Home
http://www.faz.net/-gpc-78m7s
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Uli Honeß und die Politik Nicht nur ein Netzwerker

In Bayern wird im Herbst gewählt – und da kommt ein Steuerfall Hoeneß der SPD gerade recht, um etwas härter hinzulangen. Die CSU soll dem Bayern-Präsidenten sogar einen Listenplatz angeboten haben. Uli Hoeneß und die Politik - eine Geschichte wechselseitiger Anziehung.

© dpa Vergrößern Netzwerker: Uli Hoeneß (r.) mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU)

Das Diktum des CSU-Politiker Max Streibl, es gehöre zum Wesen der Bayern, dass sie „etwas härter hinlangen“, ist längst ein geflügeltes Wort. Es wird im Fall von Uli Hoeneß, des Präsidenten des FC Bayern, von der bayerische SPD auf ihre Weise interpretiert. Ihr Landesvorsitzende Florian Pronold heftet Hoeneß das Etikett „CSU-Steuersünder“ an – und schwadroniert über „Amigo-Praktiken“, als habe sich die CSU für das Steuerabkommen mit der Schweiz nur eingesetzt, um dem Fußballmanager aus der Verlegenheit zu helfen. Pronold und die SPD kümmert nicht, dass Hoeneß gar nicht CSU-Mitglied ist; dass er in den vergangenen Jahren zwar oft an der Seite der CSU zu sehen war, aber auch der SPD nicht gänzlich die kalte Schulter zeigte; dass er zuweilen auch mit der CSU unfreundlich umgesprungen ist.

Albert Schäffer Folgen:    

In Bayern wird im Herbst gewählt – und da kommt der SPD der Steuerfall Hoeneß gerade recht, um etwas härter hinzulangen. Bei Hoeneß macht ihr das um so mehr Spaß, weil er in seinem früheren Leben, sprich bis zum Bekanntwerden der Steuervorwürfe, selbst gerne etwas härter hingelangt hat, auch und gerade beim „Politisieren“, wie in Bayern ein munterer Austausch über den Stand des Gemeinwesens genannt wird. Erst wenige Wochen liegt es zurück, dass Hoeneß in Rosenheim bei einer Veranstaltung mit Ilse Aigner, der oberbayerischen CSU-Vorsitzenden und Bundeslandwirtschaftsministerin, sich gerierte als sei er der Cheftrainer der CSU. Die CSU müsse endlich wieder „die Fünf vorne dran“ haben; das sei das „Maß aller Dinge“ für die Landtagswahl - alles andere akzeptiere er nicht.

CSU soll ihm Listenplatz angeboten haben

Der politische Kraftlackl Hoeneß ließ an diesem Abend wohlige Erinnerungen an Berichte wach werden, Frau Aigner habe bei ihm zur Weihnachtszeit an die Tür geklopft, einen Listenplatz für die Landtagswahl im Gepäck. Das Rätselraten, ob Hoeneß wenigstens am Geschenkpapier gezupft habe, bevor er das Präsent retourniert habe, wären sicher in die CSU-Mythologie eingegangen, wenn die Biographie des Fußballmanagers nicht die Schweizer Wende genommen hätte.

Hoeneß und Seehofer © dpa Vergrößern Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer bei der Feier zum 60. Geburtstag von Uli Hoeneß am 13. Januar 2012 in München

Statt der CSU müht sich jetzt die SPD, auch noch der kleinste CSU-Veranstaltung, bei der Hoeneß war, ins XXL-Format zu zoomen. Etwa eine Neujahrsansprache bei der Straubinger CSU, die Hoeneß 2010 hielt – und über die später stolz berichtete, sie sei auf einen anderen Tag verlegt worden, weil der ursprüngliche Termin auf seinen Geburtstag gefallen sei. Über was er gesprochen habe? „Die Situation in der Welt und speziell Deutschlands.“ Alle, die weniger global lokal dachten, ließ Hoeneß nicht in der Orientierungslosigkeit zurück. 2011 ließ er wissen, dass sich „die ganze bayerische Regierung mit Horst Seehofer“ ja doch „gut rausgemacht“ habe; in Bayern werde „gute Politik gemacht, bessere Politik als früher einmal“, als die CSU Fehler mit der Landesbank begangen habe.

Eine innige Gegnerschaft mit Ude

All zu groß war damals die Überraschung über den CSU-Lobpreis aus dem Munde von Hoeneß nicht: Es gehöre eben zum Geschäft eines Managers, die Nähe zu den Regierenden zu suchen und zu pflegen, lautete eine machiavellistisch eingefärbte Interpretation.

Uli Hoeneß im Pulk © dpa Vergrößern FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß: Gehört es zum Geschäft eines Managers, die Nähe zu den Regierenden zu suchen?

Hoeneß und der FC Bayern verhielten sich nicht anders als andere im Freistaat ansässige Unternehmen. In diese Rubrik wurde auch gebucht, dass Hoeneß im vergangenen Jahr seine Sympathie für Dieter Reiter entdeckte, der, wenn es nach der SPD geht, nächster Oberbürgermeister in München werden will. München ist nicht ganz unwichtig für den FC Bayern, auch wenn er sich als Weltclub versteht; mit Christian Ude, der in manchen nicht so wollte wie der FC Bayern wollte, etwa beim Bau eines neuen Fußballstadions, pflegte Hoeneß eine innige Gegnerschaft.

