http://www.faz.net/-gqe-75iam

150.000 Plätze fehlen : Kommunen regen „Kita-Platz-Sharing“ an

  • Aktualisiert am

Von August an können Eltern die Betreuung einklagen. Bild: dpa

Ab August haben Eltern einen Rechtsanspruch auf ein Betreuungsangebot für ihre Kinder unter drei Jahren. Doch es fehlen aktuell noch rund 150.000 Plätze. Die Not macht die Kommunen erfinderisch. Mehrere Kinder könnten sich einen Kita-Platz teilen.

          Not macht erfinderisch: Angesichts des Mangels an Kita-Plätzen für Kinder unter drei Jahren plädieren die Kommunen für flexible Übergangslösungen. Denkbar sei etwa, dass sich Eltern einen Betreuungsplatz für ihre Kinder teilten, also eine Art „Kita-Platz-Sharing“, sagte der Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Christian Schramm, am Freitag in Berlin. Nicht jeder brauche einen kompletten Kita-Platz für sein Kind.

          Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg sagte, auch der Austausch von Erziehern zwischen verschiedenen Städten sei eine Möglichkeit. Viele Erzieher arbeiteten außerdem nicht in Vollzeit. Einige von ihnen seien vielleicht bereit, vorübergehend mehr zu arbeiten.

          Vom 1. August 2013 an haben Eltern einen Rechtsanspruch auf ein Betreuungsangebot für ihre Kinder unter drei Jahren. Laut Städte- und Gemeindebund fehlen aktuell noch rund 150.000 Plätze, um diese gesetzliche Garantie einlösen zu können.

          Krippengipfel im März

          Es gebe auch einen deutlichen Mangel an Erziehern, sagte Schramm. Das bereite den Kommunen große Sorgen. Das Ziel werde bis August wohl nicht ganz zu erreichen sein. Deshalb müssten einige Städte und Gemeinden vermutlich auch mit Klagen von Eltern rechnen, die bei der Suche nach einem Kita-Platz leer ausgehen.

          Landsberg sagte, der 1. März sei Stichtag für die Kita-Anmeldungen zum 1. August. Dann müsse es einen Kassensturz und einen Kita-Gipfel mit Bund, Ländern und Kommunen geben. Er beklagte ein Schwarzer-Peter-Spiel zwischen allen Beteiligten beim Thema Kita-Ausbau. Das helfe den Eltern allerdings nicht.

          Der Sprecher des Bundesfamilienministeriums, Christoph Steegmans, zeigte sich überrascht über die Einschätzung des kommunalen Spitzenverbandes. Bislang gebe es keinerlei offizielle Mitteilung aus Ländern und Kommunen, dass der Rechtsanspruch nicht zu halten sei. Das Ministerium gehe davon aus, dass sich alle Akteure ihrer Verantwortung bewusst seien. Der Bund habe seinen Beitrag bereits geleistet und das zugesagte Geld für den Kita-Ausbau bereitgestellt.

          Die Kommunen haben das Jahr 2012 nach bisheriger Einschätzung mit einer schwarzen Null abgeschlossen, sagte Schramm weiter. Dies sei zum Teil erkauft durch unterlassene Investitionen, beklagte er und sprach von einem Verfall der Infrastruktur. Schätzungen zufolge gebe es bei den Kommunen einen Investitionsrückstand in Höhe von 100 Milliarden Euro.

          Bund, Länder und Kommunen seien mit mehr als zwei Billionen Euro verschuldet, rechnete Schramm vor. „Für Steuersenkungen ist angesichts dieser Situationen kein Platz.“ Eine Diskussion darüber verbiete sich. Stattdessen seien nun Reformen nötig, um die Einnahmen des Staats zu steigern und die Ausgaben zu reduzieren. Die Bürger müssten auch mehr Eigenverantwortung übernehmen, zum Beispiel bei der Vorsorge für das Alter und den Pflegefall.

          Eine weitere Herausforderung sei die Energiewende. „Das ist eine Operation am offenen Herzen der drittgrößten Volkswirtschaft der Erde“, sagte Schramm. Der Umstieg auf neue Energiequellen sei noch lange nicht gelungen. Landsberg warnte vor einer Strompreishysterie: „Die Strompreise sind immer gestiegen“, betonte er. Und das werde auch in Zukunft so sein - unabhängig von der Energiewende.

          Quelle: DPA

          Weitere Themen

          Die von der FDP sind Spalter Video-Seite öffnen

          Gerd Müller : Die von der FDP sind Spalter

          Auch CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt äußern sich am Montag in Berlin enttäuscht über das Scheitern der Jamaika-Verhandlungen.

          Video zeigt Jagd auf nordkoreanischen Soldaten Video-Seite öffnen

          Korea-Konflikt : Video zeigt Jagd auf nordkoreanischen Soldaten

          Das Kommando der Vereinten Nationen in Südkorea wirft dem Norden vor, bei der Jagd auf einen Überläufer den Waffenstillstand gebrochen zu haben. Zum Beweis veröffentlicht es Videoaufnahmen, die an einen Actionfilm erinnern.

          Topmeldungen

          Neue Jamaika-Gespräche? : Uneinigkeit in der FDP-Spitze

          Drei Tage nach dem Abbruch der Jamaika-Sondierungsgespräche herrscht Verwirrung um den Kurs der FDP. Generalsekretärin Nicola Beer versteht das Nein ihrer Partei nicht als letztes Wort. FDP-Chef Lindner schon.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.