Etwa 30 Prozent aller Skifahrer sind mit dem falschen Sportgerät unterwegs", meint Völkl-Entwickler Andi Mann. Als Lösung präsentieren die Straubinger Skischreiner ihre Rennmodelle Racetiger PSI (Power Switch Individual) sowohl in der Riesenslalomausführung RC als auch als Slalombrett SC (Preis: rund 650 Euro). Beide ziert eine Art Bügelfalte in der Mitte der Bretter; unter der ist eine federnd gelagerte Spindel aus Karbon eingezogen, die gespannt oder entlastet werden kann. Dadurch "flext" der Ski ganz unterschiedlich stark - das heißt, er bewegt sich unter dem Skifahrer. Damit der Händler den Ski optimal anpassen kann, erkundigt er sich bei seinem Kunden nach Alter, Gewicht und Fahrkönnen und liest aus einer Tabelle die entsprechende Vorspannung ab. Mit Hilfe eines speziellen Schlüssels wird die Strebe aus Karbon entsprechend eingestellt. Dabei gehen das Gewicht viermal, das Fahrkönnen zweimal und das Alter einmal in diese Berechnung ein.
Auf den Einsatz von Karbon setzt auch die österreichische Marke Blizzard. Eine Verstrebung aus diesem stabilen, leichten Material verteilt die Kräfte über den ganzen Blizzard R-Power FS IQ (rund 1100 Euro); ein Öldruckstoßdämpfer unter der Bindung dämpft die Bewegung des Skis auf harten Pisten spürbar, so dass er einfacher zu steuern ist. Unter idealen Bedingungen wie einer weichen Schneeauflage kann das High-Tech-Brett dafür etwas überdämpft wirken.
Die Jugend tendiert weniger zu solch hochgezüchteter Technik. Sie bevorzugt Ski, die bunt sind und unter der markenübergreifenden Bezeichnung "Rocker" bekannt und sozusagen "umgekehrt" konstruiert sind: hohe Schaufel, tiefer Stand. Damit fährt man natürlich etwas einfacher durch tiefen Schnee abseits der Piste. Bei Atomic spricht man vom Camber-Profil, mit dem Vorspannung und die Kontaktpunkte des Skis mit dem Schnee definiert werden. "Traditional" für normalen Ski, "adaptive" für das etwas aufgebogene und "Rocker"-Camber für das vorne und hinten extremer aufgebogene Brett.
Für all jene, die auch im Skisport den Naturschützer geben wollen, gibt es die politisch korrekten Bretter. Völkl baut beispielsweise seinen Amaruq eco ausschließlich mit dem natürlichen Rohstoff Holz, die Stahlkanten stammen zu 60 Prozent aus Alteisen, der Kunststoffbelag der Lauffläche ist gänzlich aus wiederverwertetem Granulat, Bioharz ersetzt Epoxid. Auch Atomic ist auf den Ökozug aufgesprungen und fertigt sein Touren-Snowboard aus einem Pappelholzkern und speziell verleimter Esche. Und Jute ersetzt die gewohnten Fiberglaseinlagen.
Warme Hände
Zurück zur Natur will so mancher auch bei der Funktionsunterwäsche: Auf der Haut nicht kratzende Saxon-Merino-Wolle ersetzt Kunststoff, der nach schweißtreibendem Sport manchmal etwas müffelt; die Ausrüstung mit Silberfäden, die den Geruch verhindern können, ist auch nicht jedermanns Sache. Diverse Marken wie Neve Designs mit der Kollektion "Prima Belle" beschäftigen sich damit. "Apani" - eine Zweitmarke der Schweizer "X-Bionic" - hält auf diese Weise warm und lässt überschüssige Feuchte nach außen dringen. Nur kostet die Garnitur zwischen 120 und 150 Euro, und sie ist vor allem empfindlich beim Aus- und Anziehen. Spezielle Stützstrümpfe von CEP bestehen noch aus Kunststoff, komprimieren aber angenehm die Bein- und Fußmuskulatur.
Nach einigen Jahren Entwicklungsarbeit hat jetzt der Skischuhheizer Therm-ic eine attraktive Kollektion elektrisch beheizbarer Handschuhe herausgebracht, die sich ergonomisch von ungeheizten nicht groß unterscheiden: Kein Akku stört mehr. Es werden nur die Fingerkuppen gewärmt, die dann aber für Wärme der gesamten Hand sorgen.
