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THW In sechs Stunden abreisefertig

10.10.2005 ·  Knapp zwei Tage nach dem verheerenden Erdbeben in Kaschmir ist ein Trupp des Technischen Hilfswerks in der Katastrophenregion eingetroffen. Sie gehören wieder einmal zu den ersten Helfern.

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Nur gut anderthalb Tage nach dem verheerenden Erdbeben im Norden von Pakistan und Indien ist am Montag ein Trupp des Technischen Hilfswerks (THW) in der Katastrophenregion eingetroffen. Fünfzehn Männer der sogenannten Schnelleinsatzeinheit für Bergungseinsätze im Ausland (Seeba) sollen dort - gemeinsam mit einer türkischen Rettungsmannaschaft - nach Verschütteten suchen.

Stationiert seien die deutschen Helfer in der Nähe von Islamabad, sagte die THW-Sprecherin Astrid Czerny am Montag. Im Gepäck hätten sie unter anderem Radargeräte, Wärmebildkameras, Hebekissen und Betonkettensägen. Wenige Stunden nach dem Beben hatte die Bundesregierung bereits diese erste, besonders schnelle Hilfe des THW zugesagt. Finanziert wird der Einsatz vom Auswärtigen Amt in Berlin, den Empfang in Pakistan hatte dementsprechend die Deutsche Botschaft in Islamabad organisiert und koordiniert.

Geologen, Ingenieure und Ärzte

Die Schnelleinsatzeinheit Seeba besteht seit 20 Jahren und ist speziell für Auslandseinsätze ausgebildet. Gegründet wurde sie nach dem schweren Beben in Mexiko 1985. Der Einheit gehören Geologen, Ingenieure und Ärzte an - Freiwillige die neben ihrer fachlichen Qualifikation auch eine entsprechende körperliche Eignung mitbringen müssen.

Die ehrenamtlichen Helfer werden für Katastropheneinsätze von ihren Arbeitgebern in der Regel umgehend freigestellt. So können bis zu 70 Helfer der Seeba innerhalb von sechs Stunden nach der Alarmierung mitsamt ihrer Ausrüstung am Flughafen zum Abflug bereitstehen. Die Alarmierung erfolgt im Regelfall über das Bundesministerium des Innern oder das Auswärtige Amt.

Für zehn Tage einsatzbereit

Schnelligkeit ist besonders nach Erdbeben entscheidend: Denn nach 72 Stunden verschlechtern sich die Aussichten rapide, Überlebende zu finden. Das THW mit seiner Schnelleinsatzeinheit ist auf Erdbeben spezialisiert und war in den vergangenen sechs Jahren in allen großen Erdbebengebieten - etwa in der Türkei, in Iran und Indien - im Einsatz. Die vollständige Ausrüstung der Seeba ist bis zu 26 Tonnen schwer und kann so verpackt werden, daß sie in allen herkömmlichen Verkehrsflugzeugen transportiert werden kann.

Sie beinhaltet neben Ortungsgeräten und neun Rettungshunden eine Feldküche samt Verpflegung für zehn Tage, eine Campausstattung mit einem Stromerzeuger und einige kleinere Fahrzeuge und Anhänger. Das Technische Hilfswerk besteht seit 55 Jahren. Am 16. September 1950 erteilte der damalige Bundesinnenminister Gustav Heinemann den Auftrag, einen „zivilen Ordnungsdienst“ aufzustellen.

Seit 1953 im In- und Ausland tätig

Zum ersten Direktor wurde Otto Lummitzsch ernannt, der nach dem Ersten Weltkrieg die Technische Nothilfe gegründet hatte. Damit wollte er Betriebe wie Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke, Reichsbahn und Reichspost arbeitsfähig halten. Sie wurden damals immer wieder durch „wilde“ politische Streiks lahmgelegt. Auch nach 1945 war einer der Gründe für die Schaffung des Technischen Hilfswerks, daß im Falle eines Krieges Schäden beseitigt werden und wichtige Betrieb ihre Dienste aufrechterhalten könnten.

Seit 1953 ist das THW durch den Errichtungserlaß des Bundesinnenministeriums eine Bundesanstalt. In den Zeiten des Ost-West-Konflikts und der Teilung Deutschlands diente es auch der, wie es heißt, „Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit“. Eher in Erinnerung aber blieben die Hilfseinsätze im In- und Ausland: bei dem Hochwasser in Hamburg und dem Grubenunglück von Lengede, nach der Sturmflut in den Niederlanden 1953, während Dürrekatastrophen in Afrika und zuletzt nach dem Tsunami in Süd- und Südostasien sowie nach den Zerstörungen durch Hurrikan Katrina im September dieses Jahres.

Auch an langfristigen Hilfsprojekten beteiligt

Neben der schnellen Hilfe beteiligt sich das THW aber auch an langfristigen Projekten: etwa am Brunnenbau in Afrika oder am Aufbau der Stari Most („Alten Brücke“) in Mostar in Bosnien-Hercegowina. Das Konzept des THW sieht für jeden Landkreis und für jede kreisfreie Stadt mindestens einen Ortsverband vor. In Deutschland gibt es derzeit etwas mehr als 650 Ortverbände. Insgesamt hat die Bundesanstalt 76.000 ehrenamtliche Helfer, 15.000 Junghelfer und 860 hauptamtliche Mitarbeiter.

Der Frauenanteil liegt bei acht Prozent. Allerdings interessieren sich nach Angaben der THW-Sprecherin Astrid Czerny immer mehr junge Frauen für die Arbeit der Bundesanstalt. In den Jugendgruppen betrage der Mädchenanteil bereits sechzehn Prozent. Noch immer besteht die Möglichkeit für junge Männer, beim THW einen Wehrersatzdienst abzuleisten. Die Mindestverpflichtungsdauer beträgt zur Zeit sechs Jahre.

Basisausbildung in Bremen und Stuttgart

Alle Interessierten erhalten zunächst eine Basisausbildung, die aus 75 Unterrichtsstunden besteht. Dafür hat das THW zwei eigene Ausbildungsstätten in Hoya bei Bremen und Neuhausen bei Stuttgart. Dabei lernen die Helfer auf dem Wasserübungsplatz entlang der Weser bei Hoya unter anderem, wie man Deiche gegen Hochwasser schützt und Brücken baut. Erst vor gut einem Jahr wurde die sogenannte Schnelleinsatzeinheit Wasserversorgung-Ausland (Seewa) gegründet. Damit wolle man noch schneller auf „aktuelle Gefahrenlagen“, wie man sie nach dem Durchzug von Hurrikan Katrina in Louisiana vorgefunden habe, reagieren, sagt die THW-Sprecherin.

Wichtigste Aufgabe ist die Wiederherstellung der Trinkwasserversorgung in Katastrophengebieten. Die Einsatzgruppen bestehen jeweils aus neun Kräften. Auch die Seewa-Helfer können nach Alarmierung in wenigen Stunden ihren Einsatzort erreichen. Seewa und Seeba arbeiten eng zusammen: Einer der THW-Männer, der am Montag Islamabad erreichte, ist auch schon in New Orleans im Einsatz gewesen.

Quelle: cheh. / pps. / F.A.Z., 11.10.2005, Nr. 236 / Seite 9
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