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Uli Honeß und die Politik Nicht nur ein Netzwerker

In Bayern wird im Herbst gewählt – und da kommt ein Steuerfall Hoeneß der SPD gerade recht, um etwas härter hinzulangen. Die CSU soll dem Bayern-Präsidenten sogar einen Listenplatz angeboten haben. Uli Hoeneß und die Politik - eine Geschichte wechselseitiger Anziehung.

© dpa Netzwerker: Uli Hoeneß (r.) mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU)

Das Diktum des CSU-Politiker Max Streibl, es gehöre zum Wesen der Bayern, dass sie „etwas härter hinlangen“, ist längst ein geflügeltes Wort. Es wird im Fall von Uli Hoeneß, des Präsidenten des FC Bayern, von der bayerische SPD auf ihre Weise interpretiert. Ihr Landesvorsitzende Florian Pronold heftet Hoeneß das Etikett „CSU-Steuersünder“ an – und schwadroniert über „Amigo-Praktiken“, als habe sich die CSU für das Steuerabkommen mit der Schweiz nur eingesetzt, um dem Fußballmanager aus der Verlegenheit zu helfen. Pronold und die SPD kümmert nicht, dass Hoeneß gar nicht CSU-Mitglied ist; dass er in den vergangenen Jahren zwar oft an der Seite der CSU zu sehen war, aber auch der SPD nicht gänzlich die kalte Schulter zeigte; dass er zuweilen auch mit der CSU unfreundlich umgesprungen ist.

Albert Schäffer Folgen:

In Bayern wird im Herbst gewählt – und da kommt der SPD der Steuerfall Hoeneß gerade recht, um etwas härter hinzulangen. Bei Hoeneß macht ihr das um so mehr Spaß, weil er in seinem früheren Leben, sprich bis zum Bekanntwerden der Steuervorwürfe, selbst gerne etwas härter hingelangt hat, auch und gerade beim „Politisieren“, wie in Bayern ein munterer Austausch über den Stand des Gemeinwesens genannt wird. Erst wenige Wochen liegt es zurück, dass Hoeneß in Rosenheim bei einer Veranstaltung mit Ilse Aigner, der oberbayerischen CSU-Vorsitzenden und Bundeslandwirtschaftsministerin, sich gerierte als sei er der Cheftrainer der CSU. Die CSU müsse endlich wieder „die Fünf vorne dran“ haben; das sei das „Maß aller Dinge“ für die Landtagswahl - alles andere akzeptiere er nicht.

CSU soll ihm Listenplatz angeboten haben

Der politische Kraftlackl Hoeneß ließ an diesem Abend wohlige Erinnerungen an Berichte wach werden, Frau Aigner habe bei ihm zur Weihnachtszeit an die Tür geklopft, einen Listenplatz für die Landtagswahl im Gepäck. Das Rätselraten, ob Hoeneß wenigstens am Geschenkpapier gezupft habe, bevor er das Präsent retourniert habe, wären sicher in die CSU-Mythologie eingegangen, wenn die Biographie des Fußballmanagers nicht die Schweizer Wende genommen hätte.

Hoeneß und Seehofer © dpa Vergrößern Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer bei der Feier zum 60. Geburtstag von Uli Hoeneß am 13. Januar 2012 in München

Statt der CSU müht sich jetzt die SPD, auch noch der kleinste CSU-Veranstaltung, bei der Hoeneß war, ins XXL-Format zu zoomen. Etwa eine Neujahrsansprache bei der Straubinger CSU, die Hoeneß 2010 hielt – und über die später stolz berichtete, sie sei auf einen anderen Tag verlegt worden, weil der ursprüngliche Termin auf seinen Geburtstag gefallen sei. Über was er gesprochen habe? „Die Situation in der Welt und speziell Deutschlands.“ Alle, die weniger global lokal dachten, ließ Hoeneß nicht in der Orientierungslosigkeit zurück. 2011 ließ er wissen, dass sich „die ganze bayerische Regierung mit Horst Seehofer“ ja doch „gut rausgemacht“ habe; in Bayern werde „gute Politik gemacht, bessere Politik als früher einmal“, als die CSU Fehler mit der Landesbank begangen habe.

Eine innige Gegnerschaft mit Ude

All zu groß war damals die Überraschung über den CSU-Lobpreis aus dem Munde von Hoeneß nicht: Es gehöre eben zum Geschäft eines Managers, die Nähe zu den Regierenden zu suchen und zu pflegen, lautete eine machiavellistisch eingefärbte Interpretation.

Uli Hoeneß im Pulk © dpa Vergrößern FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß: Gehört es zum Geschäft eines Managers, die Nähe zu den Regierenden zu suchen?

Hoeneß und der FC Bayern verhielten sich nicht anders als andere im Freistaat ansässige Unternehmen. In diese Rubrik wurde auch gebucht, dass Hoeneß im vergangenen Jahr seine Sympathie für Dieter Reiter entdeckte, der, wenn es nach der SPD geht, nächster Oberbürgermeister in München werden will. München ist nicht ganz unwichtig für den FC Bayern, auch wenn er sich als Weltclub versteht; mit Christian Ude, der in manchen nicht so wollte wie der FC Bayern wollte, etwa beim Bau eines neuen Fußballstadions, pflegte Hoeneß eine innige Gegnerschaft.

Eine gegenseitige Anziehung

Hoeneß auf einen Netzwerker zu reduzieren, der wahlweise im Trainingsanzug und im Trachtenanzug auftrat, wäre freilich eine Verkürzung, auch wenn Berichte dazu passen zu scheinen, er habe zu einem Gesprächskreis gehört, den Peer Steinbrück in seiner Zeit als Finanzminister regelmäßig eingeladen habe. Es war eine gegenseitige Anziehung zwischen Fußball und Politik.

Politiker suchten die Nähe des erfolgreichen FC Bayern und seiner Managers – und für die CSU bot sich das in besondere Weise an, schon durch die räumliche Nähe.

Edmund Stoiber, als Mitglied des Verwaltungsbeirats des FC Bayern ganz offiziell mit dem Fußballclub liiert, erkor „Champions League“ zu seiner politischen Lieblingsmetapher. Es bildete die Machtverhältnisse in der Zeit, in dem der Stern von Hoeneß hochstand, die Machtverhältnisse ab, dass auf die SPD nur wenige Strahlen fielen. Ob jetzt daraus eine Lizenz zum Etikettendrucken „CSU-Steuersünder“ folgt, werden die Wähler entscheiden.

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Quelle: F.A.Z.

 
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