Druckstellen minimieren
Der wichtigste Ausrüstungsgegenstand beim Skifahren ist der Stiefel. Passt er, ist der Skitag möglicherweise ein Traum, drückt er nach einer Stunde, wird er zum Albtraum. Modelle von Atomic und Salomon zählen mittlerweile zu den bequemsten Schuhen. Dalbello aus Italien reiht sich ebenfalls hier ein. Tecnica, denen man einst vorgeworfen hatte, die Stiefel passten nicht sehr gut, haben jetzt bequemere Leisten. Bei dieser Marke gilt auch die ursprüngliche Farbenlehre nicht mehr: Orange ist nicht länger das Synonym für einen harten, unbequemen Schuh für leidensfähige Rennfahrer. Um vor Kälte zu schützen, tragen Stiefel von Tecnica jetzt sogar ein Luftkissen zwischen Schale und Innenschuh. Nur Lange zeigt noch mit hellblauer Farbe, dass man mit einem schmalen Leisten tapfer und hochsportlich unterwegs ist.
Der Inlineskate-Hersteller Roces Idea tritt jetzt auch als Skischuhproduzent für Kinder an. Sein Schuh kann in der Altersklasse von zweieinhalb bis etwa 15 Jahren gefahren werden, weil er "mitwächst". Denn die Außenschale lässt sich mühelos verlängern; der Innenschuh bedient sich des Ziehharmonikaprinzips, um sich den wachsenden Füßen eines Kindes anzupassen. Ob aber der Filius nicht allmählich aus modischen Gründen einen mehrschnalligen Schuh fahren möchte, könnte trotzdem zu einer Streitfrage in mancher Familie werden.
„Retro-Look“
Der Texilanbieter Maier Sports nimmt die Sorgen etlicher Eltern ernst, die kaum nachkommen, die Ausrüstung ihrer wachsenden Kinder der Körpergröße anzupassen. Er bietet den Sprösslingen drei verschiedene Weiten und verlängerbare Hosenbeine. Immerhin sind mindestens fünf Zentimeter Stoff im Saum versteckt, die bei Bedarf einfach rausgelassen werden können.
Erwachsene, die allenfalls noch in die Breite wachsen, müssen sich wieder mit dem figurbetonten Stil mit den seitlichen Rennstreifen wie in den siebziger Jahren auseinandersetzen. Die italienische Marke Colmar schneidert wieder eng, ihr Laminat erreicht - bei dem auf dieser Seite abgebildeten Anorak "Perform" - eine ziemlich hohe Wassersäule von 20 000 Millimetern; das ist praktisch wasserdicht. Nicht unerheblich ist dabei eine besonders hohe Atmungsaktivität, so dass man nicht im eigenen Saft steht.
Liebe zum Detail
Der Trend in der Skibrillenmode ist manchmal rückwärtsgewandt: Die traditionsreiche französische Marke Julbo geht gut 60 Jahre zurück: Damals - 1950 - bastelte man den ersten Gletscherbrillentyp "Vermont" mit seitlichen und zentralen Abschattungen aus Leder. Vorbild waren die seinerzeit von Julbo hergestellten Augenschutzgläser für Steinmetze und Schweißer; jetzt soll die neue "Micropores" (Preis: 119 Euro) die Augen vor Wind und ungefilterten Sonnenstrahlen beim Skifahren bewahren.
Wer nicht aufs Rustikale steht, trägt eine Vollvisierbrille von Alpina mit einer Quattroflex-Scheibe, in die eine Polarisationsfolie eingebaut ist; sie filtert störendes Reflex- und Blendlicht aus, eine photochrome Schicht lässt sie nur soviel wie nötig eindunkeln. Bei schlechtem Wetter oder während des Nachtskilaufs ist sie klar. Markenschwester Uvex konzentriert sich auf den schnellen Scheibenwechsel; Magneten halten sie sicher im Rahmen, wo sie leicht abgezogen werden können.
Es sind in dieser Saison weniger große Umwälzungen zu erkennen als Details, die das Skifahren einfacher und schöner machen sollen.
