09.09.2008 · Man soll nicht immer nach dem ersten Eindruck urteilen. Mit den Worten „Was ist denn das für'n oller Kahn?“ liegt man hier daneben. Was von weitem nach mühsam vorm Abtauchen bewahrter Antiquität aussieht, ist hochmoderner Bootsbau.
Man soll nicht immer nach dem ersten Eindruck urteilen. Mit den Worten "Was ist denn das für'n oller Kahn?" liegt man hier daneben. Was von weitem nach mühsam vorm Abtauchen bewahrter Antiquität aussieht, ist hochmoderner Bootsbau. Wenn auch in der Gestalt von vorgestern. Marine-Barkassen aus der Zeit vor rund 100 Jahren dienen als Vorbild für die Schiffchen von Van Speijk.
Einst wurden Matrosen damit Rudermuskeln antrainiert oder Segelkenntnisse vermittelt, sie dienten zum Verpflegungstransport zu den großen Schiffen oder machten sich beim Ankerausbringen nützlich. Heute fährt man damit nach Feierabend raus und köpft eine Flasche Rotwein, nimmt wahlweise Freunde oder Familie zu einem Wochenendausflug mit. Ein Motor treibt an, die Fortbewegung per Armzug ist nicht mehr vorgesehen. Wohl aber hat man aus nostalgischen Gründen die Ausbuchtungen für die Ruder an den Rumpfkanten beibehalten. Van Speijk lässt seine urig aussehenden Wasserfahrzeuge bei der Yachtwerft Bouwmeester in Amsterdam fertigen. In einer sehr fortschrittlichen Bauweise: Die Rümpfe bestehen aus einem Epoxidharz-Laminat mit Schaumkern; auf die Innenseite kommt Teakfurnier, auf die Außenseite entweder Teak oder Kunststoff. Das macht die Neubau-Klassiker leicht, pflegeleicht und steif. Auch bei den Einbauten, die nach den Wünschen des Auftraggebers zusammengestellt werden, wird auf Gewichtsersparnis geachtet. Eine Kabine unter dem Vordeck bietet Unterschlupf, das ganze Boot lässt sich per Stoffverdeck teilweise oder ganz überdachen.
Drei Typen sind im Programm, die Van Speijk 20 (6 m), ganz neu die 26 (8 m) und die 32 (9,70 m), jeweils mit Volvo-Einbau-Dieseln ausgestattet und bis zu 20 Knoten schnell, auch dank eines Tragflügels unterhalb des Hecks. Da kommt kein rudernder Matrosentrupp mehr mit. Allerdings haben die Anschaffungskosten auch eine Höhe erreicht, die mit dem Königlichen Verteidigungsetat nicht mehr in Einklang zu bringen ist: 99.000 bis 200.000 Euro je nach Modell und Ausstattung. Hohes Niveau eben.