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Wagnis im Schnee (5) Die Hand in die Hüfte wie beim Trachtentanz

In nur drei Tagen, so versprechen es die Kärntner Skischulen, bringen sie einen Anfänger einigermaßen elegant einfache Pisten hinunter. Und wie weit kommt ein Wiedereinsteiger? Bis schwarz? Protokoll eines Selbstversuchs im Nassfeld.

© Foto Freddy Langer Vergrößern So ist es falsch: Stilkritik des Skilehrers an der Kurventechnik des Skischülers bei garantiert alkoholfreiem Bier in der Schirmbar „Berghex“.

TAG 1

Oben auf dem Kofelplatz bläst jetzt der Wind mit neunzig Kilometern in der Stunde. Sagte Frankie. Er könnte ihm also noch davonfahren. Denn in dem Tempo ungefähr, und wenn es sein muss, auch ein bisschen schneller, ist er unterwegs, wenn er keine Skischüler im Schlepptau hat. Aber das wusste ich da noch nicht. So wenig, wie ich seine Tätowierung kannte: „Steep“, in Großbuchstaben in den Unterarm gepiekst, daneben ein Totenschädel mit gekreuzten Skistöcken. Das klingt schon fast nach freiem Fall. Nur die Sicherung an seinen Skistiefeln war mir gleich aufgefallen: kleine Schlaufen, von denen ich allerdings auch erst später erfahren würde, dass sie das plötzliche Aufspringen der Bügel verhindern. Durch zu viel Druck auf den Ski oder falsche Bewegungen des Beines oder was immer sonst sie öffnen könnte.

Wir blieben jedenfalls erst einmal unten, was mir ganz recht war. Denn im Nebel um uns herum war vom Oben, den Bergen und Gipfeln rund ums Nassfeld, Kärntens größtem Skigebiet, absolut nichts zu sehen. Nahtlos ging der Schnee am Hang in die Wolken über. Während über unseren Köpfen die Bänke der Madritschen-Sechser-Sesselbahn leer in die weiße Nebelsuppe tauchten, stellten wir uns hinter ein paar Kindern am Tellerlift an. Blaue Piste, Übungshang. Sagte Frankie. Er sagte es sogar einigermaßen charmant. Idiotenhügel! Haben wir früher gesagt. Frei von jedem Charme. Das ist gut dreißig Jahre her.

Damals war es auch, dass ich im Schwarzwald meine Karriere als Skifahrer beendet hatte. Für immer, wie ich dachte. Nach einem steilen Waldstück zwischen Bäumen hindurch und dabei zunächst von Tanne zu Tanne geschmissen wie die Kugel in einem Flipperautomaten hin- und herscheppert, am Ende aber direkt gegen einen Baum, den ich fester umarmte, als je zuvor oder danach eine Frau. Just vor dem Aufprall hatte ich dem Himmel zugerufen, nie wieder Ski zu fahren, wenn ich diese Abfahrt überlebte. Es war eine Art Gelübde. Aber was heißt schon nie?

Skifahren verlernt man nicht. Sagt nicht nur Frankie. In ganz Kärnten haben sich deshalb die Skischulen zusammengetan und werben mit einem Drei-Tage-Kursus. Bei Wiedereinsteigern sprechen sie von Auffrischen, geben den Schülern Selbstvertrauen, weisen sie ein in das neue Material und die neuen Techniken und führen sie verhältnismäßig rasch zurück auf die steileren Hänge. Anfängern hingegen versprechen sie, dass sie am dritten Tag zumindest den Übungshang einigermaßen elegant hinunterkommen. Mit Geld-zurück-Garantie. Unter tausend Anfängern, sagte Frankie, habe er erst einen einzigen nach Hause geschickt. Und die Kursgebühr musste die Skischule noch nie erstatten. Ich wollte eine schwarze Piste hinunter. Eleganz war mir egal. Frankie zog die Augenbrauen hoch. Fahr halt mal. Sagte er. Und nach nur drei Bögen rief er: Das reicht!

Wir fingen ganz von vorne an. Mit der sauberen Mittellage. Skier hüftbreit auseinander. Sprung-, Knie- und Hüftgelenk gebeugt. Unterschenkel und Oberkörper parallel. Körperschwerpunkt in den vorderen Teil der Bindung. Denn: Skifahren ist Kniefahren! Das würde ich in den kommenden Tagen noch öfter zu hören bekommen. Und dass man der Pilot ist, so lange man vorne in die Stiefel drückt - und eben nur noch Passagier, sobald man sich nach hinten lehnt. Nicht einmal in der Theorie klang das einleuchtend, denn wer wird sich ins Tal stürzen wollen, wenn er im Hang nach Halt greifen könnte, und wer nach vorne fallen wollen, statt auf den Po?

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