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Zukunftstechnik Internet, Fernsehen und Handys kommen zusammen

18.10.2008 ·  In der Forschung für neue Medien: Das Fraunhofer-Institut Fokus beweist frische Ideen für IPTV und das mobile Web 2.0. Zwei Szenarien zeigen exemplarisch, was sich mit real existierender Technik schon heute alles machen lässt.

Von Rainer Bücken
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Das Fraunhofer-Institut Fokus nimmt die wohltönenden Medienutopien gern beim Wort: IPTV, also die Fernsehprogramm-Verteilung über das Internet, hat aus der Sicht der Berliner Wissenschaftler nur dann einen Sinn, wenn es die versprochene Interaktivität mit neuen Nützlichkeiten einlöst. Und Web 2.0, das Internet zum Mitmachen, läuft erst dann zur Hochform auf, wenn es mobil wird und so den aushäusigen Alltag bereichert.

Zwei Fraunhofer-Szenarien, demonstriert im Technisch-Wissenschaftlichen Forum (TWF) der Internationalen Funkausstellung Ende August, zeigen exemplarisch, was sich mit real existierender Technik schon heute alles machen lässt.

Gleich am Eingang des TWF hatte es sich Bob gemütlich gemacht. Er durfte den ganzen Tag fernsehen und telefonieren. Meistens war es Alice, die immer wieder vom Bodensee anrief. Doch Bob verpasst nur ungern etwas im Fernsehen, und so nutzt er eine Technik, die das Bild automatisch einfriert, sobald die grüne Taste auf dem Telefon gedrückt wird. Ist das Gespräch beendet, läuft das Bild weiter. Aber Bob schaut nicht beliebig fern, er lässt sich Sendungen über eine „Content Recommendation Engine“ vorschlagen. Der Anbieter kennt die Metadaten der Programme und die Profile seiner Kunden, und die werden mit jeder abgegebenen Bewertung einer Sendung schärfer. Alles läuft über das IPTV-Netz - ebenso wie Abstimmungen oder interaktive Werbung.

Fernsehwerbung wird personalisiert

Unter den vielen Sendungen gibt es die eine oder andere, die Bob auch seinen Freunden empfehlen möchte. Schließlich ist eingeblendet, wer aus der „Community“ gerade den Fernseher eingeschaltet hat. Es reicht ein Klick, und schon macht sich die Programmempfehlung auf den Weg, oder das ganze Programm wandert mal eben von Berlin an den Bodensee. Und wenn das dann bei Alice angekommen ist, können sich beide per TV-Chat austauschen, bis zur Verabredung einer gemeinsamen Reise. „Alle hier genutzten Dienste beruhen auf dem Internet-Protokoll, und so kommt es zur Konvergenz von Internet, Fernsehen und Telekommunikationstechniken auf technischer Ebene“, erklärt Robert Seeliger vom Fraunhofer-Institut Fokus.

Die Individualisierung hört bei Programm-Empfehlungen nicht auf. Selbst wenn sich Bob und Alice das gleiche Programm ansehen, bekommen sie unterschiedliche Werbespots vorgesetzt. Während er sich für Vierrädriges interessiert, erwärmt sie sich für alle Vierpfötigen und bekommt öfter mal Reklame für animalische Dosen-Menüs zu sehen.

Was bei Flickr und YouTube passiert, lässt sich auch aufs Handy bringen

Von der gezielten Werbe-Ansprache zum Teleshopping der neuen Art ist es nicht weit: Ein Druck auf die Taste „Kaufen“ - schon blättert sich ein Menü auf, das zur Eingabe der üblichen Angaben auffordert. Im Internet ist das schon heute selbstverständlich, im Fernsehen waren alle einschlägigen Ansätze unter dem Zeichen MHP bislang gefloppt. Jetzt also der neue Weg: Internet, Fernsehen und Handys kommen zusammen. Das geht nicht von allein: Kleine portierbare Computerprogramme, die auf dem TV-Bildschirm ablaufen und selbst keine ständige Internet-Verbindung benötigen, machen hier die Arbeit. Da ist dann von Widgets oder Applets die Rede. „Die Zuschauer bleiben vor dem Fernseher, brauchen den PC nicht zu starten und können trotzdem über beliebige Entfernungen miteinander kommunizieren und interagieren“, sagt Seeliger voraus.

Verlassen wir Bob und besuchen David. Der arbeitet unter dem Motto Web 2.0 an der nächsten Internet-Generation, die auch unterwegs als Mitmach-Medium funktioniert. Da kommen Dienste und Inhalte nicht mehr aus einer großen Zentrale, sondern jeder Nutzer wird auch Inhalteanbieter. Was jetzt schon bei Flickr und YouTube passiert, lässt sich auch aufs Handy bringen. „Einfache Mittel wie Widgets spielen dabei eine Schlüsselrolle“, erläutert David Linner von Fokus.

Mitfahrgelegenheiten per Knopfdruck

Offensichtlich hat Linner beim Bus häufiger nur noch die Rücklichter gesehen, und kein freundlicher Autofahrer war in Sicht. Daraus entwickelte er die Idee des virtuellen Car Sharing. Ähnliches gab es bereits Ende der sechziger Jahre. Da klebte in vielen Autos ein roter Punkt an der Frontscheibe, Signal für die Mitnahmebereitschaft von Anhaltern, die sich gegen steigende Tarife wehrten. Jetzt hilft das Telefon, zeitliche Engpässe zu entschärfen. Wer Bus oder Bahn verpasst hat, aktiviert auf dem Handy ein Widget und signalisiert der virtuellen Mitfahrzentrale seinen Fahrwunsch.

Ein bereitwilliger Autofahrer in der Nähe bekommt den Hilferuf aufs Handy und erfährt so Straßenecke oder Bushaltestelle des Mitfahrers und dessen Wunschziel. Möglich ist auch ein Telefongespräch zwischen beiden oder die Sammlung weiterer Mitfahrkandidaten. „Später können beide Parteien auch noch Bewertungen im Netz abgeben“, denkt Linner das Szenario weiter. Für Handys mit GPS sollte der 10-Meter-Ortungskreis exakt genug sein, um den Mitfahrer zu erkennen. Vielleicht kommt es ja dann doch noch zu einer Renaissance des roten Punkts.

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