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VW Passat 1.4 TSI Eco Fuel Stark und sparsam mit Turbo und Kompressor

 ·  Volltanken für 20 Euro? Kein Problem bei einem Erdgasauto. Und der Fahrspaß kommt mit dem VW Passat 1.4 TSI Eco Fuel nicht zu kurz. Ein Fahrtbericht.

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Als die Dieselmotoren mit Turbos aufgeladen wurden, war das der Durchbruch. Bei den erdgasbetriebenen Fahrzeugen zeigt sich seit 2009 eine ähnliche Tendenz. Opel brachte den Zafira Eco Flex Turbo, der hinsichtlich Elastizität und Beschleunigung alle Klischees vom „lahmen“ Erdgasfahrzeug überzeugend widerlegt. Mit 110 kW (150 PS) und einem Drehmoment von 210 Newtonmeter (bei 2300 bis 5000/min) kommt man flott voran.

Volkswagen hat für den eiligen Sparer einen weiteren Pfeil im Köcher. Schaufelt der Abgasturbolader bei hoher Drehzahl ordentlich Luft in die Zylinder, springt zusätzlich der Kompressor bei niedrigen Motordrehzahlen ein: Es gibt also mehr Schwung beim Anfahren. Für die Verwendung von Erdgas ist das ideal, denn dadurch kann der Motor schon bei niedriger Drehzahl mit guter Füllung und hoher Verdichtung arbeiten. Wir haben den Passat 1.4 TSI Eco Fuel erprobt, der aus 1,4 Liter Hubraum ebenfalls 110 kW (150 PS) holt und dessen 220 Newtonmeter Drehmoment schon zwischen 1500 und 4500/min anliegen.

Von Behäbigkeit keine Spur

In der Tat ist beim Anfahren ein gewisses Feingefühl vonnöten, zumindest mit dem Sieben-Gang-DSG. Auf den ersten Metern legt sich der Passat scharf ins Zeug, bevor er dann schön linear den Drehzahlberg erklimmt. Im Unterschied zum Erdgas-Zafira ist kein Turboloch zu spüren, und der Standardsprint von 0 auf 100 km/h gelingt in weniger als zehn Sekunden. Auch danach geht es flott weiter, man landet zügig bei einer angenehmen Reisegeschwindigkeit von 180 km/h, bevor dann etwas Geduld bis zum Erreichen der Höchstgeschwindigkeit von 215 km/h gefordert ist. Kurzum: Bei den Fahrleistungen gibt es wirklich nichts auszusetzen, kein Vergleich also mit den Erdgasfahrzeugen der Vergangenheit, mit denen man sich bei hohen Drehzahlen nur behäbig bewegte.

Und dann kommt gleich der zweite Pluspunkt: der geringe Verbrauch. Typischerweise konsumiert ein Erdgasfahrzeug um sechs Kilogramm auf 100 Kilometer. Ein Kilo hat den Energiegehalt von 1,5 Liter Superbenzin. Mit dem Passat kamen wir ungeachtet der sehr kalten Witterung auf durchschnittlich 5,6 Kilogramm. Das ist nicht nur eine erfreuliche Zahl auf dem Papier, sondern bedeutet im täglichen Fahrbetrieb, dass man immer mit einer Reichweite von 300 Kilometer und bei zurückhaltender Fahrweise sogar mit 400 Kilometer rechnen darf. Ist bei der Konkurrenz von 250 Kilometer an die gelegentlich nervenaufreibende Tankstellensuche erforderlich, freut sich hier der Vielfahrer über die zusätzliche Reserve. Denn nur 900 der 15 000 Tankstellen in Deutschland bieten überhaupt CNG, „Compressed Natural Gas“ an.

31 Liter Benzin als Notvorrat

Ferner ist der Volkswagen bivalent ausgelegt, bringt also einen zwar reduzierten, aber mit einem Fassungsvermögen von 31 Liter hinreichend großen Benzintank mit: So ist also auch eine längere Auslandsreise in Ländern ohne Erdgasversorgung möglich.

Zum Vergleich: Die monovalenten Erdgasfahrzeuge wie der Zafira haben nur einen Benzin-Notvorrat von maximal 15 Liter. Eine weitere Besonderheit des Passat ist die fehlende Option, zwischen Benzin und Erdgas manuell umschalten zu können. Der Gasbetrieb ist die Standardeinstellung. Lediglich beim Kaltstart und bei sehr niedrigen Außentemperaturen wird kurzzeitig auf Benzin umgeschaltet. Ist das Gas aufgebraucht, erfolgt automatisch der Rückgriff aufs Benzin. Der fehlende Schalter ist also kein Nachteil, denn es gibt keinen Grund, den teureren Kraftstoff zu wählen. Zumal auch die Fahrleistungen nahezu identisch sind.

Drei Stahltanks unter dem Laderaumboden und in der Reserveradmulde nehmen bis zu 21 Kilogramm Gas auf. Das Kofferraumvolumen wird nicht angetastet und beträgt bei der von uns gefahrenen Stufenhecklimousine wie gehabt 565 Liter. Allerdings ist der Eco Fuel 160 Kilogramm schwerer als sein benzinbetriebenes Pendant und bringt fast 1,6 Tonnen auf die Waage. Mit Erdgas erreicht der Passat, der in der Emissionsklasse Euro 5 fährt, einen CO2-Ausstoß von 117 Gramm je Kilometer, was grüne Gemüter wohlwollend zur Kenntnis nehmen dürften.

Im Innenraum unterscheidet sich der Erdgas-Passat nur in einem Detail von seinen konventionell angetriebenen Brüdern: Es gibt zwei analoge Tankuhren, eine für Gas und eine für den Benzinvorrat. Mustergültig und nicht selbstverständlich: Der Bordcomputer zeigt detailliert den Momentan- und Durchschnittsverbrauch auch im Gasbetrieb an, ferner bietet er eine ordentliche Schätzung der Reichweite und ermittelt sogar den Energiegehalt des Gases, denn neben H-Gas mit einem Methananteil zwischen 87 und 99 Prozent vertreiben einige Tankstellen auch das günstigere L-Gas mit einem Methangehalt von 79 bis 87 Prozent. Und schließlich: Das Volkswagen-Navigationssystem RNS 510 kennt die Gastankstellen in der Umgebung und zeigt sie übersichtlich in der Landkartendarstellung als Sonderziele an.

In der kleinsten Ausstattungsvariante kostet der Eco Fuel 30 250 Euro. Von den Fahrleistungen her ist der Passat 2.0 TDI mit 103 kW (140 PS) der passende Vergleichspartner. Er ist von 28 425 Euro an zu haben. Wie bei jedem Erdgasfahrzeug gilt also auch hier: Man muss erst einige 10 000 Kilometer zurücklegen, bevor aus dem Fahrspaß die Freude am Sparen wird. Mit seiner sauberen Verbrennung wird Erdgas bis Ende 2018 steuerlich begünstigt. Wir tankten ein Kilogramm für durchschnittlich 1,09 Euro und hatten somit Kraftstoffkosten von 6,10 Euro auf 100 Kilometer. Um bei dieser Hausnummer mit einem Dieselfahrzeug mithalten zu können, dürfte es nicht mehr als 4,2 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen. Nebenbei: Angesichts der derzeit hohen Kraftstoffpreise ist jedes Volltanken für 20 Euro ein ganz besonderes Vergnügen.

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23.03.2012, 09:45 Uhr

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Von Michael Spehr

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