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Unterwegs bequem tippen Bürostimmung mit iPad und Android-Smartphones

 ·  Größere Smartphone-Bildschirme machen Handys interessant für mobile Büroarbeit. Erst recht beim Tablet-PC stellt sich die Frage: Wie funktioniert unterwegs Textverarbeitung?

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© Pardey Fast ein Notebook: Bluetooth-Tastatur mit dem Samsung Galaxy Tab N10 im Case der Key Folio von Kensington

Einfach nur unformatierten Text zu verfassen, das erscheint heute als geradezu primitiv. Allenfalls die Länge der Texte, die man mit zwei Daumen tasten und auf dem Handydisplay darstellen kann, erscheint diskussionswürdig. In den zu Tablets, Smartphones und ihren Betriebssystemen Hilfestellung leistenden Foren und Buntblättern dreht sich alles um anderes: ob Fußnoten einer grafisch gestalteten Seite oder die Bildunterschrift einer vom Text umflossenen Illustration korrekt so wiedergegeben werden, wie sie die Kollegin mit einer Office-Suite auf dem Windows-PC oder einem Mac produziert hat. Und wie man mittels Stift oder Fingerspitze auf dem kapazitiven Touchscreen in Rechenblättern oder Präsentationsgrafik Autorenkorrekturen letzter Hand anbringen kann - oder eben nicht.

Im Zeichen des angebissenen Apfels ist weder die reine Texterfassung noch eine hübsche Dokumentengestaltung problematisch. Apples iPad hat den Vorzug, länger auf dem Markt zu sein, bei den Apps hat man deutlich mehr Auswahl als etwa auf dem Android Market. Geht es um schlichtes Schreiben ohne Schnickschnack, können wir Office2 HD (6 Euro) empfehlen. Wie der Name bereits andeutet, besteht das Paket aus Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentations-Software. Was man auf dem Bildschirm sieht, ist schlicht gehalten - aber funktional und vor allem weitgehend kompatibel mit der Microsoft-Familie. Die Dokumentenabteilung versteht sogar Office Open XML von Word 2010, das Excel- und Powerpoint-Pendant reichen bis Office 2003. Allerdings wird nicht jede Finesse 1:1 übernommen.

Darstellungsprobleme in Android treiben Nutzer in den Wahnsinn 

Der große Pluspunkt von Office2HD ist seine geschickte Datensynchronisation mit dem PC oder Mac. Zum einen lässt sich per Wireless-Lan auf die von Office2HD verwalteten Dateien zugreifen. Im Datei-Explorer gibt man einfach eine http-Adresse ein, schon kann man seine Dokumente drahtlos kopieren. Zum anderen erlaubt die Software eine nahezu perfekte Dropbox-Anbindung, und nicht nur das. Unterstützt werden auch weitere Cloud-Speicher wie Google Docs, My Disk, box.net sowie WebDAV-Speicher, wie ihn etwa T-Online oder GMX anbieten. Der jeweilige Dienst muss nur einmal eingerichtet werden und steht anschließend wie ein Laufwerk zur Verfügung. Man kann Ordner anlegen, vom Cloud-Speicher aufs iPad kopieren - oder direkt auf dem externen Speicher arbeiten.

Apples hochgelobtes Pages (8 Euro) hält hier nicht ansatzweise mit. Zugegeben: Es bietet hinsichtlich Layout, Grafikeinbindung und Gestaltung deutlich mehr als die Konkurrenz und darf schon fast als kleines Desktop-Publishing-System gelten. Aber das Zusammenspiel mit anderen Diensten beschränkt sich auf die iCloud und iWork von Apple sowie WebDAV, hier fehlt also einiges. Documents to Go Premium von Data Viz (14 Euro) ist zwischen diesen beiden Extremen angesiedelt: Alle wichtigen Cloud-Dienste werden unterstützt, ferner die Microsoft-Formate bis einschließlich Office 2010. Diese App ist auch für den Blackberry und unter Android laufende Geräte zu haben.

Aber da läuft eben nicht ein Android, sondern verschiedene Versionen von Googles Betriebssystem auf Smartphones und Tablets diverser Hersteller. Die daraus resultierenden Darstellungsprobleme können Nutzer wirklich in den Wahnsinn treiben - wenn es für sie entscheidend ist, gestaltete Dokumente ansehen und bearbeiten zu können. Was mit der einen Android-Version auf einem Gerät klappt, funktioniert unter Umständen auf einem anderen Gerät desselben Herstellers nur unzureichend oder überhaupt nicht. Die Trost und Hilfe spendenden Foren sind voll von Berichten, was läuft und was nicht - statt Durchblick regiert die simple Empirie durch in der Netzwelt weitergesagte Empfehlungen.

Bernstein-Monitor-Ansicht von anno MS-Dos 3.2

Vielgelobt wird im Reiche des kleinen grünen Robots zur bloßen Textbearbeitung der Jota Text Editor, der im Android Market ohne nervende Werbung oder die fortwährende Aufforderung, zur Vollversion zu aktualisieren, zu haben ist. Der Purismus dieser App erinnert an QEdit auf dem PC. Bei Aufruf des Jota Editors sieht man über der vom Gerät eingeblendeten Android-Tastatur kaum mehr als die Schreibzeile und den Cursor. Apropos: Zu den versionsabhängigen Dämlichkeiten der Android-Soft-Tastatur gehört, dass abgesehen vom Fehlen der Umlaute der in der Mobilkommunikation ja nicht völlig unwichtige Klammeraffe auf einer erst nach Umschalten erreichbaren Ebene des Tastatur-Layouts liegt. Über den auf dem Bildschirm des Tablets simulierten Tasten bleibt für zehn Zeilen Text Platz sowie für sieben Menü-Tasten.

Gern würde der auf Anschläge genau schreibende Verfasser die Zeichenzahl dauernd sehen. Im Editier-Modus markiert, streicht und ersetzt man mit den üblichen Taststatur-Kürzeln wie Shift-Pfeil-rechts oder mittels der von Jota eingespiegelten Funktionstasten. Schriftart und -größe, Zeilenumbruch und sogar die Bildschirmfarben lassen sich einstellen - und so zeigt Jota auf dem Tablet die Bernstein-Monitor-Ansicht von anno MS-Dos 3.2. Eine zunächst gar nicht sonderlich auffällige Stärke der App ist das Erkennen und klaglose Verarbeiten verschiedenster Zeichenkodierungen.

Dem Schmierfinger strikt vorzuziehen

Richtig flott geht die Tipperei aber erst mit einer externen Bluetooth-Qwertz-Tastatur wie der Key Folio Universal von Kensington (rund 70 Euro). Nach ein sisschen Installationsgefummel erkennt ein Tablet von Samsung, Acer oder Motorola die Tastatur. Beides zusammen sitzt in einem faltbaren und an verschiedene Geräte anpassbaren, beim Transport mit einem Gummiband geschlossenen Case. Da wird der Tablet fast zu einem Notebook, und für den Stift als Mausersatz ist auch Platz im Transportbehältnis. Ein Manko: Temperamentvolle Tipper bringen die Tastatur leicht zum Prellen - da wird aus ll schnell mal lllll.

Fast Bürostimmung kommt auf, wenn auf einer solchen Kombination aus Tablet und Tastatur eine App wie Documents to go oder Polaris Office läuft. Weitestgehend kompatible Darstellung von Office-Dokumenten, Verwalten und Speichern lokal wie in der Cloud, externe Tastatur und Stift als Maus aber sind dem Schmierfinger strikt vorzuziehen.

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Jahrgang 1964, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

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Von Hans-Heinrich Pardey

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