15.04.2010 · Die Aschewolke eines isländischen Vulkans beeinträchtigt Flugverbindungen über fast den ganzen Globus hinweg. Das ist der Preis der Verflechtung: Ein örtliches Ereignis hat ungeahnte Konsequenzen, diesmal in der Fliegerei.
Von Klaus-Dieter FrankenbergerDie nationalen Luftfahrtbehörden - voran die britische - haben schnell und folgerichtig gehandelt: Nach dem Ausbruch des isländischen Eyjafjalla-Vulkans haben sie den Luftraum über mehr als einem halben Dutzend west- und nordeuropäischer Länder geschlossen. Tausende Flüge sind gestrichen worden, Tausende Flüge werden vermutlich auch an diesem Freitag noch gestrichen werden, Hunderttausende Passagiere konnten ihre Ziele am Donnerstag nicht erreichen, jedenfalls nicht auf dem Luftwege.
Das ist eine beispiellose multinationale Einschränkung in einem Verkehrssektor, der in den vergangenen Jahren, vor der Wirtschaftskrise, vor allem durch sein großes Wachstum von sich reden gemacht hat. Und anders als nach den Terroranschlägen vom „11. September“, als für mehrere Tage der Luftraum über den Vereinigten Staaten gesperrt worden war, ist diesmal der Grund die große Gefahr, die von Asche in mehreren tausend Metern Höhe für die Triebwerke von Flugzeugen ausgeht. Es ist richtig, dass keinerlei Risiko eingegangen wird. Sollte der isländische Gletschervulkan abermals ausbrechen, werden weitere Luftraumschließungen unweigerlich folgen müssen.
Der Preis der Verflechtung
Das ist eine Erfahrung, die wir in den vergangenen Monaten wiederholt gemacht haben. Das moderne Leben, das ganz wesentlich auf Mobilität gründet und das diese Mobilität geradezu zu einem Sinn und Zweck erhebt, ist und bleibt anfällig nicht nur für technisches (und menschliches) Versagen, sondern auch für die Gewalten der Natur. Erst am vergangenen Samstag ist Nebel der Anlass für die nationale Tragödie der Polen gewesen. In den gemäßigten Zonen hatten wir uns an Jahreszeiten gewöhnt, die Fahrpläne erlaubten, die auf Minuten, gar auf Sekunden abgestimmt waren - und dann kam ein Winter, den wir so seit Jahrzehnten nicht erlebt hatten. Folge: Fahrpläne wurden über den Haufen geworfen; die Zahl der Flug- und Bahnausfälle in Europa, gerade in seinem westlichen Teil, waren gar nicht mehr zu zählen. Die Kosten stiegen entsprechend hoch.
Und jetzt ein Vulkanausbruch auf Island. Die transkontinentale Verkehrsvernetzung führt dazu, dass die unmittelbaren Auswirkungen schon am Donnerstag bis zum Persischen Golf und darüber hinaus reichten. Das ist der Preis der Verflechtung: Ein örtliches Ereignis hat ungeahnte Konsequenzen, diesmal in der Fliegerei.
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Oliver Wirthmann (owi-colonia)
- 16.04.2010, 13:36 Uhr
Klaus-Dieter Frankenberger Jahrgang 1955, verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.
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