16.12.2009 · Der Ausbau der Wasserversorgung hat auf der Welt Priorität. Davon sollten Fonds profitieren, die in Wasserbau-Unternehmen investieren.
mho. FRANKFURT, 16. Dezember. Weniger als 4 Prozent verdienten Anleger in den vergangenen fünf Jahren jährlich mit Aktienfonds, die die Investmentidee Wasser verfolgen. Dazu gehören Fonds, die in Unternehmen investieren, die zum Beispiel Meerwasserentsalzungsanlagen oder Wasseruhren bauen.
Im Vergleich zu den jährlichen Renditen von bis zu 25 Prozent für Anlagen zum Beispiel in Schwellenländerfonds erscheint das Wasserinvestment nur wenig lukrativ. Jean Ryan, Spezialistin für ökologische Geldanlagen der Fondsgesellschaft KBC, will jedoch nicht gelten lassen, dass Wasserinvestments nicht erfolgreich gewesen sind: "Wir haben die Wertentwicklung des MSCI World Index stets deutlich übertroffen, in den vergangenen fünf Jahren um durchschnittlich 5 Prozent" (siehe Grafik). Der KBC Eco Fund Water ist einer von drei Wasserfonds, in die Anleger investieren können. Ryan verweist auch auf die geringen Preisschwankungen. Beides zusammen biete ein exzellentes Verhältnis von Risiko und Ertrag, was besonders bei institutionellen Investoren gut ankomme.
Die Preise der Schwellenländerfonds schwankten in den vergangenen drei Jahren teilweise doppelt so stark wie die der Wasserfonds. Bei Fonds aus dem Bereich alternativer Energien (etwa Fonds, die in Solartechnik oder Windkraft investieren) waren die Schwankungen um etwa 40 Prozent stärker als bei Wasserfonds.
"Wasser ist keine Anlageform mit hohem Risiko und hohem Ertrag", sagt Ryan. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Ressource Wasser nicht wie andere Rohstoffe an Börsen gehandelt wird. Vielmehr ist die Wasserversorgung eine beständige öffentliche Aufgabe, und darin liegen auch die Chancen, meint Ryan.
Nicht nur die Weltbevölkerung, sondern auch der Pro-Kopf-Verbrauch an Wasser ist in den vergangenen Jahrzehnten beständig gestiegen. Investitionen in die Wasserinfrastruktur wurden dagegen tendenziell vernachlässigt. Die Abwassersysteme europäischer Großstädte datieren häufig noch aus dem 19. Jahrhundert. "Allein der Schwund durch Lecks kostet die Vereinigten Staaten jedes Jahr 800 Millionen Dollar", sagt Ryan. Investitionen ließen sich vielfach nicht mehr länger aufschieben.
Nach Schätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) werden die Ausgaben für die Wasserinfrastruktur im kommenden Jahrzehnt um 34 Prozent auf mehr als 700 Milliarden Dollar steigen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch die Verschärfung der Qualitätsstandards. Besonders China, wo mehr als zwei Drittel der Flüsse und Seen verschmutzt seien, versuche derzeit, viel wettzumachen und habe im vergangenen Jahr 51 neue Richtlinien für die Wasserqualität erlassen.
Wie hoch der Stellenwert des Wasserthemas sei, zeige nicht zuletzt, dass immerhin 80 Milliarden Dollar aus den aktuellen Konjunkturprogrammen, vor allem Chinas und der Vereinigten Staaten, für Investitionen in die Wasserversorgung vorgesehen seien, sagt Ryan. Diese sollten auch die Entwicklung der Branche im kommenden Jahr maßgeblich bestimmen, da sich die Ausgaben erst seit einigen Monaten in Aufträgen niederschlügen. Tatsächlich habe die Ankündigung des Ausgabenprogramms in den Vereinigten Staaten im Frühjahr für einen Investitionsstau gesorgt, weil kommunale Projekte in Erwartung der Sondermittel flächendeckend zurückgestellt wurden. Hinzu kam, dass der Markt für Kommunalobligationen - mit denen in den Vereinigten Staaten Wasserprojekte üblicherweise finanziert werden - wegen der Finanzkrise eingebrochen war.
Ryan geht davon aus, dass sich die Wirtschaft bis Mitte 2010 so weit erholt hat, dass die Infrastrukturmaßnahmen auch nach Auslaufen der Programme weiter fortgesetzt werden, allzumal sich der Markt für Kommunalobligationen wieder belebt habe und die so aufgenommenen Mittel erfahrungsgemäß mit einer Verzögerung von 12 bis 18 Monaten in Infrastrukturprojekte fließen. Zudem werde der Druck weiter steigen, die Qualität der Wasserversorgung zu verbessern. Für Schwellenländer seien Mängel in der Wasserversorgung gar ein Wachstumshemmnis, argumentiert Ryan.
Profitieren sollte ihrer Einschätzung nach eine Vielzahl vor allem asiatischer und amerikanischer Unternehmen aus dem Wasserbau wie das Ingenieurunternehmen Arcadis, das Wasserwerke baut, oder Calgon Carbon, ein Spezialist für die Reinigung von Trinkwasser.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.524,40 | +0,56% |
| EUR/USD | 1,2484 | −0,46% |
| Rohöl Brent Crude | 106,74 $ | −0,48% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |