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Donnerstag, 09. Februar 2012
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Volkswagen Minikraftwerke für den häuslichen Keller

10.09.2009 ·  Der Energieanbieter Lichtblick und der Autobauer Volkswagen wollen Immobilienbesitzer zu Kraftwerksbetreibern machen. Gemeinsam bauen sie Minikraftwerke für den häuslichen Keller.

Von Johannes Ritter, Werner Sturbeck und Georg Küffner
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Deutsche Wohn- und Geschäftshäuser sollen künftig von ihrem eigenen kleinen Kraftwerk mit Wärme versorgt werden. Zusammengeschaltet sollen diese Energiespender ein virtuelles Großkraftwerk bilden, das den etablierten Stromkonzernen Konkurrenz macht und etwaige Versorgungslücken schließt. So lautet der Plan von Lichtblick und Volkswagen. Der Hamburger Energieanbieter und der Wolfsburger Automobilkonzern haben am Mittwoch eine "Energie-Partnerschaft" abgeschlossen.

Demnach wird VW in seinem Werk in Salzgitter Mini-Blockheizkraftwerke produzieren, die von Lichtblick als "Zuhause-Kraftwerke" von 2010 an bundesweit vertrieben werden. Blockheizkraftwerke bieten den großen Vorteil, gleichzeitig Strom und Wärme zu erzeugen.

"Das ist eine echte Revolution für den Strommarkt", sagte der Lichtblick-Vorstandsvorsitzende Christian Friege. Er hat sich zum Ziel gesetzt, in den nächsten Jahren 100.000 dieser mannshohen Anlagen zu installieren. Die Minikraftwerke, die eine elektrische Leistung von 20 Kilowatt haben und von einem VW-Gasmotor angetrieben werden, sollen vernetzt und so zu Deutschlands größtem Gaskraftwerk werden.

Angriff auf die etablierte Stromwirtschaft

Interessant dürften die Anlagen vor allem für Hausbesitzer sein, die ohnehin ihre altersschwache Heizung austauschen wollen. Das "Zuhause-Kraftwerk" bleibt im Besitz von Lichtblick. Der Kunde schließt einen Liefervertrag ab und zahlt einmalig 5000 Euro für die Installation der Anlage sowie für Ausbau und Entsorgung des bestehenden Heizkessels. Für einen monatlichen Grundpreis von 20 Euro übernimmt Lichtblick die Kosten für Wartung und Reparaturen.

Der Hamburger Ökostromanbieter präsentiert seine smarte Vernetzungsidee als Angriff auf die etablierte Stromwirtschaft mit ihren Kernkraft- und Kohlegroßanlagen. Produzenten wie Eon und RWE aber sehen das gelassen. Sie sind auf dem Feld der Miniheizkräfte schon seit Jahren selbst unterwegs. Eon-Chef Wulf Bernotat verweist auf den tiefgreifenden Transformationsprozess in der Energiewirtschaft, an dessen Ende stärker dezentrale Strukturen und intelligente Systeme stehen werden. Eon baut und betreibt bereits kleine dezentrale Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) für Schulen oder Krankenhäuser und will mittelfristig auch Mini- und Mikro-KWK für Ein- und Mehrfamilienhäuser anbieten. Die seit einiger Zeit mit Stirling-Motoren getestete Anlage werde innerhalb der nächsten zwei oder drei Jahre Marktreife erlangen, heißt es bei dem Düsseldorfer Energiekonzern.

Auch RWE testet solche Mikro-KWK mit Bosch-Geräten. "Derzeit ist diese Technik noch nicht wirtschaftlich", erklärte RWE-Sprecher Volker Heck. "Aber wir sind überzeugt davon, dass in einer immer dezentraler werdenden Energieversorgung solche Kleinstkraftwerke ihren Platz haben werden." Die angebotenen Kleinstkraftwerke sind deutlich teurer als moderne Brennwertheizungen. Für ein Mehrfamilienhaus sind mit den erforderlichen Speichern Investitionen zwischen 30000 und 50000 Euro zu veranschlagen. Dafür gibt es in den Ländern und vom Bund Fördertöpfe mit Zuschüssen von bis zu 15 Prozent. Die Einspeisegebühr für Strom zum Beispiel aus der VW-Anlage fällt unter das KWK-Gesetz. Bei mit Biokraftstoffen wie etwa Rapsöl betriebenen Mikrokraftwerken wird die eingespeiste Kilowattstunde Strom doppelt so hoch mit gut 20 Cent vergütet.

Für VW ein Zusatzgeschäft abseits des Autos

In Deutschland produzieren leistungsstarke Blockheizkraftwerke (BHKW) bereits 11 Prozent des insgesamt erzeugten Stroms. Meist sind das große Anlagen mit Leistungen bis 500 Megawatt, die die Strom- und Wärmeversorgung von Industriebetrieben und Städten übernehmen. Doch längst arbeiten in deutschen Kellern auch Kleinanlagen, die dann besonders wirtschaftlich sind, wenn die bei der Elektrizitätserzeugung anfallende Wärme rund ums Jahr genutzt werden kann, so dass sie gerne in Hotels und Saunabetrieben eingesetzt werden.

Mehrere tausend Klein-BHKW hat das Schweinfurter Unternehmen Senertec in den zurückliegenden Jahren verkauft. Angetrieben werden die kühltruhengroßen Geräte (Dachs) von einem Einzylinder-Viertaktmotor, der je nach Brennstoff (Gas oder Öl) auf 5 oder 5,5 Kilowatt elektrische Leistung kommt und damit stets zwischen 10,4 und 12 Kilowatt thermische Leistung abgibt. Ein vergleichbares Gerät (Ecopower) stellt die zur Vaillant-Gruppe gehörende Power-Plus Technologies GmbH aus Gera her.

An Geräten mit deutlich kleinerer Leistung, die damit besser für Ein- und Zweifamilienhäuser geeignet sind, arbeiten derzeit alle großen Hersteller von Heizungsanlagen. Anstelle von klassischen Kolbenmotoren werden sie von "außen befeuerten" Stirling-Motoren angetrieben, deren Grundprinzip der schottische Geistliche Robert Stirling bereits vor rund 190 Jahren erdacht hat. Recht weit hat diese Technik das neuseeländische Unternehmen Whisper Tech vorangetrieben. In Deutschland arbeiten Bosch Thermotechnik und Viessmann an stirlingbetriebenen Mini-BHKW.

Für VW ist die Produktion der Minikraftwerke ein Zusatzgeschäft, das rund 300 Arbeitsplätze sichere, sagte VW-Markenvorstand Werner Neubauer. Der VW-Betriebsratschef in Salzgitter, Andreas Blechner, sagte, VW müsse sich verstärkt Gedanken über neue Produkte abseits des Autos machen. Das Wachstum in der Automobilindustrie finde in den kommenden Jahren größtenteils auf Märkten außerhalb Westeuropas statt. Es komme aber darauf an, auch die Beschäftigung in den deutschen VW-Werken zu sichern.

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