http://www.faz.net/-gy9-6l5in
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 26.11.2010, 08:00 Uhr

Wintersport Individuelle Ski, warme Hände und manches aus der alten Zeit

Noch nie war die Vielfalt an Wintersportgeräten größer. Die kommende Saison bringt auf den Fahrer abgestimmte Ski, elektrisch beheizbare Handschuhe und „mitwachsende“ Kinderbekleidung.

von Gerd Gregor Feth
© Hersteller Beim Blizzard R-Power FS IQ beruhigt ein Öldruckdämpfer die Schaufel und das Skiende

Etwa 30 Prozent aller Skifahrer sind mit dem falschen Sportgerät unterwegs", meint Völkl-Entwickler Andi Mann. Als Lösung präsentieren die Straubinger Skischreiner ihre Rennmodelle Racetiger PSI (Power Switch Individual) sowohl in der Riesenslalomausführung RC als auch als Slalombrett SC (Preis: rund 650 Euro). Beide ziert eine Art Bügelfalte in der Mitte der Bretter; unter der ist eine federnd gelagerte Spindel aus Karbon eingezogen, die gespannt oder entlastet werden kann. Dadurch "flext" der Ski ganz unterschiedlich stark - das heißt, er bewegt sich unter dem Skifahrer. Damit der Händler den Ski optimal anpassen kann, erkundigt er sich bei seinem Kunden nach Alter, Gewicht und Fahrkönnen und liest aus einer Tabelle die entsprechende Vorspannung ab. Mit Hilfe eines speziellen Schlüssels wird die Strebe aus Karbon entsprechend eingestellt. Dabei gehen das Gewicht viermal, das Fahrkönnen zweimal und das Alter einmal in diese Berechnung ein.

Auf den Einsatz von Karbon setzt auch die österreichische Marke Blizzard. Eine Verstrebung aus diesem stabilen, leichten Material verteilt die Kräfte über den ganzen Blizzard R-Power FS IQ (rund 1100 Euro); ein Öldruckstoßdämpfer unter der Bindung dämpft die Bewegung des Skis auf harten Pisten spürbar, so dass er einfacher zu steuern ist. Unter idealen Bedingungen wie einer weichen Schneeauflage kann das High-Tech-Brett dafür etwas überdämpft wirken.

Mehr zum Thema

Die Jugend tendiert weniger zu solch hochgezüchteter Technik. Sie bevorzugt Ski, die bunt sind und unter der markenübergreifenden Bezeichnung "Rocker" bekannt und sozusagen "umgekehrt" konstruiert sind: hohe Schaufel, tiefer Stand. Damit fährt man natürlich etwas einfacher durch tiefen Schnee abseits der Piste. Bei Atomic spricht man vom Camber-Profil, mit dem Vorspannung und die Kontaktpunkte des Skis mit dem Schnee definiert werden. "Traditional" für normalen Ski, "adaptive" für das etwas aufgebogene und "Rocker"-Camber für das vorne und hinten extremer aufgebogene Brett.

Skisaison auf der Zugspitze eröffnet © dpa Vergrößern Mit der richtigen Ausrüstung kann die Wintersportsaison starten

Für all jene, die auch im Skisport den Naturschützer geben wollen, gibt es die politisch korrekten Bretter. Völkl baut beispielsweise seinen Amaruq eco ausschließlich mit dem natürlichen Rohstoff Holz, die Stahlkanten stammen zu 60 Prozent aus Alteisen, der Kunststoffbelag der Lauffläche ist gänzlich aus wiederverwertetem Granulat, Bioharz ersetzt Epoxid. Auch Atomic ist auf den Ökozug aufgesprungen und fertigt sein Touren-Snowboard aus einem Pappelholzkern und speziell verleimter Esche. Und Jute ersetzt die gewohnten Fiberglaseinlagen.

Warme Hände

Zurück zur Natur will so mancher auch bei der Funktionsunterwäsche: Auf der Haut nicht kratzende Saxon-Merino-Wolle ersetzt Kunststoff, der nach schweißtreibendem Sport manchmal etwas müffelt; die Ausrüstung mit Silberfäden, die den Geruch verhindern können, ist auch nicht jedermanns Sache. Diverse Marken wie Neve Designs mit der Kollektion "Prima Belle" beschäftigen sich damit. "Apani" - eine Zweitmarke der Schweizer "X-Bionic" - hält auf diese Weise warm und lässt überschüssige Feuchte nach außen dringen. Nur kostet die Garnitur zwischen 120 und 150 Euro, und sie ist vor allem empfindlich beim Aus- und Anziehen. Spezielle Stützstrümpfe von CEP bestehen noch aus Kunststoff, komprimieren aber angenehm die Bein- und Fußmuskulatur.

Nach einigen Jahren Entwicklungsarbeit hat jetzt der Skischuhheizer Therm-ic eine attraktive Kollektion elektrisch beheizbarer Handschuhe herausgebracht, die sich ergonomisch von ungeheizten nicht groß unterscheiden: Kein Akku stört mehr. Es werden nur die Fingerkuppen gewärmt, die dann aber für Wärme der gesamten Hand sorgen.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Feminismus in Pink? #SoSindWirFrauenWirklich

Sie sind im Alter ihrer Kundinnen, mögen Pink und knackige Sprüche: Wie feministische Designerinnen die Girl Power wiederbeleben. Mehr Von Isabel Leonhardt

27.04.2016, 08:36 Uhr | Stil
#Nilsläuft Ein Schuh für alle Fälle

Wer 230 Kilometer ohne Probleme laufen möchte, braucht das richtige Schuhwerk. Für den Spendenlauf habe ich fünf Paar Joggingschuhe getestet. Und meinen Favoriten gefunden. Mehr

28.04.2016, 10:34 Uhr | Sport
Luxus-Geschäfte Kaufhäuser in der Krise? Nicht in New York

In Deutschland haben Kaufhäuser es derzeit schwer. In New York hingegen sind viele neue Groß-Geschäfte geplant. Das Beispiel Barneys Downtown zeigt, wie es gehen könnte. Mehr Von Alfons Kaiser

30.04.2016, 15:14 Uhr | Stil
Video Zoo in Malaysia präsentiert Panda-Junges

Ein Zoo in Malaysia hat ein neun Monate altes Panda-Junges Nuan Nuan genannt, was so viel wie warm heißt. Die Eltern Liang Liang und Xing Xing sind eine Leihgabe aus China. Mehr

08.04.2016, 08:15 Uhr | Gesellschaft
Terror-Prozess in Frankfurt Der Mann mit dem Badewannen-Napalm

Wollte Halil D. am 1. Mai 2015 eine Bombe beim Radklassiker zünden? Auch ein Jahr nach Absage des Rennens ist die zentrale Frage im Prozess unbeantwortet. Die wichtigsten Fakten zum Fall. Mehr Von Denise Peikert

29.04.2016, 14:05 Uhr | Rhein-Main

Bitte Lesen!

Von Michael Spehr

Schalten Sie die Videos aus. Sie werden nichts vermissen und nichts verpassen. Alles Wichtige kann man lesen. Lesen Sie mehr. Es hilft. Mehr 1 22

Hinweis
Die Redaktion