Eine gegenseitige Anziehung

Hoeneß auf einen Netzwerker zu reduzieren, der wahlweise im Trainingsanzug und im Trachtenanzug auftrat, wäre freilich eine Verkürzung, auch wenn Berichte dazu passen zu scheinen, er habe zu einem Gesprächskreis gehört, den Peer Steinbrück in seiner Zeit als Finanzminister regelmäßig eingeladen habe. Es war eine gegenseitige Anziehung zwischen Fußball und Politik.

Politiker suchten die Nähe des erfolgreichen FC Bayern und seiner Managers – und für die CSU bot sich das in besondere Weise an, schon durch die räumliche Nähe.

Edmund Stoiber, als Mitglied des Verwaltungsbeirats des FC Bayern ganz offiziell mit dem Fußballclub liiert, erkor „Champions League“ zu seiner politischen Lieblingsmetapher. Es bildete die Machtverhältnisse in der Zeit, in dem der Stern von Hoeneß hochstand, die Machtverhältnisse ab, dass auf die SPD nur wenige Strahlen fielen. Ob jetzt daraus eine Lizenz zum Etikettendrucken „CSU-Steuersünder“ folgt, werden die Wähler entscheiden.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Epidemie Kann Ebola auf dem Landweg nach Deutschland kommen?

Kann sich Ebola bis nach Deutschland ausbreiten? An Flughäfen gibt es viele Kontrollen. Aber afrikanische Flüchtlinge kommen mit dem Zug oder in den Autos der Schlepper. Was Behörden und Fachleute zu diesem Szenario sagen. Mehr Von Uta Rasche

12.10.2014, 15:13 Uhr | Politik
Xabi Alonso freut sich auf München

Beim traditionellen Werbetermin mit einem Weißbier-Sponsor des FC Bayern München durfte Xabi Alonsos natürlich nicht fehlen. Ein bisschen war ihm der Stress der letzten Tage anzusehen. Innerhalb von nur zwei Wochen war der Alonso-Wechsel von Real Madrid zu den Bayern perfekt gemacht worden. Mehr

01.09.2014, 09:34 Uhr | Sport
CSU-Chef Seehofer sieht eklatante Schwachstellen bei der Bundeswehr

Bayerns Ministerpräsident Seehofer fordert mehr Geld für die Bundeswehr, um eklatante Schwachstellen in der Ausrüstung zu beheben. Der CSU-Vorsitzende sieht einen gewaltigen Nachholbedarf. Mehr

17.10.2014, 20:44 Uhr | Politik
Hoeneß ist erpresst worden

Ein 50-jähriger Mann soll Hoeneß für seine bevorstehende Haft erhebliche Schwierigkeiten angedroht haben. Der Erpresser, der bereits mehrere Haftstrafen abgesessen hat, wurde von der Polizei gefasst. Mehr

13.05.2014, 16:33 Uhr | Gesellschaft
Landauer - Der Präsident im Ersten Er spielt alles aus, was er hat

Ohne ihn wäre der FC Bayern München nicht geworden, was er ist: Kurt Landauer, der jüdische Vereinspräsident, entkam dem Holocaust und kehrte nach dem Krieg zurück. Die ARD zeigt seine Geschichte auf beeindruckende Weise. Mehr Von Jochen Hieber

15.10.2014, 23:11 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 23.04.2013, 16:41 Uhr

Tests mit Schlagseite

Von Markus Frühauf

Bestünden alle Banken den Stresstest, hätte die EZB als künftige Bankenaufseherin schon vor dem Beginn versagt. Doch sie kann auch kein Interesse daran haben, die Schwächen der Banken schonungslos aufzudecken. Mehr 8

Moderne Hausgemeinschaften Die Raumteiler

Wohnanlagen mit Partyräumen, Lounge und Dachgärten für alle kommen in Mode. Das soll die Gemeinschaft fördern und entspricht dem gegenwärtigen Trend zur Sharing-Kultur. Doch brauchen wir das? Mehr Von Nadine Oberhuber 2 4

Reform der Wasserwege Schluss mit Schleuse

Ohne Schleusen, Bagger und Wehre ist Wassersport auf Flüssen und Kanälen nicht möglich. Der Bund will sich jetzt von einem Teil seiner Wasserwege trennen. Bootsfahrer müssen sich auf eine Maut einstellen. Mehr Von Claus Reissig 4

Deutsche und amerikanische Unis Wo Abgründe klaffen

Die Einladung an die Eltern, den Campus zu besuchen, ist in den Vereinigten Staaten gang und gäbe. Doch das ist sicher nicht der gravierendste Unterschied zwischen deutschen und amerikanischen Universitäten. Mehr Von Mark Roche 3 2

Roberto Blanco Ab ins Fernsehen

Roberto Blanco entert eine Seifenoper, Sängerin Taylor Swift führt die Charts diesmal mit heißer Luft an und Herzogin Kate zeigt sich erstmals seit Bekanntwerden ihrer zweiten Schwangerschaft in der Öffentlichkeit. Der Smalltalk. Mehr 3