Plus seit 2009. Allerdings waren die Erwartungen für die Anhebung im Osten deutlich größer gewesen.

          Die mehr als 20 Millionen Rentenbezieher in Deutschland bekommen vom 1. Juli an mehr Geld. In Westdeutschland werden die Bezüge um 2,18 Prozent, im Osten um 2,26 Prozent steigen. Dies teilte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) am Montag mit. Es ist der stärkste Anstieg seit drei Jahren; im Jahr 2011 wurden die Renten in West und Ost nur um 0,99 Prozent erhöht.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Von der Leyen sprach von einer „guten Nachricht für die heutigen Rentnerinnern und Rentner“. Zugleich verwies das Ministerium darauf, dass die Senkung der Beitragssätze die Arbeitnehmer und Arbeitgeber in diesem Jahr um 2,6 Milliarden Euro entlaste. Die Akzeptanz des Rentensystems lebe davon, dass die Lasten zwischen Alt und Jung gerecht verteilt seien.

          Ein Rentner, der 45 Jahre lang einen durchschnittlichen Lohn bezogen und darauf Rentenbeiträge bezahlt hat, bekommt also von Juli an im Westen knapp 27 Euro und im Osten knapp 25 Euro im Monat mehr. Von der Leyen sagte, die Rente könne dank des Aufschwungs spürbar steigen.

          Allerdings waren die Erwartungen für die Rentenanhebung im Osten deutlich größer gewesen: Bis zu 3,6 Prozent hatte die „Bild“-Zeitung am Wochenende gemeldet. Diese Schätzung war zu hoch, da sie die Korrektur zu gering ansetzte, die vor allem wegen der Rentengarantie nötig ist, die 2010 die Renten trotz der Rezession im Vorjahr stabil hielt.

          Die Rentenanpassungen in Ost- und Westdeutschland seit dem Jahr 2000

          Grundlage der Rentenanpassung ist die Lohnentwicklung im Vorjahr. Wegen der guten Konjunktur stiegen die Bruttolöhne und -Gehälter 2011 im Westen um 2,95 Prozent und im Osten um 2,28 Prozent. In die Rentenformel steckt seit einigen Jahren ein Nachhaltigkeitsfaktor. Er soll die Tatsache berücksichtigen, dass sich wegen des demografischen Wandels und der Alterung das Zahlenverhältnis von Beitragsleistern und Rentenempfängern verschiebt.

          Normalerweise dämpft der Nachhaltigkeitsfaktor die Rentenerhöhung. Wegen der guten Arbeitsmarktentwicklung gab es 2011 aber mehr neue Beschäftigte als neue Rentner. Daher bewirkt der Nachhaltigkeitsfaktor in diesem Jahr eine Erhöhung des Rentenanstiegs um gut 2 Prozentpunkte. Der Riesterfaktor, der die Belastung der arbeitenden Generationen durch private Vorsorge berücksichtigt, dämpft den Rentenanstieg in diesem Jahr um 0,65 Prozentpunkte.

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          Aus den Rohdaten ergäbe sich rechnerisch eine Rentenanpassung um 4,4 Prozent im Westen und 3,73 Prozent im Osten, teilte das Arbeitsministerium mit. Davon gibt es aber noch einen deutlichen Abzug als Ausgleich dafür, dass Schutzklauseln 2005, 2006 und 2010 Kürzungen verhindert hatten. Der Ausgleich ist im Osten nun abgebaut, während in Westdeutschland noch 0,71 Prozentpunkte Korrekturbedarf für künftige Rentenerhöhungen übrig sind.

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