08.02.2010 · Völkls Attiva Sol erleichtert Frauen das Skifahren. Die Fußballen stehen etwas höher, die Skienden sind schmaler. Dadurch entlastet die neue Konstruktion das Knie, weil dieses bei jeder zweiten Sportverletzung betroffen ist.
Von Gerd Gregor FethDer Freizeitsportler weiß, dass Skifahren gar nicht so schwer ist - zumindest seit die taillierten Carver die Steuerung stark vereinfachen. Aber das dynamische Gleichgewicht muss man noch halten können und vor allem locker in den Knien bleiben. Angesichts der Verbesserungen fragt man sich, warum so mancher immer noch stocksteif auf seinen Brettern steht.
Nun haben es die Frauen natürlich mal wieder besser. Denn man kümmert sich um ihren Standpunkt. Wenn sie schon auf der Tanzfläche mit ihrem bewundernswerten Rhythmusgefühl brillieren, obwohl sie auf hochhackigen Stilettos stehen, dann müssten sie doch auch auf Ski eine ebenso bewundernswerte Figur machen, ist der Gedanke.
Der niederbayerische Skihersteller Völkl jedenfalls versucht den Skidamen zu helfen. Anders als in ihren Pumps werden sie nicht hinten, sondern vorn von einer speziell konstruierten Marker-Bindung einige Millimeter angehoben. Sie stehen damit auf Völkls neuer Bretterkollektion Attiva wie auf einer nach hinten abfallenden schiefen Ebene. Das bewirkt nicht etwa eine Rücklage, sondern die Skifahrerin verlagert ihren Körper automatisch etwas nach vorn - und dadurch geht sie tiefer in die Knie. Schließlich gilt: Skifahren heißt Kniefahren.
Entschärft die Gefahren für Knie
Allein dieser kleine Kunstgriff am Vorderbacken der Bindung sorgt dafür, dass die Damen noch sicherer auf den Pisten unterwegs sind. Denn eine Folge dieser neuen Skikonstruktion, die Völkl „Bio-Logic“ nennt, ist dem Hersteller zufolge die gleichmäßigere Belastung der weiblichen Beinmuskulatur. Tests hätten gezeigt, dass „Bio-Logic“ tatsächlich die Gefahren für das Knie entschärfe, bestätigt beispielsweise der Orthopäde und Kniespezialist Jürgen Eichhorn vom Straubinger Klinikum. Völkls neue Konstruktion entlastet das Knie, damit es sich nicht so häufig verletze. Schließlich zeigt die Statistik, dass jede zweite Sportverletzung bei Frauen das Knie betrifft, bei Männern ist es nur jede vierte. Frauen reagieren hier offenbar sensibler auf spezifische Belastungen des alpinen Skisports.
Auch wenn der neue Standpunkt über dem Ski nur eine minimale Veränderung der Position bedeutet, die normalerweise kaum der Rede wert wäre, erleichtert sie das Beherrschen der Ski. Sie sind vor allem noch einfacher zu steuern, unebenes Gelände ist auf einmal souverän passierbar. „Ich fühle mich dem Skihimmel etwas näher“, sagt unsere Testerin Regine (48), die zwar über ein mit den Jahrzehnten gewachsenes, solides Skikönnen verfügt, aber in schwierigerem Gelände schnell unsicher wird. Die dann folgende, unabsichtliche Rücklage als normale Angstreaktion wird auf dem Attiva Sol sehr viel seltener eingenommen. Regine nimmt schon mal den steileren Hang direkter, schwingt schneller und kontrolliert ihre Fahrt viel besser. Ein zweiter Nebeneffekt des optimierten Beugewinkels der Knie und der besseren Körperhaltung ist ein ermüdungsfreieres Fahren, weil die Oberschenkelmuskulatur der Damen aufgrund der etwas anderen Position auf dem Ski gleichmäßiger belastet wird.
Zwei unterschiedliche Radien
Dass auch das Kurvenfahren angenehmer wird, ist einer anderen Eigenschaft der Attiva-Linie zu danken. Die Taillierung des Ski weist zwei unterschiedliche Radien auf: Das Heck ist deutlich schmaler und hat, verglichen mit der radikaler taillierten Vorderschaufel, einen viel weiteren Einzug. Wer schneller ums Eck will, kann nicht „hängenbleiben“, selbst wenn er gerade einmal nicht so optimal am Ski steht und verkantet.
DieOberflächedes neuen Skis ist nicht nur etwas mehr nach weiblichem Geschmack gestaltet, sein Innenleben ist auch flexibler als bei den üblichen Unisex-Brettern. Der Grund ist einfach: Damen wiegen deutlich weniger als Herren, so dass die Attiva-Modelle sehr viel weniger steif sein müssen. Ihr günstigerer Flex ermöglicht rundere Kurven, die harmonisch in einem Zug gefahren werden können. Freilich nur dann, wenn die Frauen sich auch in Schräglage begeben und sich ihrer scharfen Stahlkante anvertrauen. Das von uns getestete Attiva-Modell „Sol“ ist ein ziemlich aufwendig als Sandwich verleimter Ski, der einen leichten Holzkern hat - zusätzlich verstärkt mit einer dünnen Stahl-Einlage. Er kostet mit der Marker-Bindung 3Motion 499 Euro.