30.10.2004 · Warum keine Direktversicherung? Da gibt es den Steuervorteil doppelt. Reine Rentenverträge taugen wenig. Wer eine Lebensversicherung abschließen will, ist schnell verwirrt.
Von Dyrk ScherffDirektversicherung, 5+7-Modell, Beitragsdepot: Wer eine Lebensversicherung abschließen will, ist schnell verwirrt. Denn es gibt unzählige Varianten, eine solche Police zu vereinbaren. Und wer dabei nicht aufpaßt, muß spürbare Renditeeinbußen hinnehmen. Weil die Verträge häufig mehr als 30 Jahre laufen, macht sich eine nur etwas geringere Rendite bei der Auszahlung am Ende schon deutlich bemerkbar.
Lebens- oder private Rentenversicherung
Beide Produkte ähneln sich. Der Unterschied: bei Tod unterstützt die Lebensversicherung die Angehörigen, das Konkurrenzprodukt nicht. Dafür war die Rendite lange etwas schlechter als die der Rentenversicherung. Aber das ändert sich: "Schon im kommenden Jahr dürfte der Vorteil verschwunden sein, denn dann gilt die neue Sterbetafel", sagt Karl Eberhardt, unabhängiger Versicherungsberater aus Stuttgart. Und die sagt eine längere Lebenserwartung voraus. Gut für Lebensversicherungen, denn die Wahrscheinlichkeit sinkt, daß sie vor Ende der Laufzeit zahlen müssen. Die Rentenversicherung, die im Regelfall eine monatliche Rente bis zum Tod bezahlt, muß hingegen mehr Rücklagen bilden, die Rendite sinkt.
Direktversicherung
Sie ist die wohl attraktivste Variante einer Kapitallebensversicherung. Denn sie wandelt einen Teil des Bruttogehalts direkt in Einzahlungen in die Versicherung um. Das spart bei Gutverdienern Lohnsteuer, denn die Einzahlungen müssen nur mit etwa 21 Prozent versteuert werden, während die Auszahlungen steuerfrei sind. "Das lohnt sich für die, die mehr als 30 Prozent Spitzensteuersatz haben", sagt Versicherungsexperte Rüdiger Falken. Die Nachsteuer-Rendite steige durch eine Direktversicherung von drei bis vier Prozent für eine klassische Lebensversicherung auf fünf bis sechs Prozent. Werden die Beiträge aus dem Weihnachts- oder Urlaubsgeld bezahlt, entfallen bis 2008 auch die Sozialabgaben. Nachteil: Der Arbeitgeber sucht die Versicherung aus. Auch wenn sie nicht die besten Renditen bringt, muß der Arbeitnehmer sie akzeptieren. Und: Nur bis zu 1752 Euro im Jahr werden steuerlich gefördert.
Fondsgebundene Versicherung
Sie investiert die eingezahlten Beträge in Investmentfonds, die sich der Versicherte aus bis zu 40 bis 50 Produkten auswählen kann. Die Zusammenstellung darf verändert werden - oft gegen Zusatzkosten. "Vorteil dieser Variante ist, daß er selber bestimmen kann, wie sein Geld investiert wird, mehr in Aktien oder eher sicher", erklärt Eberhardt. Wer dabei auf Aktien setzt, kann seine Rendite erhöhen. Allerdings sind die Steuervorteile dann auch geringer, denn auch bei einer Direktanlage in Aktienfonds ist die Steuerbelastung oft nicht sehr groß - die Flexibilität aber deutlich höher. Und die Fonds können jederzeit verkauft werden.
5+7-Modell
Fünf Jahre einzahlen und weitere sieben Jahre warten. Nach zwölf Jahren gibt es dann die Erträge steuerfrei. Eine Variante für die, die sich nicht lange binden wollen. Und die, die eine größere Summe einmalig anlegen möchten. Die wird auf ein Beitragsdepot eingezahlt, das sich im Schnitt mit drei bis vier Prozent verzinst und von dem fünf Jahre lang die Beiträge in die Versicherung einbezahlt werden. Alternative: Wer das Geld nicht auf einen Schlag hat oder glaubt, anders mehr als vier Prozent Zins zu erwirtschaften, zahlt die Prämie jedes Jahr direkt ein.
Lebensversicherung mit Berufsunfähigkeitsschutz
Vor solchen Koppelprodukten wird gewarnt. Die monatlich zu zahlende Prämie ist hoch. Und kann bei Arbeitslosigkeit zu einer großen Bürde werden. Wer dann kündigt oder die Policen beitragsfrei stellt, hat hohe Einbußen.
Dyrk Scherff Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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