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Veröffentlicht: 13.03.2017, 11:01 Uhr

Wintersport-Spezial Mit Kernkraft, Visier und Synthetik auf die Piste

Völkl zieht in seinen Allroundstar eine Lasche ein. Uvex bringt die nächste Version seines Visierhelms. Und Primaloft imitiert für Jacken Daune mit synthetischer Wattierung.

von und
© Hersteller Auch wenn im Flachland schon der Frühling ruft: In den Alpen darf noch kräftig Ski gefahren werden

Nach der Mittagspause versehentlich zum falschen Ski gegriffen. Das kann schon mal vorkommen, ändert sich die Farbgebung am Spitzenmodell der Allmountainreihe in der nächsten Saison doch nur so, dass der RTM wiedererkennbar bleibt. Ob sie nun cool ist oder nicht, das ist Geschmackssache und im Schnee von untergeordneter Bedeutung. Völkl hat zum Winter 2017/18 auch die inneren Werte überarbeitet. Die bisher zwischen Belag und Holzkern flach aufgetragene Lage Fiberglas wird fortan in einer Art Lasche um die Seitenwangen gezogen, was ebendort für höhere Steifigkeit und entschlosseneren Griff sorgen soll. Um das herauszufahren, muss man das jetzige Modell im direkten Vergleich zu Fuß haben und zudem ein Spezialist ausgesuchter Feinfühligkeit sein.

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Wir können jedenfalls nach einigen Tagen in wechselnden Schneeverhältnissen von erfreulichem Biss berichten, auf der Kante packt der neue RTM kraftvoll zu. Trotz seiner üppigen Mittenbreite von 86 Millimetern lässt er sich locker von einem in den anderen Schwung werfen, er fährt sich agiler, als er aussieht, ohne sportlich letzte Rille zu fordern. Vermutlich kommt dem nicht mehr ganz so wagemutigen Fahrer die ungewöhnliche Konstruktion zugute, die unverändert auf lang gerockerte, steif ausgelegte Enden und Vorspannung unter der Bindung setzt. Vorn fangen Uvo genannte Dämpfer unerwünschte Schwingungen ein.

45283824 © Hersteller Vergrößern Neues Design, neue Innereien, neue Bindung: RTM 86

Im strammen Schuss auf harter Piste haben wir uns dennoch nicht vollkommen beruhigt gefühlt. Aber im über Nacht frisch aufgetragenen Schnee spielt der Ski sein ganzes Können aus. Er gleitet über die weiße Pracht, ist bestens beherrschbar, folgt willig den Befehlen und fordert relativ wenig Kraft auf und abseits der Hauptfahrspur. Wer mag, kann ihn auch mit Gripwalk-Stiefeln fahren.

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Die Bindung verträgt sich fortan mit einem neuen Schuh, der mit seiner gewölbten Gummisohle aus der Norm ausbricht und für gemütlichere und sicherere Wege zwischen Parkplatz und Lift sorgen soll. Wir haben den Hang noch mit gewöhnlichen Salomons geentert und waren auch reichlich zufrieden.

Der unverbindliche 900 Euro teure RTM ist ein ausgesprochen feiner Allrounder für die anstrengenderen Teile nach dem ersten Glühwein oder einfach für alle, die in der zweiten Hälfte ihrer Skikarriere nicht mehr rückwärts durch die Halfpipe fliegen.

Neuer Uvex-Visierhelm Hlmt 500

Der Visierhelm mag praktisch sein. Vor allem für Brillenträger ist er ein Segen, weil deren optische Sehhilfe nicht mit einer Skibrille ins Gehege kommt. Aber Visierhelme sind selten schick, gelten als Merkmal des betulichen Skifahrens und haben somit nach wie vor ein Imageproblem — vor allem unter sich sportlich gebenden Typen. Uvex will das nicht mehr hinnehmen und präsentiert zur Wintersportsaison 2017/18 mit dem Modell Hlmt 500 Visor eine trendige Murmel in schicker, klarer Linienführung mit großem, futuristisch gewölbtem Antifog-Visier, das in unterschiedlichen Tönungen und verspiegelten Farben zu haben ist.

