05.07.2012 · Mit dem Tode von Sergio Pininfarina ist auch ein Teil der Vorbildfunktion aus der Vergangenheit zur Gestaltung und Prägung des Autos verschwunden. Er war Stilist, Designer, Unternehmer, Italiener und ein Herr.
Von Wolfgang PetersRichtlinien für Lesermeinungen
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Ausgerechnet der Testerossa als Aushängeschild für die Genialität von Sergio Pininfarina?
Genau das Gegnteil von dem Design dieses Ferraris war das Talent und Können von Sergio Pininfarina: Ganz einfache und fast schon puristisch anmutende Formen und Linienführungen, die einem durch ihre schlichte Eleganz den Atem rauben. Selbst bei längerer Betrachtung erschließt sich einem das kunstvolle Zusammenwirken der klaren Linien nicht wirklich und man geht entzückt weiter, um jedes Mal von Neuem von der Ästhetik fasziniert zu sein und zu der Feststellung zu kommen: Einfach schön! Ich denke da an Genialitäten wie den Lancia Aurella, den Alfa Romeo 2uettottanta, den Alfa Romeo Giulietta Spider 1955-62, den Buick XP-75, den Cadillac Starlight 1959, den Cadillac PF 200 Cabriolet 1954, den Chevrolet Corvette Rondine 1964, den Alfa Rome BC 2500, alle Alfa Rome Coupe Speciale, die Ferraris der 60er Jahre, aber auch "Volkswagen" wie den Fiat 124 in seiner Urform, den Alfa Romeo Spider und die Peugeot-Cabriolets (204 und 404), den Fiat 1200 TV und viele viele andere.
"Als Ferrari noch Autos für kultivierte Männer und nicht
für fußballbegeisterte Oligarchen baute" ist zwar
subjektiv verständlich, wenn man den Ferrari Testarossa heute
sieht, nach Jahren quellend-blubbernder Scheußlichkeiten im
Comicdesign à la BMW X6 (oder - in der Version für Arme -
Nissan Yuke). Wenn man sich aber noch daran erinnert, was der Testarossa
war, als er 1984 auf den Markt kam, - nämlich ein ungewöhnlich
brutaler, aggressiver Straßenrennwagen - kommt man nicht umhin,
festzustellen, dass es den Kundentyp "fussballbegeisterter
Oligarch" (mit vermuteter zerebraler Unterfunktion) zumindest
prinzipiell schon damals existiert haben muss - wenn auch natürlich
nicht in der seinerzeitigen UdSSR. Daher ist die hier verbreitete
Vorstellung von einer besseren, zivilisierteren Vergangenheit zwar
attraktiv, aber wohl romantisch, und wie jede Romantik im Kern ahistorisch.
..
Daran, dass Pininfarina einfach geniale Autos entworfen hat, ändert
das aber alles nichts! Hut ab & RIP.
Habe ich auch so in Erinnerung
Der Testarossa stieß technisch auf großes Interesse, er galt
aber als unförmiges Protzauto. Auch die schöneren 308 und 328
ließen wenigstens in Deutschland auf einen eher schlüpfrigen
Erwerbshintergrund schließen (in meinem Studienort fuhr sowas der
Besitzer des Sex-Shops).
An diesem Ruf der Ferrari-Fahrer, nicht selten berechtigt, konnten auch
"Die Zwei" und "Magnum P.I." nicht viel ändern.
In "Miami Vice" fuhr Don Johnson Ferrari, um in Kreisen von
Zuhältern und Drogenhändlern undercover
standesgemäß auftreten zu können, bezeichnenderweise in
den späteren Folgen mit einem Testarossa. Also gab es diese
Zuordnung wohl auch in den USA.
wie Pininfarina, Bertone usw. sind die Basis des legendären Rufes der norditalienischen Automobildesigner. Jeder dieser Großen hat sich schon einmal in zumindest einer Karosserie von Ferrari oder Maserati verewigt.
war launisch-würdigend. Gut so.
Mit Sergio Pininfarina tritt ein ganz Großer seines Faches ab.
Noch in Jahrzehnten werden Ästheten vor Glücksseligkeit auf
die Knie sinken, sollten sie eines Dino 246 angesichtig werden.
Möge SP in Frieden ruhen.