Home
http://www.faz.net/-gy9-7gpdb
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
IT-Security

Yachtbauer Bavaria Viel investiert, kräftig verspekuliert

Von einstigen Höhen in ein tiefes Tal: Bavaria, Deutschlands Yachtbauer Nummer eins, hat hart zu kämpfen. Aber mit seinen neuesten Modellen ist er auf einem guten Weg.

© Werft/Peter Meyer Vergrößern Ähnlichkeit ist nicht zu leugnen: Bavaria Cruiser 41 (vorn) und Cruiser 37. Wesentliche Unterschiede: ein Meter Länge und 40.000 Euro

Immer nur Gegenwind. Seit Jahren kämpft sich die einst so erfolgreiche fränkische Sportboot-Werft Bavaria Yachtbau durch rauhe See. Die gesamte Branche ist fest im Griff der Krise, manche Werft längst abgesoffen, die konjunkturellen Umstände könnten kaum ungünstiger sein. Doch das allein erklärt nicht die Schwierigkeiten Bavarias. Teure Fehleinschätzungen gehören zur jüngeren Geschichte, fragwürdige strategische Entscheidungen, ein Kommen und Gehen in der Führungsetage. Jetzt hat vor einigen Monaten mit Constantin von Bülow der vierte Chef in sechs Jahren den Führungsposten in Giebelstadt übernommen. Als Ablösung von Jens Ludmann soll er das Unternehmen so auf Kurs bringen, dass es wieder mit Gewinn arbeitet.

Walter Wille Folgen:    

Dabei habe sich Ludmann, so ist heute zu hören, durchaus Verdienste um die Modellentwicklung erworben. Seinem Wirken vorausgegangen war eine Phase eigenwilliger Schöpfungen und schneller Modellwechsel. Als Irrweg beispielsweise werten Eingeweihte im Nachhinein die Zusammenarbeit mit den branchenfremden Entwicklern von BMW Designworks, sie blieb eine kurze Episode. Unter dem Diktat der Gestaltung wurden seinerzeit praktische Gesichtspunkte vernachlässigt - dergleichen schmeckt vielen Kunden in der recht konservativen Segler-Szene nicht. Und die Motoryacht-Abteilung leistete sich ein Design-Experiment namens Deep Blue 46, das schnell wieder beendet wurde. Kurios: Kaum war dieses Powerboot 2010 von Fachzeitschriften zu Europas „Yacht des Jahres“ gekürt worden, da flog es schon wieder aus dem Verkaufsprogramm.

Im April 2013 wurde abermals umstrukturiert

Unter Ludmanns Führung wurde eine neue Ordnung eingeführt, in Kooperation mit Design Unlimited aus England (Segel) und Too-Design aus Italien (Motor), Fachleuten aus der Yachtszene. Die heutige Modellpalette (die neuesten Typen werden auf dieser Seite vorgestellt) gilt als gute Basis für die Zukunft. Dass der ehemalige Ford-Manager nach zweieinhalb Jahren gehen musste, hängt offenbar mit einer Unzufriedenheit über die internen Abläufe, die Betriebsführung und Produktionskosten zusammen. Früher, in der Zeit der ersten Eigentümer des Unternehmens, waren die Effizienz in der Fertigung und die Profitabilität die Paradedisziplinen der Unterfranken. Bavaria galt in der ganzen Welt als Vorbild. Der Fensterfabrikant Winfried Herrmann und die Yachtcharter-Agentur Meltl hatten das Unternehmen 1978 gegründet und schnell zu einem der führenden Hersteller von Segelyachten gemacht, später kamen Motorboote hinzu. Herrmann leitete die Werft mit fester Kontrolle. 2007, zum für die Verkäufer perfekten Zeitpunkt, trennten sich die Gründer vom Betrieb, dem Vernehmen nach für 1,3 Milliarden Euro, was im Nachhinein manchem astronomisch vorkommt.

Dem amerikanischen Investor Bain Capital schien der Deal wohl dennoch erfolgversprechend. In jener Zeit liefen bei Bavaria jährlich rund 3500 Segel- und Motoryachten vom Band - heute ist es nicht einmal ein Drittel davon. Ende 2008 brach infolge der Finanzkrise in vielen Ländern - vor allem in Südeuropa - die Nachfrage ein. Damit hatte der Käufer nicht gerechnet. Bald kamen die beiden Hedgefonds Anchorage Advisors und Oaktree Capital Management mit einer Beteiligung von jeweils 45 Prozent an Bord, offensichtlich wurde auf eine zügige Erholung spekuliert. Auch diese Rechnung ging nicht auf. Im Oktober 2009 - Bavaria hatte eine Last von rund einer Milliarde Euro zu tragen - kam es zu einem Entschuldungsschnitt. Nach mehreren Führungswechseln wurde im April 2013 abermals umstrukturiert. An der Spitze der Yachtbauer aus Giebelstadt steht mit Constantin von Bülow nun ein hauseigener Sanierer des Investors Oaktree.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mittelstandsanleihen-Ticker Deutsche Forfait mit hohem Verlust

Das Rating des Hemdenherstellers Seidensticker sinkt auf B+. Stefan Lübbe, Mehrheitsaktionär des Bastei-Lübbe-Verlags ist unerwartet verstorben. Mehr

14.10.2014, 15:20 Uhr | Finanzen
Genmais für Europa

Neue Märkte für amerikanischen Genmais, darauf hoffen die US-Farmer. Sie sehen das Freihandelsabkommen TTIP als Chance, den europäischen Markt zu erschließen. Die Angst vor gentechnisch veränderten Lebensmitteln können sie nicht verstehen. Mehr

22.08.2014, 15:00 Uhr | Wirtschaft
Wegen Glasscherben Netto ruft Sauerkirschen zurück

Weil sich in einigen Gläsern Glasscherben befinden könnten, ruft Netto eingemachte Sauerkirschen der Marke Beste Ernte zurück. Der Markt hat für Kunden auch eine Service-Hotline eingerichtet. Mehr

09.10.2014, 11:32 Uhr | Finanzen
Neuseeländische Segler gewinnen vor Istanbul

Segeln vor einmaliger Kulisse - ob die Sieger der letzten Wettfahrt der Extreme Sailing Series während des Segelns dafür Augen hatten, darf bezweifelt werden. Zu sehr war das Emirates Team New Zealand vor Istanbul mit seinem ersten Sieg des Jahres beschäftigt. Mehr

15.09.2014, 18:12 Uhr | Sport
Herkunftshinweise Salopp gesagt ist das fake

Ausgerechnet in der EU, wo jeder Apfel genormt ist, sind Made in-Hinweise in Kleidungsstücken nicht Pflicht. Das könnte sich bald ändern. Mehr Von Jennifer Wiebking

11.10.2014, 11:58 Uhr | Stil
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 17.08.2013, 19:23 Uhr

Im Paradies der Diebe

Von Holger Appel

Jetzt ist der Range Rover weg. Dreimal hatten die Halunken zuvor sich an Blech und Scheiben versucht und waren jedes Mal an der offenbar nicht ganz doofen Wegfahrsperre gescheitert. Mehr 13 9