Home
http://www.faz.net/-gpc-76zgw
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Windreich-Anleihen Ein Windmüller ängstigt seine Geldgeber

Windreich-Chef Willi Balz will das Geschäft mit Meereswindparks dominieren. Doch die Firma steckt in Nöten: Noch kein Strom und Liquiditätsbedarf.

© Müller, Verena Vergrößern „Energiewende in Person“: Windreich-Chef Willi Balz

Dieser Mann kennt keine Flauten, Stillstand ist ihm fremd. Willi Balz rauscht mit schnellen Schritten rein ins Zimmer, dann sofort wieder raus - ein dringender Anruf. Er setzt sich kurz an den Besprechungstisch, springt gleich wieder auf - die Sekretärin soll sich doch bitte noch schnell um die neuen Werbeflyer kümmern. Er nippt am Cappuccino, dann ist er ein weiteres Mal auf dem Sprung - ein paar Unterlagen aus dem Nebenraum holen.

Dennis Kremer Folgen:  

Balz ist Gründer, Eigentümer und Vorstandsvorsitzender des Windparkentwicklers Windreich, und keiner seiner rund 130 Mitarbeiter lebt das Geschäftsmodell der Firma wohl so konsequent vor wie der Chef persönlich: Balz macht immer und überall Wind. Und man darf sagen: Er weiß genau, wie das geht. Denn mit Blick auf die Zahl der Beschäftigten ist Windreich nun wirklich keine große Firma, gemessen am eigenen Anspruch aber schon: Balz hat sich nichts weniger vorgenommen, als in Deutschland ein wichtiges Zukunftsfeld moderner Energiegewinnung zu dominieren - die Offshore-Windenergie.

Anleihenkurse unter Wasser

So unrealistisch das zunächst klingen mag, einen Anfang hat der 52-Jährige gemacht. Einst mit der Planung und dem Bau von Einkaufszentren zu viel Geld gekommen, stieg Balz schon 1999 ins Windgeschäft ein und beschloss bald: Er wollte die Parks dort errichten, wo in Deutschland der Wind am stärksten bläst - mitten in der Nordsee. Also Offshore, wie die Experten das nennen. Früher als andere besorgte er sich die nötigen Genehmigungen, hat mittlerweile zahlreiche Projekte in der Planung und eines im Bau - alles Goldgruben, wie er versichert. „In wenigen Jahren können wir damit etwa 20 Millionen Menschen mit Strom versorgen.“

Vorsicht, riskante Anleihen! Windreich-Anleihen © F.A.Z. Bilderstrecke 

Das Problem ist nur: So viel Optimismus Balz auch verbreitet, so viel Wirbel er auch veranstaltet - tatsächlich herrscht bei ihm derzeit die große Flaute, und das ist nicht nur für einen Machertypen wie ihn die Höchststrafe. Sondern auch für zahlreiche Anleger: Um die Windprojekte zu finanzieren, hat Windreich nämlich 2010 und 2011 unter anderem zwei Anleihen ausgegeben - Zinssatz: 6,5 Prozent, Gesamtvolumen: 125 Millionen Euro. Vor allem Privatanleger griffen damals zu und machen sich jetzt große Sorgen: Denn beide Papiere sind im Kurs dramatisch abgestürzt, sie notieren derzeit gerade einmal bei rund der Hälfte ihres Wertes.

Persönliche Beleidigung

Was ist da los? Produziert Balz am Ende gar nur heiße Luft? Für den Windkraftunternehmer ist die Sache jedenfalls klar: „Die Kapitalmärkte verstehen unser Unternehmen nicht.“ Zudem, so holt er aus, gönnten ihm viele Konkurrenten den Erfolg nicht: ein Mittelständler aus Schwaben, der den Offshore-Markt erobere? Das gehe vor allem den großen Energiekonzernen gegen den Strich, im Verbund mit den Medien redeten sie seine Firma bewusst schlecht.

Harte Vorwürfe, aber einmal in Fahrt legt Balz nach und springt wieder von seinem Stuhl auf: „Ich schaffe hier in Deutschland Werte in Milliardenhöhe und werde dann so angegangen.“ Auch wenn er das selbst so nie zugeben würde, spürt man: Das Absinken des Anleihekurses empfindet der Windreich-Chef als persönliche Beleidigung.

Liquiditätsschwäche

Tatsächlich ist die Wahrheit komplizierter: Denn auch wenn sich Balz ungerecht beurteilt fühlt - grundsätzlich gestehen ihm viele Branchenbeobachter gutes unternehmerisches Gespür zu. Früh habe der Schwabe die Bedeutung der Offshore-Energie erkannt und sich mit fähigen Ingenieuren umgeben. Warum dann der Kursabsturz bei den Anleihen?

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mittelstandsanleihen-Ticker Karlsberg bietet gemischtes Verschuldungsbild

Nach Abschluss des Umtauschs der Alt-Anleihe erhalten die Anleger des Solarzulieferers 3W Power, die keine neuen Wertpapiere wollten, knapp 50 Prozent ihrer Anlage zurück. Mehr

27.08.2014, 13:11 Uhr | Finanzen
Hilfe für die Autobauer Moskauer Protektion

Staatschef Putin setzt abermals auf die Abwrackprämie. Geld bekommt, wer ein Auto kauft, das in Russland gebaut worden ist - zum Nachteil deutscher Premium-Hersteller. Mehr

30.08.2014, 13:33 Uhr | Wirtschaft
Deutsche EM-Bilanz Freischwimmer und Mutmacher

Athleten wie Philip Heintz, Christian Diener oder Paul Biedermann zeigen: Es ist nicht alles schlecht in deutschen Becken. Das belegen auch die Zahlen bei der Schwimm-EM in Berlin. Mehr

24.08.2014, 18:53 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 18.02.2013, 08:38 Uhr

Eine beunruhigende Wahl

Von Jasper von Altenbockum

Die Sachsen-Wahl ist ein Grund zur Sorge: Rechts von der CDU gibt es mittlerweile Platz für zwei Parteien – von denen eine nur hauchdünn scheiterte. Die FDP ist das Opfer dieser Entwicklung. Das alles, während es Deutschland so gut geht wie nie. Eine Analyse. Mehr 294 87

Business-Jet von Pilatus Ein Jeep mit Flügeln

Um im umkämpften Markt der leichten Business-Jets einen Erfolg landen zu können, bedarf es viel Geld, Mut und Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit. Der Jet von Pilatus landet sogar auf Gras. Mehr Von Jürgen Schelling 6 12

Deutsche Großtädte Wo es sich gut arbeiten lässt

Wo lässt es sich nicht nur gut leben, sondern auch Karriere machen? Eine Jobbörse hat das untersucht. Das Ergebnis: Ostdeutsche Städte holen auf, mancher Klassiker büßt an Beliebtheit ein. Mehr