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Wärme aus Abwasser Heizen aus dem Gully

Im warmen Abwasser steckt viel Energie, mit der Gebäude geheizt werden können. Wenn die Wärmetauscher an der richtigen Stelle installiert werden, ist das zu attraktiven Kosten möglich.

© Hersteller Vergrößern Gestaut: Mit kleinen Wehren wird der Abfluss gesteuert

Manch gute Idee kann nur beim Warmduschen kommen. Zum Beispiel jene, dass es eigentlich schade ist, das heiße Wasser in den Abfluss zu versenken. Es ist ja teuer bezahlt. Könnte man nicht den Schmutz davonschwemmen, aber die Energie im Gebäude behalten, statt mit der warmen Fracht die Flüsse aufzuheizen?

Lukas Weber Folgen:  

Versuche dieser Art gibt es tatsächlich, für den einzelnen Haushalt lohnt aber der Aufwand meist nicht. Interessant wird es da, wo die Wärme sich vereinigt, also in den großen Rohren. In der Kanalisation liegt ein Schatz, man muss ihn nur heben. Die Temperaturen dort liegen recht gleichmäßig zwischen 12 und 20 Grad Celsius, das Erdreich um die Rohre isoliert und puffert die Spitzen. Also müsste es möglich sein, die Energie über Wärmepumpen im Winter für die Heizung und im Sommer zur Kühlung zu nutzen.

Die Technik dafür gibt es längst. Unternehmen, die sie herstellen, Wasserversorger und Forschungseinrichtungen haben sich vor einigen Jahren zu einer Vereinigung namens Equa mit Sitz in Berlin zusammengeschlossen, die sich mit wasserwirtschaftlicher Energierückgewinnung beschäftigt. Etwa 10 Prozent der Energie für Gebäudeheizung ließen sich nach Angaben der Equa allein durch Wärme aus dem Abwasser ersetzen. Die Rückgewinnung rechnet sich für jede größere Gemeinde. Wirtschaftlich wird es vor allem dann, wenn mit der Abwärme, die aus dem Kanalnetz abgegriffen wird, Verwaltungszentren, Krankenhäuser, Schulen, Wohnsiedlungen oder gar Hallenbäder beheizt werden können - also Abnehmer mit hohem und weitgehend konstantem Wärmebedarf.

Nach wenigen Jahren amortisiert

Das freilich ist erst der Anfang. Künftig könnten die Kanäle gezielt als Speicher für industrielle Abwärme genutzt werden. Dazu hat Thomas Uhrig eine Vision: „Wir haben das Netz schon“, sagt er. Statt die überschüssige Wärme über Kühltürme ungenutzt an die Umwelt abzugeben, könnte sie ins Abwasser eingeleitet werden. Dort, wo sie gebraucht wird, holt man sie wieder heraus. Rein rechnerisch reiche die industrielle Abwärme in Europa, um zwei Drittel des gesamten Raumwärmebedarfs zu decken. Für Deutschland hat es das Institut für Energieanwendung der Universität Stuttgart ermittelt, demnach sind 28 Prozent realistisch. Uhrig ist geschäftsführender Gesellschafter des gleichnamigen Straßen- und Tiefbauunternehmens aus Geisingen. Es hält eine Reihe von Patenten auf Anlagen zur Steuerung von Abwasserleitungen und zur Rückgewinnung von Wärme aus dem Kanal.

25177226 © Hersteller Vergrößern Saniert: Der Wärmetauscher aus Edelstahl wird gleich mit verlegt, er stört den Abfluss nicht

Das Therm-Liner genannte Produkt ist ein Kanalwärmetauscher aus besonders korrosionsbeständigem Edelstahl (V4A), der nachträglich in alle Rohre von 400 mm Durchmesser an eingebaut werden kann, zum Beispiel im Zuge einer ohnehin fälligen Sanierung. „Früher sind Maßanzüge geschneidert worden“, sagt Uhrig, jetzt gebe es den Therm-Liner in Stücken zu einem Meter. Der modulare Aufbau spare 50 Prozent der Kosten. Je nach Anlagengröße liegen sie wegen des teuren Edelstahls bei 500 bis 1000 Euro je Kilowatt. Das sei etwa die Größenordnung der Geothermie, meint Uhrig. Einmal gebaut, sind die Anlagen jahrzehntelang wartungsfrei; deshalb amortisieren sich die Anfangsinvestitionen nach wenigen Jahren. Dem Problem, dass sich in der Abwasserleitung mit der Zeit ein isolierender Biofilm bildet, der mehr als ein Drittel der Leistung schlucken kann, begegnet Uhrig mit entsprechend großzügiger Dimensionierung. Seit 2006 hat das Unternehmen fast 40 solcher Anlagen in Deutschland und Frankreich gebaut, darunter eine für den Elysée-Palast. Zurzeit entsteht in Frankfurt am Main ein Großprojekt mit einer Heizleistung von 700 kW und 500 kW Kühlleistung. Das amortisiere sich in drei bis vier Jahren, sagt Uhrig.

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