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Wienerisches im Ersten Die Damen Hörbiger geben sich die Ehre

Eine so charmante wie bösartige, deshalb echt alt-wienerische Angelegenheit: Heute Abend läuft „Meine Schwester“ im Ersten. Der Film ist eine Hommage an die Schwestern Hörbiger und eine unterhaltsame Krimikomödie.

© ARD Degeto Verdacht: Katharina (Christiane Hörbiger) hält ihre Schwester Hannah (Maresa Hörbiger) für eine Mörderin

Schwarzer Humor, so lautet ein Gemeinplatz, liegt spätestens seit dem Fin de Siècle im Wiener Blut. Einen Mörder so zu beschreiben wie Musil seinen Moosbrugger im „Mann ohne Eigenschaften“, die Wiener Seele so zu sezieren wie Karl Kraus, das Taubenvergiften im Park so besinnlich und bösartig zu besingen wie Georg Kreisler, das vermag nur ein Wiener. Wobei es unerheblich ist, ob der Wiener tatsächlich aus Wien stammt oder ein Zugezogener ist. Die klassisch-wienerische Gemüts-Einfärbung ist eine Frage der Haltung, nicht der Herkunft. Wobei man auch darüber geteilter Meinung sein kann.

In diese schwarzhumorige Tradition stellt sich auch die von ORF und Degeto koproduzierte Familienkriminalkomödie „Meine Schwester“. Wobei sich der Film nicht nur nostalgisch wie ein Daunenkissen mit schwarzem, bei näherem Hinsehen blutbeflecktem Spitzenbesatz in die wienerische Humorklassik einreiht, sondern auch tatsächlich eine echte Familienangelegenheit ist. Christiane Hörbiger und ihre jüngere Schwester Maresa, die eine mehr vom Film, die andere vor allem im Theater bekannt, spielen die Hauptrollen (es gibt auch noch eine dritte schauspielernde Schwester, Elisabeth). In der Nebenrolle des Kommissarassistenten sieht man Maresa Hörbigers Sohn Cornelius Obonya. Das Drehbuch stammt von Christiane Hörbigers Sohn Sascha Bigler (zusammen mit Axel Götz), und Bigler führt auch Regie.

Ein Bild weiblicher Züchtigkeit

Eine Hommage an die Schwestern Hörbiger, die selbst einer großen Darstellertradition entstammen, ist „Meine Schwester“, versehen und durchzogen mit Reminiszenzen an den anno dazumal höchst ernsthaft betriebenen Verehrungskult um Filmstars, deren Filme im Kino zelebrierte Ereignisse waren und deren komödiantische Hinterlassenschaften heutzutage zum Großteil belächelt werden. Unzeitgemäß, weil zu harmlos, lautet beispielsweise das Urteil im Fall eines Hans Moser, der in „Meine Schwester“ in mehreren Filmausschnitten zu sehen ist. Dass die Harmlosen in Wirklichkeit oft nur die Unterschätzten sind, darüber hinaus gar diejenigen, die mit Absicht die Unterschätzten nur spielen: Nicht zuletzt davon handelt dieser sich bewusst altmodisch gebende Hörbiger-Familienfilm gleich auf mehreren Ebenen.

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Katharina Wallner (Christiane Hörbiger) ist so eine genügsame, leicht zu unterschätzende Existenz. In solide geschneiderter Kleidung, an der vor allem ihre graumäusige Unauffälligkeit auffällt, die Füße in den Bequemschuhen parallel gestellt, dabei äußerst aufrecht, sitzt sie wie ein Bild weiblicher Züchtigkeit vergangener Tage eingangs einsam auf einer Bank im Park. Den Vögeln schüttelt sie Krümel hin, bevor sie ihren verstaubten, aber liebevoll gepflegten Laden für Schauspielerdevotionalien und Memorabilien aller Art öffnet. Öffnen will, denn seit geraumer Zeit versucht der neue Hausbesitzer Ortner (August Schmölzer), ein rücksichtsloser Kapitalist übelster Sorte, die alte Dame hinauszuekeln, obwohl sie Wohnrecht auf Lebenszeit besitzt. Verklebte Schlösser und anderer Terror scheinen vom Portier Schlenzer (Simon Schwarz) auszugehen, dem zweiten Unsympath in diesem Film. Gerade als die Situation sich weiter zuzuspitzen scheint, taucht mit der kapriziös-glamourösen Hannah Laval (Maresa Hörbiger) Katharinas seit vierzig Jahren verschollene Schwester auf. In satirisch bis zynisch gefärbten Bonmots versucht sie, dem armen Hascherl Feuer unter dem Hintern zu machen.

Ein Backfisch blüht auf

Als der Hausbesitzer des Nachts im Stiegenhaus gewaltsam zu Tode stürzt, keimt in Katharina ein Verdacht. Ist Hannah zur Rächerin geworden? Verhaftet aber wird erst einmal die Nachbarin Bogdanovic (Edita Malovcic). Die Polizei glaubt, sie habe sich an dem Mann gerächt, der sie misshandelt und sich der Tochter Lena (Stella Butz) unsittlich genähert hat. Katharina versucht, Hannah zum Geständnis zu überreden. Dann verliebt sie sich in den Kommissar Graumann (August Zirner). Und blüht auf, wie nur ein ehemaliger Backfisch aufzublühen vermag.

“Meine Schwester“ lebt als Schauspielerinnenfilm vor allem von der Darstellungskunst der Schwestern Hörbiger, aber auch davon, dass die Komödie nirgends mehr zu sein vorgibt, als sie scheinen möchte. Eine so charmante wie bösartige, echt altwienerische Angelegenheit eben. Und gute Unterhaltung.

Meine Schwester, heute um 20.15 Uhr im Ersten.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 20.02.2013, 17:10 Uhr

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Von Thomas Gutschker

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