15.11.2011 · Vereiste Oberleitungen, Weichen unter Schneeverwehungen, zugefrorene Zugtüren - Fahrgästen der Bahn ist das Chaos des vergangenen Winters noch in unangenehmer Erinnerung. Die Bahn verspricht nun Besserung. Mehr Weichen werden im Winter beheizt.
Von Kerstin SchwennMit Millioneninvestitionen will die Deutsche Bahn besser über den Winter kommen als in den vergangenen beiden Jahren. Dieses Jahr stellt sie 70 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung, um Zugausfälle und Verspätungen bei Schnee und Kälte zu vermeiden, wie ein Bahnsprecher am Dienstag bestätigte. Bis zum Jahr 2015 will der Bahnkonzern rund 300 Millionen Euro ausgeben, um technischen Problemen vorzubeugen oder diese zu beseitigen.
Auch die Zahl der Mitarbeiter, die auf Bahnanlagen und Bahnsteigen Schnee räumen, will das Unternehmen auf 16.000 verdoppeln. Ein neues satellitengestütztes Meldesystem soll einen genauen Überblick über den Stand der Räumarbeiten geben. Die Bahn hat sich vorgenommen, die Bahnsteige bis zum Betriebsbeginn frühmorgens freizuräumen; 90 Prozent der Weichen sollen innerhalb von vier bis fünf Stunden von Schnee und Eis befreit sein.
Hinter den Anstrengungen steht das Ziel der Bahn, angesichts der fehlenden Fahrzeugreserve die Verfügbarkeit der vorhandenen Fahrzeuge und Infrastruktur zu verbessern. In den vergangenen beiden Wintern hatte es bei Kälte und starkem Schneefall erhebliche Verspätungen und Zugausfälle gegeben. Wegen der verkürzten Werkstattintervalle – seit einem Unfall müssen zahlreiche Hochgeschwindigkeitszüge zehnmal öfter zu Ultraschalluntersuchungen, als vom Hersteller vorgesehen – fehlen im Fernverkehr täglich bis zu 18 ICE-Züge. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Lieferung der 16 neuen ICE-Zugeinheiten von Siemens verzögert. Im Regionalverkehr gibt es ähnliche Probleme, auch wegen der verzögerter Lieferung von Triebzügen durch Bombardier.
27 neue Anlagen zum Abtauen von Zügen sind nach Bahnangaben schon installiert. Eine Enteisung der Fahrzeuge ist unerlässlich, damit die Züge gewartet werden können. Außerdem hat die Bahn 700 Weichenheizungen nachgerüstet. Damit seien nun 48.000 Weichen beheizt – alle, auf denen fahrplanmäßig Züge des Nah- oder Fernverkehrs fahren. Weitere Weichen, die sich in der Vergangenheit als besonders störungsanfällig erwiesen, werden überdies durch Abdeckungen besser gegen von Zügen herabfallende Eisbrocken und gegen Schneeverwehungen geschützt. Ferner sollen Kunden bei Störungen künftig besser informiert werden. Dafür hat der Konzern an mehr als 1700 Bahnhöfen neue Anzeigen installieren lassen, die über Störungen informieren.
Bahn-Mitarbeiter sind immer häufiger Opfer von Gewalttaten. Deshalb kämpft der Bahn-Konzern mit hohem personellen Einsatz gegen kriminelle Bedrohungen. In den ersten neun Monaten des Jahres stieg die Zahl der Körperverletzungen von Bahnmitarbeitern im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 11 Prozent auf 515 Fälle, berichtete der Leiter Konzernsicherheit, Gerd Neubeck, am Dienstag. Fast die Hälfte der Opfer seien Sicherheitsleute der Bahn. Auch Kontrolleure im Nahverkehr seien gefährdet. Fahrgäste werden indes seltener Opfer von Gewalttaten. Die Zahl der insgesamt gezählten Körperverletzungen sank in den ersten neun Monaten gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozent auf 1195. Zwei Drittel der Taten werden im Umfeld von Veranstaltungen wie Fußballspielen und Volksfesten begangen. Den Rückgang begründete Neubeck vor allem mit der Aufstockung des Wachpersonals um 500 auf 3700.
Wappnen muss sich die Bahn derweil gegen eine steigende Zahl von Metalldiebstählen wie von Kupferkabeln. Diese Taten nahmen um fast ein Drittel zu. Den Schaden bezifferte Neubeck auf 10 bis 12 Millionen Euro für das Material. Rechne man Kosten für Reparaturen und Zugausfälle hinzu, komme man auf den zehnfachen Betrag. Die Bahn stattet ihre Kabel daher verstärkt mit einer unsichtbaren „künstlichen DNA“ aus, um Tätern auf die Spur zu kommen. (enn.)
| Name | Kurs | Prozent |
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| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.525,20 | +0,57% |
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