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10 Jahre ICE-Strecke Köln-Frankfurt Was 300 Stundenkilometer kosten

Die ICE-Schnellstrecke Köln-Frankfurt wird zehn Jahre alt. Mit Tempo 300 kommen die Fahrgäste in einer Stunde ans Ziel. Die Menschen freuen sich. Nur für die Bahn hat sich das Projekt eher nicht gelohnt.

© Daniel Pilar / F.A.Z. Vergrößern Abfahrt Köln Hauptbahnhof: Der schnelle Zug ist in rund einer Stunde in Frankfurt.

Bonn, Remagen, Andernach, Koblenz, Bingen, Mainz, dazwischen Weinberge, malerische Dörfchen und der Loreley-Felsen. Bis zum Jahr 2002 war das die Tour, die Reisende zu bewältigen hatten, wenn sie sich mit der Bahn von Köln nach Frankfurt am Main aufmachten. Ohne Zweifel eine malerische Fahrt, aber eine lange Reise und keine gute Alternative zum Auto. Das hat sich grundlegend geändert. Auf den Tag zehn Jahre ist es nun her, dass der ICE erstmals auf der Neubaustrecke parallel zur Autobahn 3 von Köln nach Frankfurt brauste – seither braucht er nur noch eine Stunde.

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Mit 300 Sachen über 18 Brücken, durch 30 Tunnel und über Steigungen von mehr als 4 Prozent – es ist eine aufwändige ICE-Trasse. Die Baukosten für das ganze Projekt beliefen sich nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums auf rund 6 Milliarden Euro, von denen der Bund rund 3,8 Milliarden in Form von Baukostenzuschüssen und zinslosen Darlehen übernahm. Die Instandhaltungskosten für Schienen, Brücken und Tunnel dürften ebenfalls hoch sein; wie hoch genau, ist von der Bahn nicht zu erfahren. Auch für die Reisenden sind die Ticketpreise nicht gerade klein. 67 Euro kostet die einfache Fahrt von Frankfurt nach Köln, Dauerpendler zwischen den beiden Städten müssen für eine Bahncard 100 rund 4000 Euro im Jahr aufwenden. So teuer die Fahrt ist - viele nehmen den Preis für das Tempo in Kauf.

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© F.A.Z. - Andreas Brand Vergrößern Videoumfrage unter Pendlern: „Manchmal ist der ICE wie eine S-Bahn“

Für die Bahn hat sich die Strecke dagegen vermutlich weniger gelohnt. Das Staatsunternehmen Deutsche Bahn selbst veröffentlicht zwar keine Wirtschaftlichkeitsrechnungen zu Einzelstrecken - und aus dem Bundesverkehrsministerium heißt es auf Anfrage lediglich, dass geplant sei, eine „Nachkalkulation für ausgewählte, fertig gestellte Bedarfsplanprojekte durchführen zu lassen“, so auch für die ICE-Strecke Köln-Frankfurt. Mit Ergebnissen allerdings sei erst im Jahr 2013 zu rechnen.

Schon vor der Jungfernfahrt des schnellen ICE gab es schlechte Zahlen: Der Rechtsanwalt Lothar Neuhoff, Mitglied des Arbeitskreises Verkehr und Infrastruktur der FDP-Fraktion, hatte vor Inbetriebnahme der Strecke eine betriebswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Rechnung angestellt - im Auftrag des damaligen Aufsichtsratschefs der Bahn. Sein Ergebnis: Die Bahn werde auf der Neubaustrecke Köln-Rhein-Main ein Verlustgeschäft betreiben. Dafür hatte er Zahlen aus dem Bahnkonzern. Heute bekommt er keine mehr. Sicher ist nur, dass kaputte Gleise und Züge die Kosten verteuert haben. „Die DB vermeidet alles, was zu Transparenz führt“, sagt Neuhoff. „Dabei wäre die Frage hochinteressant, ob es Sinn macht, diese absoluten Rennstrecken zu bauen.“

„Betriebswirtschaftlich ganz eindeutig ein Verlustgeschäft“

Die Antwort lässt sich trotzdem kalkulieren - zumindest grob. Das kann Christian Böttger. Böttger ist Professor am Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin und war mehrfach Gutachter im Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestages. Er hat für FAZ.NET in einer Überschlagsrechnung Kosten und Nutzen der Köln-Frankfurt-Strecke gegenübergestellt. Dafür nutzt er bekannte Zahlen der Deutschen Bahn, die er auf die Strecke Köln-Frankfurt herunterrechnet. Er berücksichtigt dabei, dass die Fahrpreise auf der Strecke höher sind, als im sonstigen Fernverkehr. Und er rechnet mit 32.000 Fahrgästen am Tag, einer Zahl, die die Bahn im Jahr 2007 veröffentlicht hat und die seitdem nach Bahn-Angaben nicht wesentlich gestiegen ist.

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