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Weinverschlüsse Spätlese mit Schraubverschluss

28.06.2007 ·  Auf neuen Wegen der Technik: Beim Verschluss von Weinflaschen geht es nicht nur um Biochemie und Physik. Hinter dem magischen Plopp des Korkens und der Haptik neuer Verschlüsse steckt eine kleine Philosophie.

Von Peter Thomas
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Der Plopp des Korkens ist ein kulinarisches Ritual, das immer häufiger ohne den Verschlusszylinder aus der Rinde der Korkeiche (Quercus suber) auskommt. Denn zunehmend setzen sich alternative Verschlüsse für Weinflaschen durch. Grund für diesen Abschied sind vor allem jene fünf bis zehn Prozent aller Weinflaschen, die einen auf den Kork zurückgeführten Fehlton aufweisen. „Die EU-Kommission schätzt den Schaden durch Korkfehler im Wein auf jährlich 500 Millionen Euro“, weiß Ernst Büscher, Sprecher des Deutschen Weininstituts.

Als besonders zuverlässig gelten innovative Schraubverschlüsse. Über ein Gewinde pressen diese Hohlkörper eine Dichtscheibe auf den Rand des Flaschenhalses. Die einfachste Version dieser Technik ist der Anrollverschluss aus Leichtmetall, am sichtbaren Gewinde stoßen sich aber viele Verbraucher. Hochwertige Schraubverschlüsse wie Stelvin Lux (www.stelvin.alcan.com) und Global Cap WAK (www.globalcap-wineclosures.com) bestehen deshalb aus einer glatten Metallhülle, in der ein Kunststoffeinsatz mit Innengewinde sitzt. „Unser Verschluss hat die bekannte Form der Weinflaschenkapsel, vermeidet aber jene Probleme, die mit Kork verbunden werden“, sagt Alessandro Bocchio von Global Cap. Die Dichtungen innovativer Schraubverschlüsse sind aus mehreren Schichten aufgebaut. Stelvins „Saran Tin“ (für bis zu zehn Jahre Lagerzeit) besteht zum Beispiel aus Polyethylenschaum, einer Trennschicht, Zinn und Polyvinylidenchlorid.

Lange Stopfen besser wirken als kurze

Wein reift mit Schraubverschluss zunächst schneller als in der verkorkten Flasche. „Das liegt an dem größeren Leerraum im Flaschenkopf zwischen Wein und Verschluss“, erklärt Dr. Rainer Jung von der Forschungsanstalt Geisenheim. Wegen der hohen Dichtigkeit kommt aber kaum Sauerstoff nach - generell eigne sich ein Schraubverschluss deshalb gut, „um einen Wein sehr lange auf dem Entwicklungsstand zu halten, den er zum Zeitpunkt der Abfüllung hatte“, resümiert Jung.

Was dem Schraubverschluss fehlt, ist der klassische Plopp. „Genau dieses Geräusch wollen aber viele Weintrinker erleben“, sagt Weinhändler Robert Krupka. Kunststoffstopfen würden deshalb oft besser angenommen. Solche Pfropfen ahmen die mechanischen Eigenschaften des seit dem 17. Jahrhundert verwendeten Korkstopfens nach und dienen als elastischer Innenverschluss im Flaschenhals, der allein durch den Druck seiner Außenfläche auf das Glas abdichtet. Sie bremsen den Austausch von Gas zwischen Flasche und Umgebungsluft sowohl an der Grenze des Stopfens zum Glas (Permeation) als auch durch den Pfropf selbst hindurch (Diffusion). Dabei gilt, dass lange Stopfen besser wirken als kurze, weil mit der Länge Oberfläche und Volumen des Zylinders wachsen.

Auslöser für Fehltöne

Um den Platz im Flaschenhals kämpfen technische Korken mit extrudierten und spritzgegossenen Kunststoffpfropfen. Zur ersten Gruppe gehören einfache Agglomeratkorken, bei denen gemahlene Korkpartikeln mit Polyurethan verklebt werden. Aufwendigere Konstruktionen besitzen aufgeklebte Scheiben aus massivem Kork an den Stirnseiten. Teilweise werden Korken auch mit einer schützenden Membran überzogen. Diese soll verhindern, dass im Granulat enthaltenes 2,4,6-Trichloranisol (TCA) in den Wein eindringt. TCA ist der wichtigste Auslöser für durch Kork verursachte Fehltöne.

