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Webshots Immer nur lächeln

 ·  Webshots war und ist noch bis Dezember etwas für eher reifere Jahrgänge und ein mehr amerikanisches als ein internationales Phänomen.

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Die Ersten werden die Letzten sein? Ein bisschen wahrer als diese Verheißung ist die - zum Beispiel bei Internet-Services überprüfbare - Feststellung: Die Letzten werden die Ersten sein, und die Ersten versuchen immer so weiterzumachen, wie sie in der Steinzeit angefangen haben. Jüngstes Beispiel: Webshots, Mitte der 1990er Jahre gestartet und 1999 eines der ersten Picture-Sharing-Portale, will sich unter dem Namen Smile im Verlauf des Herbstes zu einem Bilder-Tausch-Portal wandeln. Wie bitte? Doch, ja, und jetzt kommt es: Man will sich als eine Art von Photostream denen andienen, die gewöhnlich nicht via Facebook oder Instagram ihre Schnappschüsse ins Netz posten.

Aus sicherer Entfernung beobachtet - Webshots war und ist noch bis Dezember etwas für eher reifere Jahrgänge und ein mehr amerikanisches als ein internationales Phänomen: Nach schieren Zahlen der gehosteten Bilder ist Facebook längst enteilt. Die irgendwo zwischen 600 und 700 Millionen Fotos von Webshots sind ein Klacks gegen die - allerdings ganz anders geordneten - Milliarden von Facebook. Webshots hat versucht, als Ordnungsprinzip Themenbereiche zu bieten, unter denen die Benutzer ihre Bilder einstellen konnten. Das führte zum Beispiel dazu, dass unter der Rubrik „Good Times“, Unterabteilung „Modeling“ jemand seine anderthalb Hundertschaften umfassende Sammlung von Polizeiautomodellen akribisch Stück für Stück aus exakt dem gleichen Winkel ablichtete, andere aber ihren Besitzerstolz unter der Überschrift „My sexy Wife“ auslebten.

Die überwiegende Mehrheit der Bilder sind laienhaft gemachte Privatfotos: Das, typisch Amerika, „Homecoming“ der Tochter, die Kreuzfahrt in der Karibik, das neue Auto, die abgelegte Freundin, Spring Break, Haustiere, ein Rockkonzert oder ein „Bikini Contest“ bei Hooters. Dazwischen, denn alles war eigentlich ein großes Durcheinander, entdeckte man aber auch zum Beispiel offizielle Bilder von Schiffen und Flugzeugen der U.S.Navy, Glamourfotos in Studioqualität, religiöse Handarbeiten oder Naturfotografie auf professionellem Niveau. Nicht von ungefähr, schließlich war Webshots ursprünglich mit PC-Hintergrund-Bildern („Wallpapers“) und Motiven für Bildschirmschoner gestartet und gehörte in seiner geschäftlich wechselvollen Geschichte nach 2007 American Greetings.

Das darf einen alles völlig unberührt lassen, leid tun können einem nur die Armen, die nichts anderes wollten, als für ihren Weihnachtskalender Fotos herunterladen. Die wollen nämlich kein Foto-Sharing à la Facebook. Oder jene, die liebevoll und zeitaufwendig ihre Erinnerungen zu Alben komponiert hatten und nach der Migration von Webshots zu Smile an ihre Erinnerungen nicht mehr herankommen. Da ist in manchen Foren Heulen und Zähneklappern, um nicht zu sagen blanker Hass („I HATE IT ... HATE IT ... HATE IT!!!“), dieweil die offiziell von Smile vorgefertigten Fragen und Antworten alles als kinderleicht und höchst vorteilhaft darstellen. Dass Smile in Zukunft grundsätzlich kostenpflichtig wird, nur nebenbei.

Zu denken geben kann das Ganze auch jemandem, der gar nichts mit Webshots zu tun hat. Insofern nämlich, als die berühmte Cloud, in der alles so sicher aufbewahrt sein soll, prinzipiell von Fremden gestaltet wird und eben auch umgestaltet werden kann. Hat nicht Google+ den Picasa-Webalben eine bis zur Unbrauchbarkeit aufgemotzte Ansicht beschert?

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Jahrgang 1949, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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