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Wiener Ergebnisse Gute Stimmung allein reicht nicht immer

Zwar fiel ein Gemälde des Canaletto durch, doch Werke des 19. Jahrhunderts bewiesen Stärke. Ein Blick auf die uneinheitlichen Resultate der Auktionswoche im Dorotheum in Wien.

Die dritte und letzte Auktionswoche des Dorotheums in diesem Jahr konnte die größten Hoffnungen nicht erfüllen. Die Erwartungen eines Schweizer Einlieferers, der sich von seinem Canaletto mit „Blick auf New Horse Guards vom Saint James’s Park“ nicht unter zwei Millionen Euro trennen wollte, erwiesen sich als unerfüllbar: Die auf Holz gemalte London-Vedute fand trotz ihrer schönen Stimmung keinen Abnehmer.

Dafür setzte das Wiener Haus in seiner Sparte des 19. Jahrhunderts eine neue Bestmarke: Nicht zuletzt durch die beziehungsreiche Figurenstaffage überzeugte der 1890 verewigte „Blick auf Ragusa“ des österreichischen Stimmungsimpressionisten Emil Jakob Schindler, dem derzeit auch eine Retrospektive im Wiener Belvedere gewidmet ist. Mit 250.000 bis 350.000 Euro hoch bewertet, fiel der Hammer für das Werk schon bei 240.000 Euro - dennoch ein Rekordpreis für den Künstler.

 © Dorotheum Vergrößern Melchior de Hondecoeter, „Das Vogelkonzert“ von 1670, Öl auf Leinwand, 84 mal 99 cm, für 600.000 Euro (Taxe 450.000/500.000 Euro)

Trotz einer mageren Verkaufsquote von nur 37 Prozent summierten sich die Zuschläge in der herbstlichen Auktion bei den Altmeistern zum drittbesten Ergebnis dieser Sparte jemals. Das Rennen machte mit Melchior de Hondecoeters „Vogelkonzert“ ein im Haus schon früher auktioniertes Werk: Vor fünf Jahren erzielte das Gemälde noch unerwartete 560.000 Euro, jetzt geht es mit dem wenig höheren Zuschlag von 600.000 Euro in die Vereinigten Staaten. Die Überraschung des Abends bot das „Bildnis des Kardinals Ippolito d’Este“ von Bartolomeo Veneto. Das um 1510 auf Holz geschaffene Porträt strafte seine bescheidene Taxe von 15.000 bis 20.000 Euro Lügen, als es ein Telefonbieter auf 300.000 Euro hinaufkämpfte. Ein Bietergefecht entbrannte auch um ein unpubliziertes Selbstbildnis Simon Vouets, dessen leidenschaftlicher Ausdruck mit 190.000 Euro (Taxe 100.000/150.000) honoriert wurde.

Werke des Guercino finden im Dorotheum dank seiner zahlreichen Italien-Filialen fast immer Anklang: So auch die kürzlich wiederentdeckte „Caritas“, die für 260.000 Euro (200.000/300.000) den Besitzer wechselte. Von Jusepe de Ribera kam „Der heilige Johannes“ zum Aufruf, der mit 260.000 Euro seine Taxe von 100.000 bis 150.000 weit hinter sich ließ. Auf 71 mal 255 Zentimetern hielt Antonio Joli den „Königlichen Festzug nach Piedigrotta“ mit unzähligen Teilnehmern und Vesuv im Hintergrund fest; das königliche Spektakel ging zur mittleren Taxe von 260.000 Euro weg. Ein weiteres Neapel-Panorama im Längsformat von Gabriele Ricciardelli spielte die untere Taxe von 130.000 Euro ein.

Bei den Niederländern war besonders die prächtige „Allegorie der fünf Sinne“ von Jan Bruegheld.J. und Hendrick van Balen gefragt, die schließlich 240.000 Euro (180.000/200.000) kostete. Von seinem Vater Jan Brueghel d. Ä. wurde eine Gebirgslandschaft mit der Versuchung Christi zur unteren Taxe von 120.000 Euro zugeschlagen. Das Christusbild „Sinite Parvulos“ des flämischen Caravaggisten Theodor van Loon erreichte 170.000 Euro (150.000/200.000). Von einem Brügger Meister aus dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts stammte die Holztafel „Lot und seine Töchter“, die ihre untere Taxe mit 100.000 Euro verfünffachte.

Mehr Kauflust zeigten die Bieter beim 19. Jahrhundert, wo die Absatzquote um die 56Prozent lag. Neben dem erwähnten Spitzenpreis für Schindler lagen aber nur zwei weitere Lose im sechsstelligen Bereich. Eines davon ist das Titelbild „Ein heißer Sommerstag“ des Russen Vasili Andreyevich Golynski, das trotz Beschädigungen mit 120000 Euro seine mittlere Schätzung einlösen konnte. Mit sehr guten 100000 Euro (40.000/60.000) für sein relativ großes Ölbild „Caritas (Köchin Katharina)“ zählt auch Friedrich von Amerling zu den Spitzenreitern. Während Carl Spitzwegs „Dirndl auf der Alm“ und Giovanni Boldinis Damenporträt keine Käufer fanden, erlöste Frederico del Campos minutiöse Ansicht des Innenhofs von Venedigs Palazzo Ducale seinen unteren Schätzwert von 80.000 Euro.

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In den Prachtbau hinein führte Giuseppe Bernadino Bison mit seinem „Empfang der osmanischen Gesandtschaft beim Dogen“, der 34000 Euro (15.000/20.000) beitrug. Venezianische Schönheit in weiblicher Form hatte die „Wasserträgerin“ von Eugen von Blaas aus dem Jahr 1887 zu bieten, die mit 60.000 Euro ihre obere Taxe bestätigte. Zu den wenigen Ausreißern zählte das Genrebild „Almosen eines Bettlers“ vom Pariser Maler Jean Eugène Buland, dessen Zuschlag bei 50000 Euro das Fünffache der Taxe brachte. Auch das Bauernbild „Heitere Geschichten“ von Eugenio Zampighi erzielte unerhoffte 70000 Euro (35.000/45.000). Von den fünf Gauermanns konnten drei veräußert werden, darunter „Rotwild an der Tränke“ für 40000 Euro (40.000/50.000).

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 03.01.2012, 06:23 Uhr

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