45283819 © Hersteller Vergrößern Uvex-Chromhelm mit ...

Wir waren beim Ausprobieren überrascht von den praktischen Qualitäten des Schönlings. Das Sichtfeld ist enorm, wird nicht von einem Brillenrahmen beeinträchtigt. Allenfalls nur am unteren Rang kommt leicht die Schaumstoffkante des Visiers in den Blick. Das schließt erstaunlich gut und fast druckfrei am Gesicht ab, wir verspürten um die Augen herum keinerlei unangenehmen Zug. Das mag von Kopfform zu Kopfform unterschiedlich sein, in unserem Fall war die Passform perfekt. Einen Nachteil allerdings stellten wir dennoch fest: Im dichten Schneetreiben kann es passieren, dass von oben her ein paar Flocken eindringen, die sich dann am Schaumstoff auf der Visierkante sammeln. Gravierend ist das jedoch nicht.

45283820 © Hersteller Vergrößern ... mit Visier

Den Hlmt-Helm gibt es in drei Schalengrößen (ABS-Kunststoff, Styropor-Dämpfung) für 250 Euro, was ein stolzer Preis ist, der sich allerdings relativiert, weil ja keine separate Skibrille benötigt wird. Als Iconic-Variante mit verchromter Schale (Foto) kostet er schmerzhafte 350 Euro, spiegelt dafür allerdings auch wie eine Christbaumkugel und ist ein echter Hingucker. Uvex reklamiert für sich, der einzige Hersteller zu sein, der in der Lage ist, Skihelme ohne Sicherheitseinbußen zu verchromen. Werde das falsch gemacht, könne das Material darunter spröde werden, heißt es.

Primaloft imitiert Daune mit synthetischer Wirkung

In der ewigen Diskussion Daune oder Synthetik als Isolationsmaterial für Funktionskleidung meldet sich der Zulieferer Primaloft mit der neuen „Thermo Plume“ zu Wort. Es handelt sich um eine speziell hergerichtete Mikrofaser auf Polyesterbasis, von der ein neun Kilometer langes Stück nur ein Gramm wiegt. Winzige Schnipsel dieser Faser werden mechanisch, thermisch und chemisch zu Faserwölkchen verbunden und dienen dann als synthetische Alternative zur Daune, die im Grunde ein Nebenprodukt der Fleischproduktion und als solche nicht jedermanns Sache ist.

45283799 © Hersteller Vergrößern Montane-Jacke ...

Das synthetische Füllmaterial imitiert Haptik, Ästhetik und Beweglichkeit von Gänsedaune. Primaloft preist es als leicht, bauschig, sehr atmungsaktiv und eng zu verstauen sowie — im Gegensatz zur Daune — unempfindlich gegen Nässe. „Thermo Plume“ sei problemlos zu waschen und trockne rasch, verursache Allergikern keine Milbenprobleme. Allein bei extremer, trockener Kälte habe Daune Vorteile. Für die Produzenten bedeutsam: Während der Herstellung von Kleidungsstücken könnten die Faserbüschel mit den üblichen Daunenblasmaschinen eingebracht werden, hebt Primaloft hervor.

45283807 © Hersteller Vergrößern ... mit „Thermo Plume“-Isolierung statt Daune

Als erste mit „Thermo Plume“ gefütterte Produkte stellte neulich auf der Sportartikelmesse Ispo in München die britische Marke Montane aus Northumberland die sehr leichtgewichtigen Jacken Phoenix und Icarus (für Frauen und Männer, jeweils 175 Euro) vor. Ihr Außenmaterial (Pertex Quantum) besteht aus Recyclingmaterial und ist reißfest. Im Design äußerst schlicht gehalten, sollen sie von der Skitour übers Klettern bis zum Stadtbummel ein weites Spektrum abdecken.

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