08.06.2010 · Eine Stiftung ist nicht zwangsläufig das Werk eines Einzelunternehmers. Auch Kapitalgesellschaften können sich auf diese Weise engagieren - und zugleich andere Unterstützer mit ins Boot holen. Von JOHANNES FRIEDEMANN
Stiftungen sind hervorragende
CSR-Plattformen. 914 Stiftungen wurden laut Bundesverband der deutschen Stiftungen 2009 in Deutschland gegründet. Darun-ter auch viele Unternehmensstiftungen. Derzeit existieren hierzulande etwa 1 500 unternehmensnahe Stiftungen. Erstaunlich wenige, bedenkt man, dass zahllose Unternehmen sich derzeit nach nachhaltigen Gesichtspunkten neu aufstellen und in diesem Zuge auch bemüht sind, ihr gesellschaftliches Engagement strategisch und langfristig auszurichten. Die Organisationsform Stiftung repräsentiert die wesentlichen Erfolgsfaktoren von CSR und bietet Stiftern erhebliche Vorteile, auch über den steuerlichen Aspekt hinaus. Dennoch verhalten sich Unternehmen zurückhaltend, wenn es darum geht, ihre CSR-Aktivitäten als Stiftung zu organisieren.
Unternehmen sind gefragt, sich an den richtigen Stellen einzubringen. Zum Nutzen aller und im wohlverstandenen Eigeninteresse. Dabei sollte das Engagement langfristig, strategisch, effektiv und substantiell sein. Eine Stiftung ist nicht auf kurz- oder mittelfristige Perspektive ausgerichtet. Sie macht vor allem dann Sinn, wenn ein Unternehmen für sein gesellschaftliches Engagement ein Problemfeld mit langfristigem Handlungsbedarf identifiziert, das eine enge Überlappung mit Unternehmenszweck und -strategie aufweist und das noch nicht besetzt ist. Eine Stiftung bietet zudem eine ideale Plattform, Experten, Non-Profit-Organisationen, Projektträger sowie private und institutionelle Geldgeber zusammenzubringen. Die Vernetzung gleichgerichteter Interessen und die Bündelung ihrer Ressourcen sind oberste Gebote der CSR. Alleingänge von Einzelakteuren bleiben zu oft ohne Wirkung.
Viele große Stiftungen - man denke an die Robert-Bosch-Stiftung, die Bertelsmann-Stiftung oder die Hertie-Stiftung - wurden von Unternehmern ins Leben gerufen. Nun sind Unternehmen heute vielfach Kapitalgesellschaften. Ihre Führung besteht nicht aus den Unternehmenseignern, sondern aus angestellten Managern. Diese haben andere Planungsschwerpunkte und -horizonte und agieren anders als Unternehmenseigner. Der Vorschlag, eine Stiftung zu gründen oder einer Stiftung zuzustiften, trifft in Managerkreisen fast zwangsweise auf ein geteiltes Echo. Einerseits zahlt eine Stiftung in erheblichem Maße auf die Unternehmensreputation ein, andererseits wird "Stiftung" mit enormem finanziellem und organisatorischem Aufwand assoziiert.
Aber es gibt eben auch Fälle, in denen Manager im Auftrag eines Unternehmens Stiftungen gründen, in der guten Überzeugung, dass eine starke Zivilgesellschaft das langfristige, fokussierte und zweckgebundene Engagement von Unternehmen braucht. Ein Beispiel ist etwa die Stiftung Rechnen, die im Oktober 2009 gegründet wurde, zum Zweck, die mathematische Bildung in Deutschland zu fördern. Die Stifter: zwei Unternehmen, die sich langfristig engagieren wollen und wissen, dass sie das nur wirkungsvoll tun können, wenn sie andere für ihr Thema gewinnen. Das Modell: eine Förderstiftung mit einem vergleichsweise geringen Stiftungskapital. Es sind also nicht die Zinserträge des Stiftungskapitals, aus denen die Stiftung Rechnen ihre Wirkungskraft generiert. Das Besondere: ein vollkommen unabhängiger Markenauftritt. Die Marken der Stifter treten nicht in Erscheinung. Das Ziel: Beiträge von weiteren Partnern ermöglichen.
Wer eine Stiftung gründen will, muss keine Millionen in das Kapital einbringen. Zunehmend entstehen Stiftungen mit kleineren Vermögen, die ihre Arbeit aus regelmäßigen Zuwendungen finanzieren. Solche Modelle erlauben es Unternehmen, ihr Engagement langfristig und zielgerichtet, aber flexibel zu organisieren und Spenden Dritter zu generieren. Der finanzielle und personelle Aufwand für Stiftungsgründung und -verwaltung lässt sich minimieren. Es gibt Organisationen, die kostengünstig bei der Gründung, dem Aufbau und der Stiftungsverwaltung beraten und unterstützen.
Natürlich erfordern auch kleinere Stiftungen ein besonderes inhaltliches und finanzielles Commitment und daher reifliche Überlegung, Planung und Mut. Im Gegenzug ermöglichen sie die langfristige Fokussierung von CSR sowie Projekte und Kommunikationsanlässe, die dem gemeinnützigen Zweck zugutekommen und auf die Stifter abstrahlen - zum Nutzen von Reputation und Shareholder Value.
Johannes Friedemann, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Stiftung Rechnen und Leiter Unternehmenskommunikation der comdirect bank AG, Quickborn