Kunststoffstopfen werden entweder stückweise im Spritzgussverfahren hergestellt oder als Strang extrudiert und dann auf Maß geschnitten. Bei der Extrudierung sprühen feine Düsen den Kunststoff in eine homogene Struktur. Mit der sogenannten Ko-Extrusion lassen sich auch mehrschichtige Stopfen herstellen: Für Nomacorc-Stopfen beispielsweise wird zunächst der Kern aus einem Polymer aufgeschäumt. In einem zweiten Arbeitsgang erhält der Strang einen dünnen, kautschukartigen Überzug aus demselben Material. Während das Innere des Kompositstopfens elastisch und gasdicht ist, schließt der Mantel besonders gut mit dem Glas ab.

Klicken statt ploppen

Verfechter der Theorie, dass der Wein durch den Kork atmen muss, mögen angesichts extrem dichter Verschlüsse stutzig werden: Kann sich der Wein ohne Gasaustausch mit der Luft überhaupt angemessen entwickeln? Eine hohe Dichtigkeit ist kein Nachteil, erläutert DWI-Sprecher Büscher: „Die Luft im Kopf der Flasche und der Wein selbst enthalten genügend Sauerstoff. Ein Gasaustausch zwischen Flasche und Umgebungsluft ist nicht notwendig, damit der Wein reifen kann.“ Für eine besonders lange Lagerung und Reife von Weinen sind die Plastikkorken dennoch nicht geeignet, weil sie mit der Zeit porös werden. „Die Lagerzeit von mit Kunststoffstopfen verschlossenen Flaschen ist meines Erachtens eingeschränkt“, erklärt deshalb Rainer Jung. Bei Langzeitversuchen in Geisenheim haben sich aktuelle Kunststoffstopfen immerhin über drei Jahre sehr gut bewährt. „Und die meisten Weine werden in dieser Zeit auch getrunken“, weiß der Fachmann aus dem Rheingau. Lagerweine, für die man Spitzenqualitäten von Naturkorken braucht, machen heute nur noch einen Bruchteil des Marktes aus, bestätigt Weinhändler Robert Krupka.

Doch beim Kauf entscheiden nicht allein technische Aspekte. „Noch wichtiger als die langfristige Lagerfähigkeit eines Verschlusses ist für viele Kunden seine Wertigkeit und die Ergonomie“, weiß Rainer Jung. An dieser Stelle setzten Lösungen wie der Vino-Lok (www.vino-lok.de) an. Der konische Glasstopfen hat einen Dichtring aus PVC, der an der Kante zwischen Flaschenhals und -rand eingeklemmt wird. Für den festen Halt des Stopfens während der Lagerung sorgt eine Kapsel aus Aluminium. Vino-Lok, der beim Öffnen klickt statt ploppt, kam erst 2004 auf den Markt. Heute setzen bereits renommierte Weingüter wie Schloss Vollrads im Rheingau ganz auf das System. „Wir verwenden Vino-Lok für alle Weine vom Qualitätswein bis zur Trockenbeerenauslese“, erklärt Gutsdirektor Dr. Rowald Hepp. Nur bei Sekt und Großflaschen werden noch Korken eingesetzt. Die Kunden haben die Neuerung sehr positiv aufgenommen, sagt Hepp - viele hätten hochwertige Weine mit alternativen Verschlüssen bereits aus anderen Ländern gekannt. Zufrieden zeigt sich der Direktor von Schloss Vollrads auch mit der Flaschenreifung des Weins: Wegen der höheren Dichtigkeit reife der Wein langsamer und gleichmäßiger, Probleme wie Ausläufer und Korkschmecker seien seit der Umstellung nicht mehr vorgekommen.

Fehlerquelle: Kunde

Ähnlich wie der deutsche Stöpsel aus Glas ist der Zorkverschluss (www.zork.com.au) aus Australien konzipiert. Er besteht aus einem Kunststoffstopfen, einer Dichtungsfolie und einer Kapsel aus Kunststoff. „Zork verbindet eine überlegene Verschlusstechnik mit jenem feierlichen Gefühl, das dem Öffnen klassischer Korkverschlüsse innewohnt“, sagt Joey Baker von Zork zu dem Stopfen, der ohne Korkenzieher gelöst wird.

Ob aus Glas oder Kunststoff, ob Schraubverschluss oder Stopfen - alternative Verschlüsse haben sich längst etabliert. Auch eine Spätlese mit Schraubverschluss ist kein Exot mehr im Weinladen. Doch wenn die Kunden mit ihrem Wein nicht richtig umgehen, dann hilft auch der beste Verschluss nichts, erinnert Rainer Jung: „Fehler im Wein entstehen oft durch die unsachgemäße Lagerung beim Kunden: Deutliche Temperaturschwankungen im Weinkeller haben einen stärkeren Einfluss auf die Entwicklung eines Weines als die Art des Verschlusses.“

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 24.06.2007, Nr. 25 / Seite V16
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