Home
http://www.faz.net/-gpc-7h24t
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Van Gogh aus dem 3D-Drucker Fälschen leichtgemacht

Das Amsterdamer Van-Gogh-Museum macht sich einen Namen als Fälscher-Museum: Die Meisterwerke des Künstlers lässt sich das Haus von einem 3D-Drucker kopieren und bessert damit den Haushalt aus.

Eine Fälschung ist eine Fälschung ist eine Fälschung. Stimmt das? Nur kurz nach dem Beltracchi-Skandal in Deutschland und mitten im Glafira-Rosales-Fall in den Vereinigten Staaten werden an einem anderen Schauplatz in Amsterdam Van-Gogh-Kopien im Stundentakt hergestellt. Ein weiterer Skandal? Keineswegs! Es handelt sich um die ausgeklügelte Idee eines findigen Museumsdirektors, der Geld für die Renovierung seines Hauses benötigt. Die Lösung für die Finanzprobleme seines Museums kommt frisch aus dem 3D-Drucker. In Zusammenarbeit mit Fujifilm hat das Amsterdamer Van-Gogh-Museum ein hochauflösendes Scan- und Druckverfahren entwickelt, das plastische Klone der berühmten Werke des holländischen Malers herstellt. Axel Rüger, der Direktor des Museums, ist begeistert: Es handele sich um eine neue Generation der Kunstreproduktion. Für Laien ließen sich die Bilder kaum mehr von den Originalen unterscheiden.

Neben den berühmten „Sonnenblumen“ von 1889 wurden bislang die Gemälde „Weizenfeld unter einem Gewitterhimmel“ aus dem Jahr 1890, „Mandelblüte“ von 1890, „Die Ernte“ von 1888 und „Boulevard de Clichy“ aus dem Jahr 1887 eins zu eins reproduziert - Rückseite und Rahmen eingeschlossen. Weitere Gemälde aus der Sammlung des Museums sollen nun folgen. Mit drei Stück pro Tag produziert die neue Technologie schneller, als Beltracchi seinen Pinsel in Farbe tunken kann. Für rund 25000 Euro ist der ausgedruckte Van Gogh zu haben. Geplant ist eine Auflage von 260 sogenannter „Relievos“ pro Gemälde. In einem Hongkonger Einkaufszentrum wurden die „Fälschungen“ vor vier Wochen zum ersten Mal angeboten - und alle verkauft. Andere Institutionen bekunden jetzt Interesse am Konzept des Amsterdamer Museums, das sich mit der 3D-Drucker-Firma einen Exklusivvertrag über drei Jahre gesichert hat. Die schwierige finanzielle Situation zwinge viele Museen dazu, über neue Produkte, neue Einkommensfelder nachzudenken, sagt Rüger. Repro-Poster, Kühlschrankmagnete und bedruckte Kaffeetassen aus den Museumsshops gelten im Van-Gogh-Museum nun als altbackener Krimskrams. Um eine Verwechslung der 3D-Kopien mit den Originalen auszuschließen, werden die Klone natürlich sorgfältig numeriert und von Kuratoren auf ihre Falschheit geprüft. Sicher ist sicher.

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Sam Nhlengetwa Aus den Townships in die Museen der Welt

Sam Nhlengethwa ist einer der bekanntesten Künstler Südafrikas. Nun verbringt er einen Monat in Frankfurt und beschäftigt sich mit der südafrikanischen Kunstsammlung des Weltkulturen Museums. Mehr Von Katharina Deschka-Hoeck

31.07.2015, 09:00 Uhr | Rhein-Main
Kunsttest Finde die Fälschung!

In der Dulwich Picture Gallery in London hängt inmitten der Meisterwerke von Rembrandt und Rubens derzeit eine Fälschung - und das mit voller Absicht. Besucher sollen herausfinden, welche Werke echt sind und welches Gemälde nachgemacht ist. Das Ziel: eine intensivere Auseinandersetzung mit der Kunst. Das gefälschte Bild wurde in China in wenigen Wochen hergestellt und hat einen Wert von gut 100 Euro. Mehr

12.02.2015, 21:41 Uhr | Aktuell
Auktion in Ahrenshoop Sonne, Strand und Staffeleien

Auch in Ahrenshoop wird Kunst versteigert. Ganz oben an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern gehören die Expressionisten genauso zum Programm wie die Landschaftsmaler der ehemaligen Künstlerkolonie. Mehr Von Camilla Blechen

26.07.2015, 06:00 Uhr | Feuilleton
Kunstgeschichte Handgemalter Animationsfilm erzählt die Geschichte von Vincent van Gogh

Für Vincent van Gogh stellen Maler in Polen rund 60.000 Einzelbilder her und erwecken die Gemälde des weltberühmten Künstlers in einem Animationsfilm zum neuen Leben. Mehr

11.02.2015, 11:34 Uhr | Feuilleton
Erika-Fuchs-Haus eröffnet Gesucht wird ein Volk von Museumsbesuchern

Ein onomatopoetisches Kabinett: In Schwarzenbach an der Saale eröffnet an diesem Samstag das Erika-Fuchs-Haus, das erste Museum zu Ehren einer Übersetzerin. Berühmt wurde sie durch ihre Texte der Donald-Duck-Geschichten. Mehr Von Patrick Bahners

01.08.2015, 23:16 Uhr | Feuilleton

Veröffentlicht: 30.08.2013, 14:18 Uhr

Der Doppelhut der EU-Kommission

Von Werner Mussler, Brüssel

Was ist eigentlich die Aufgabe der EU-Kommission? Soll sie oberste Regierung Europas sein oder nur „Hüterin der Verträge“? Die Diskussion ist überfällig. Mehr 10 16

Upper East Side Die Luxus-Weibchen von New York

Eine Journalistin hat unter den Superreichen an der Upper East Side gelebt – und schildert deren Frauen in einem Buch als Luxus-Primaten, die heftig um ihren Rang buhlen. Mehr Von Nina Rehfeld 8 31

Das Beste aus dem Netz. Achtung: Catcontent

Der Youtuber „10 Cats.“ hat seinen Katzen eine riesige Eiskugel geschenkt. Die Begeisterung ist größer als erwartet. Mehr 2

Probefahrt im Jazz-Honda 1314 Liter Gepäck in einem Kleinwagen

Länger, leichter, stärker: Die dritte Generation des Erfolgsmodells Jazz hat nicht nur in Sachen Grundausstattung einen gehörigen Sprung nach vorne gemacht. Mehr Von Ute Kernbach 3 2

Serie „Ich mach mein Ding“ Der Eismann, der aus dem Wasser kam

Markus Deibler war Spitzenschwimmer, Weltmeister und Weltrekordhalter. Aber er wollte Eis machen, schmiss alles hin - und lieferte eine zweite Erfolgsgeschichte. Erster Teil unserer Serie „Ich mach mein Ding“. Mehr Von Uwe Marx 2