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Tony Shafrazi : Er tat es und verriet sich selbst

  • -Aktualisiert am

Schnappschuss von den Kunstgrößen: Andy Warhol, Keith Haring und Tony Shafrazi Bild: Shafrazi

Er ist der Mann, der 1974 Picassos Epochenbild „Guernica“ mit roter Farbe besprühte: Hier erzählt Tony Shafrazi zum ersten Mal seine Geschichte und spricht darüber, warum er dies damals tat. Heute ist er einer der prominentesten Kunsthändler der Welt.

          Wer die breite Treppe zu Tony Shafrazis Galerie an der 26. Straße in Chelsea emporsteigt, wird zuerst von haushohen Bambusstämmen empfangen, die bis durch ein Oberlicht wachsen. Derzeit sind Fotografien von David LaChapelle hier ausgestellt, alle bunt, manche pornographisch, manche witzig und manche schockierend.

          Tony Shafrazi, der auf New Yorks Vernissagen und Auktionen schon von weitem an seinen weißen Koteletten zu erkennen ist, sitzt hinter seinem Schreibtisch und ist umgeben von verführerischen Aufnahmen. Uma Thurman hat sich den Finger an einer roten Rose blutig gestochen. Naomi Campbell räkelt sich im Bikini auf einem riesigen Schokoladenhasen. Doch dafür hat er jetzt kaum einen Blick übrig. Shafrazi knabbert Pistazien, während er versucht, sich auf alles gleichzeitig zu konzentrieren. „Dennis!“, ruft er in sein Telefon, „das ist mir egal, ob du jetzt im Auto sitzt.“ Er ermahnt seinen alten Freund Dennis Hopper noch, vorsichtig einzuparken.

          Das Kreuz eines Lebens

          Dann ist er bereit, über sein Leben zu sprechen: über seine frühe Kindheit in Iran, seine Zeit auf dem Internat in England, die Kunstakademie in London, die aufregenden ersten Jahre in New York, seine Tätigkeit als Kunsteinkäufer für den Schah von Persien, seine Freundschaften mit Keith Haring und Jean-Michel Basquiat und seine rund drei Jahrzehnte als Galerist. Ja - auch über sein Spraydosenattentat im Jahr 1974 auf Picassos Gemälde „Guernica“, obwohl er sich windet: „Das ist mein Kreuz, das ich mit mir herumtragen muss.“ Der Lebensbericht über den ereignisreichen Werdegang des Künstlers und Kunsthändlers zieht sich über mehrere Sitzungen hin, die Worte des eloquenten, eindringlich gestikulierenden Mannes fließen in Strömen.

          Abgekühlter Eigensinn: Tony Shafrazi ist heute einer der prominentesten Kunsthändler der Welt.
          Abgekühlter Eigensinn: Tony Shafrazi ist heute einer der prominentesten Kunsthändler der Welt. : Bild: Lisa Zeitz

          An seine erste Reise nach New York, es war 1965, erinnert Shafrazi sich noch genau. Gerade erst vom prestigeträchtigen Royal College in London angereist, stellte der Kunststudent seinen Koffer im YMCA ab, einer Art Jugendherberge an der 47. Straße auf Manhattans Eastside, und blickte dabei aus dem Fenster. Gegenüber sah er auf einer Feuerleiter ein paar Gestalten, die ihm vage bekannt vorkamen: Zufällig logierte er genau gegenüber von Andy Warhols Factory. Sofort überquerte der Zweiundzwanzigjährige, im enggeschnittenen hellen Anzug ganz dem englischen Mod-Look verpflichtet, die Straße, um sich vorzustellen. Warhols Assistent Gerard Malanga nahm ihn mit in den Lastenaufzug. „Wow“, haucht Shafrazi heute noch beeindruckt, „alles silbern, der Aufzug, die Wände, die Böden, sogar das Telefon, alles silbern angesprüht.“

          Im Kreis der kühlen Gestalten

          Im Gegensatz zu den kühlen Gestalten, die sich überall in der Silver Factory tummelten, sei Warhol sehr freundlich, ja geradezu kindlich aufgeregt gewesen und habe Shafrazi sofort eine Cola und ein Sandwich serviert. Als Warhol sich wieder seinen silbernen Luftkissen zuwandte, die er mit Ventilen auszustatten versuchte, bemerkte Shafrazi, dass „er ungeschickt mit einer Heißklebepistole herumhantierte und offenbar noch keinerlei Erfahrung damit hatte“. Anders als Shafrazi, der gerade erst am Royal College mit Plastik und Heißklebepistolen gearbeitet hatte. „Darf ich dir das mal zeigen?“, fragte er Warhol und beeindruckte sein Idol damit schwer; denn „kein anderer in der Factory wusste, wie das Gerät zu bedienen war“.

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