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„Welt-Sepsis-Tag“ : Öfter mal die Hände waschen

Kann Leben retten: Hände waschen im im Krankenhaus Bild: dpa

Früher standen die Menschen dem Tod Tausender Mütter ratlos gegenüber. Dann führte der „Retter der Mütter“ bei Ärzten die Hand-Desinfektion mit Chlorkalk ein. Die Sepsis ist aber nach wie vor gefährlich für Mütter und Neugeborene.

          Die Atmosphäre sei Schuld am Tod Tausender Mütter, die seit jeher im Kindbettfieber starben. Das vermuteten zumindest die Ärzte noch im 19. Jahrhundert. Sie standen diesen Todesfällen rat- und machtlos gegenüber. Bis der ungarische Arzt Ignaz Philipp Semmelweis Ende der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts im Wiener Allgemeinen Krankenhaus einen Zusammenhang herstellte zwischen Ärzten und Studenten, die Leichen sezierten und anschließend in der Geburtsklinik dabei halfen, Kinder auf die Welt zu bringen.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Von Bakterien war zwar noch nicht die Rede, wohl aber von kleinen Leichenteilen, die über die Hände der Ärzte übertragen werden können, mit todbringenden Folgen. Semmelweis führte die Hand-Desinfektion mit Chlorkalk ein. Seitdem starben auf den Stationen deutlich weniger Frauen am Kindbettfieber als zuvor. Der große Ruhm als „Retter der Mütter“, als der er heute gilt, blieb ihm zu Lebzeiten versagt. Doch bis heute werden Wissenschaftler nicht müde, auf die herausgehobene Bedeutung der Handhygiene in Krankenhäusern hinzuweisen, um einem der gefährlichsten Notfälle in der Medizin, der Sepsis, vorzubeugen. Denn auch durch kleinste Wunden können Bakterien eindringen, die im Körper zu einer lebensbedrohlichen Infektion führen können. Zwar sind geschwächte Menschen besonders gefährdet, doch jeder, unabhängig von Konstitution und Alter, kann an einer Sepsis erkranken.

          Wenn an diesem Mittwoch abermals der „Welt-Sepsis-Tag“ von der „Global Sepsis Alliance“ (GSA) ausgerufen wird, geht es auch um die Müttersterblichkeit. Denn nach Angaben der deutschen „Sepsis-Stiftung“, einem Mitglied in der GSA, ist die Sepsis nach wie vor einer der Hauptgründe der Müttersterblichkeit und eine Gefahr auch für Neugeborene.

          Unnötige Eingriffe während der Geburt vermeiden

          Denn aufgrund bestimmter physiologischer und immunologischer Veränderungen ist das Risiko für Schwangere, an einer Infektion zu erkranken, erhöht. Ebenso gilt der Kaiserschnitt vor allem in Ländern mit niedrigerem und mittleren Einkommen als Risikofaktor für die mütterliche Sepsis. Todesfälle können nach Angaben der Sepsis-Stiftung auch dadurch verringert werden, dass unnötige Eingriffe während der Geburt vermieden und Infektionsprävention sowie die Kontrolle in Geburtseinrichtungen verbessert werden.

          Stellte einen Zusammenhang her zwischen Ärzten und Studenten, die Leichen sezierten und anschließend in der Geburtsklinik dabei halfen, Kinder auf die Welt zu bringen: Ignaz Philipp Semmelweis
          Stellte einen Zusammenhang her zwischen Ärzten und Studenten, die Leichen sezierten und anschließend in der Geburtsklinik dabei halfen, Kinder auf die Welt zu bringen: Ignaz Philipp Semmelweis : Bild: Picture-Alliance

          Leide die Mutter an einer Infektion während der Schwangerschaft und während der Geburt, müsse man mit der vertikalen Übertragung von Infektionen auf die Neugeborenen während der Geburt und dem frühen Beginn einer neonatalen Sepsis rechnen, so die Stiftung. Von den sechs Millionen Menschen, die jedes Jahr auf der Welt an einer Sepsis sterben, seien eine Million Säuglinge, teilt der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, in einer Erklärung zum „Welt-Sepsis-Tag“ mit. Die meisten Todesfälle könnten dabei vermieden werden.

          Mit jeder Verzögerung steigt die Wahrscheinlichkeit zu sterben

          Die tatsächliche Zahl der Fälle liegt dabei nach Angaben der Sepsis-Stiftung noch höher als bisher angenommen. Allein in den Vereinigten Staaten werden demnach jährlich 1,67 Millionen Fälle gezählt, 260.000 Menschen würden die Sepsis jedes Jahr nicht überleben. In Deutschland hat eine Auswertung des „Centers for Sepsis Control and Care“ am Universitätsklinikum Jena und des Statistischen Bundesamtes ergeben, dass im Jahr 2014 von den Krankenhäusern 300000 Sepsisfälle gemeldet wurden. Von diesen Erkrankten starben 69.000 Menschen. Doch auch hier liege die jährliche Anzahl höher: „Denn eine Überprüfung hat ergeben, dass rund 50 Prozent der Sepsisfälle von den Krankenhäusern nicht als solche registriert werden“, sagt Konrad Reinhart, Vorsitzender der Sepsis-Stiftung.

          Wenn man entsprechende Vorkehrungen beachte, könnten demnach in Deutschland jedes Jahr 15.000 bis 20.000 Todesfälle aufgrund einer Sepsis vermieden werden. Dazu gehört nach den Angaben zum einen, dass Risikogruppen, also Kleinkinder, Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Menschen, die älter als 60 Jahre sind, sich gegen Grippe und Pneumokokken impfen lassen. Denn Pneumokokken-Bakterien und Influenzaviren sind laut Sepsis-Stiftung die häufigsten Erreger einer Lungenentzündung. Treten beide Erreger gemeinsam auf, sei die Sterblichkeit, meist durch eine Sepsis, am größten. Denn diese könne durch jede Art der Infektion ausgelöst werden. „Wir wollen klar dazu animieren, alle Möglichkeiten der Vorbeugung zu nutzen.“

          Zudem sollten in den Krankenhäusern die Hände und das medizinische Gerät nach den Vorschriften desinfiziert werden, um „behandlungsassoziierte“ Infektionen zu vermeiden. Auch muss nach wie vor das seit Jahren vorhandene Wissen darüber, wie eine Sepsis zu erkennen und zu behandeln ist, dem medizinischen Fachpersonal und den Patienten noch stärker vermittelt werden. Gefragt seien vor allem auch die Notaufnahmen und Stationen. Denn immer noch würden die Anzeichen einer Sepsis – wie zum Beispiel Fieber, Verwirrtheit, schweres Krankheitsgefühl – nicht als Hinweis auf eine Sepsis gedeutet. Mit jeder Verzögerung von Diagnose und Therapie steigt nach den Angaben der Stiftung jedoch die Wahrscheinlichkeit zu sterben.

          Quelle: F.A.Z.

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